Fachartikel-Archiv - Seite 2

Geschätzte NutzerIn der Homepage der NÖ kija!

Im Jahr 2012 stehen die Kinderrechte nach der UN-Konvention (KRK) im Brennpunkt der Aktivitäten all jener, die sich zur Lobby für die Kinder dieser Gesellschaft gemacht haben. Es war daher nicht verwunderlich, dass sich die NÖ Kinder- und Jugendanwältin bei den Verantwortlichen der öffentlichen Jugendwohlfahrt erkundigt hat, wie es in dieser Branche mit den Kinderrechten wirklich steht.

Geschätzte NutzerIn der Homepage der NÖ kija!

Im Jahr 2012 stehen die Kinderrechte nach der UN-Konvention (KRK) im Brennpunkt der Aktivitäten all jener, die sich zur Lobby für die Kinder dieser Gesellschaft gemacht haben. Es war daher nicht verwunderlich, dass sich die NÖ Kinder- und Jugendanwältin bei den Verantwortlichen der öffentlichen Jugendwohlfahrt erkundigt hat, wie es in dieser Branche mit den Kinderrechten wirklich steht.

Die Befassung mit dieser berechtigten Frage zeigt auch mir auf, was im alltäglichen Wirken der NÖ Jugendwohlfahrt tatsächlich „Sache“ ist und nicht nur konzeptives Lippenbekenntnis. „No na net“-Ansagen dienen erfahrungsgemäß gern zur Verhinderung tiefergehender Reflexionen, daher bin ich über diese Herausforderung sehr froh.

Die zahlreichen konkreten Rechte der Kinder stehen nicht (mehr) zur Diskussion, auch braucht die Lobby der Kinder(rechte) keine rechtstheoretischen Diskurse mehr führen, denn diese Rechte sind (!) zu beachten. Zwar musste auch die KRK immer wieder mit Zugeständnissen an reale Elternrechte und andere öffentliche Interessen formulieren und auch die Republik Österreich hatte völkerrechtlich wirksame Vorbehalte eingebracht, doch ist deutlich zu erkennen, dass es noch „mehr“ bedarf, um reinen Gewissens in der Völkergemeinschaft bestehen zu können.

Nun möchte ich die tägliche Praxis in unserer Arbeit der Nagelprobe im Umgang mit der KRK zuführen. An prominenter Stelle finden sich das gedeihliche Wohl eines Kindes sowie die größtmögliche Partizipation des Kindes in seinen Angelegenheiten.

Kindeswohl stellt stets eine - von Erwachsenen definierte - Zusammenschau materieller, psychischer, physischer und sozialer Faktoren dar. Die NÖ Jugendwohlfahrt hat bereits vor wenigen Jahren ein wissenschaftlich aufbereitetes Modell zur umfassenden Behandlung dieser Faktoren sowie in Folge auch ein ebenso wissenschaftlich fundiertes Diagnoseinstrument (in Kooperation mit anderen Staaten und Bundesländern) erstellt, das den Fachkräften der Sozialarbeit und den im Einsatz befindlichen klinischen und GesundheitspsychologInnen der öffentlichen Jugendwohlfahrt zur Verfügung steht.

Die legistische Verankerung einiger Grundregeln im Umgang mit Anliegen der Kinder und Jugendlichen findet sich in unserem Landesgesetz, das zuletzt im Herbst 2012 ein modernes Bild bekommen hat (FAKULTATIV: das im Herbst 2012 im NÖ JWG 1991 umgesetzt wird). Jetzt werden auch die Vorschriften für die NÖ Jugendwohlfahrtsbehörden in den Bezirken angepasst.

Den Kinderrechten stehen aber andere „Rechte“ gegenüber, die eine Fachkraft in ihrer täglichen KlientInnenarbeit zu berücksichtigen hat.
Da gibt es vor allem die im ABGB geregelten Elternrechte (§§ 144, 145b, 146, 146a,b,c, 167, 178a et altera), die von Amts wegen nicht übergangen werden dürfen, auch wenn sich Eltern(teile) nicht ausdrücklich darauf berufen.

Modern ist die Argumentation mit den sogenannten Mindestrechten der §§ 148, 178 ABGB, die von „entrechteten“ (besser: faktisch ausgeboteten) Elternteilen ins Treffen gegenüber der Sozialarbeiterin geführt werden. In der Argumentation werden die Anliegen dieser an den familiären Rand gedrängten Personen noch durch das „Recht des Kindes auf beide Eltern“ verstärkt, obwohl klar die subjektive Zielrichtung der Argumente erkennbar ist. Ich bringe den oftmals durch entsprechende Selbsthilfevereine unterstützten Menschen großes Verständnis entgegen und bemühe mich um Unterstützung durch die JWF im Rahmen meiner Beschwerdebearbeitungsfunktion.

Wohl weniger aktiv gegenüber den MitarbeiterInnen der JWF treten die Frauen mit ihrem Recht auf freie Wahrnehmung weiblicher Interessen (eigendefinierte Gestaltung des Daseins, auch als Mutter) auf, sie haben jedoch in unserem Rechtsstaat zahlreiche prominente Befürworterinnen und sowohl der Sicherheitsapparat als auch die Sozialhilfe investieren viel Geld in einschlägige Schutzinstitutionen (Gewaltprävention, Frauenhäuser) und Beratungshilfen, sodass sich die Männerwelt (Väter) oftmals ohnmächtig mit ihren Anliegen fühlen. Nur zur Klarstellung: alle Schutzfunktionen staatlicher oder staatsnaher (geförderter) Einrichtungen werden von den Bediensteten der JWF außer Zweifel gestellt!

In der täglichen Arbeit unserer Fachleute sind all diese und noch einige weitere „Rechte“ sui generis präsent und beeinflussen die Handlungsweise bei der Umsetzung von Gefährdungsabklärung, Hilfeplanung und Berichtsleistungen in Pflegschaftsverfahren nach §§ 105, 106 Außerstreitgesetz.

Als Leiter dieser NÖ Jugendwohlfahrt lege ich starkes Gewicht auf alle Bemühungen (durch Fortbildung, Handlungsvorgaben und individuelle Empfehlungen), die mithelfen, dass diese Vielfalt an Interessenslagen bei der Behandlung des Kindes und dessen Rechte nicht überbordet. In einem Miteinander werden wir unseren Anteil an der Umsetzung der KRK auch praktisch leisten.

Mag. Reinfried Gänger

Meine Vita:

Geboren 1956 im hohen Waldviertel und damit Zeitzeuge zutiefster Missachtung kindlicher Bedürfnisse in der Gesellschaft und in den bedeutenden Institutionen wie der Schule und in den familiären Gedankenwelten entwickelte Reinfried Leopold Gänger schon sehr früh den Wunsch, im sozialen Gefüge zu wirken. Mit der Reifeprüfung ausgestattet war der erste Weg zur damaligen Bundeslehranstalt für gehobene Sozialberufe, wo er wider Erwarten als einer von 3 männlichen Aufnahmewerbern in die weibliche Domäne eines sozialen Berufes bzw. deren Bildungsstätte zugelassen worden ist. Nach dem Diplom 1976 zum Sozialarbeiter und den 8 Monaten Zivildienst (der gerade eingeführt worden war) ging er in den Erzieherdienst in einem (damals noch existenten) Wiener Großheim in Döbling.
Nach gerade mal 2 Jahren Berufserfahrung entschloss er sich zum Studium der Rechtswissenschaften, die er im März 1983 mit der Sponsion abschloss. Nach den Erfahrungen als Rechtspraktikant (darunter im Jugendgerichtshof Wien) strebte er den NÖ Landesdienst an, einerseits wegen der persönlichen Herkunft, andererseits im Wissen, dass die Jugendwohlfahrt in der Vollziehung Landessache ist.
Schon im Februar 1984 wurde er wunschgemäß (war damals absolut nicht üblich) der damaligen Abteilung VIII/2 zugewiesen, wo er (mit einer halbjährigen allgemeinen Juristeneinschulung in Mödling 1985) ununterbrochen in der öffentlichen Jugendwohlfahrt des Landes NÖ wirkt. Bereits 1995 wurde er zum Stellvertreter, ab 2.Juni 1998 zum Leiter der Fachabteilung GS6 ernannt und übt damit diese Funktion schon mehr als 14 Jahre aus. Der Einsatz- und Gestaltungswille ist ungebrochen. Mag. Gänger ist Vater dreier Kinder und seit 2 Jahren auch mit einem zauberhaften Enkelkind belohnt.

Es gibt Situationen im Leben, auf die man sich nicht zur Gänze vorbereiten kann. Die Geburt eines Kindes „mit besonderen Bedürfnissen“ ist eine solche.

'Emily Perl Kingsley' beschreibt dies so treffend in ihrer Parabel:
Wenn man ein Baby bekommt, ist es so, als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt - nach Italien. Man kauft eine Menge an Touristenführern und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Michaelangelo, man lernt bestimmt auch ein paar Wörter auf italienisch. Kurz: es ist eine sehr schöne Zeit. Nach einigen Monaten der Vorbereitung ist es endlich soweit. Du packst deine Koffer. Einige Stunden später, das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt "Willkommen in Holland".

Es gibt Situationen im Leben, auf die man sich nicht zur Gänze vorbereiten kann. Die Geburt eines Kindes „mit besonderen Bedürfnissen“ ist eine solche.

'Emily Perl Kingsley' beschreibt dies so treffend in ihrer Parabel:
Wenn man ein Baby bekommt, ist es so, als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt - nach Italien. Man kauft eine Menge an Touristenführern und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Michaelangelo, man lernt bestimmt auch ein paar Wörter auf italienisch. Kurz: es ist eine sehr schöne Zeit. Nach einigen Monaten der Vorbereitung ist es endlich soweit. Du packst deine Koffer. Einige Stunden später, das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt "Willkommen in Holland".

Ich landete irgendwo in Sibirien. Holland kam später. Viel später.
Sibirien.
Was um alles in der Welt sollte ich da?

Du wurdest im Juni geboren. Eine unkomplizierte und rasche Geburt.
Deine orangefarbenen Haare haben dir den Spitznamen „Karottenköpfchen“ beschert. Ich gebe ja zu, nicht ganz so nett wie „Mimimaus“ oder „Prinzesschen“, dafür aber umso treffender.
Du bist unser zweites Kind und die Freude, ein gesundes Mädchen geboren zu haben, war riesengroß.

Bis zur Untersuchung des Kinderarztes schien die Welt noch in Ordnung zu sein.
Von da an war allerdings alles anders.
Alleine der ausgesprochene Verdacht zog mir den Boden unter den Füßen weg.
Das konnte nicht sein.
Das trifft doch immer andere. Andere, die damit besser klar kommen, die damit umzugehen wissen.
Andere, denen man mitleidige Blicke zuwirft und im selben Moment dankbar darüber ist, „davon“ nicht selbst betroffen zu sein.

Dieses Mal nicht.
Du kamst in unsere Familie mit der Diagnose „Down Syndrom“…

Ich gestehe, ich war total überfordert mit dieser Diagnose.
Babys werden jeden Tag geboren. Und jeden Tag strahlt das Herz einer Mutter mit dem Lächeln seines Neugeborenen mit.
Mein Herz konnte nicht strahlen.

Dafür strahlte deines umso heller.

Du musstest operiert werden, nicht sofort, aber bald. Dein Herz hatte zwei Löcher, ein kleines im Vorhof und ein sehr großes zwischen den Hauptkammern.

Wie kann ein so kleines Herz ein so großes Loch haben?
Eine Fülle von medizinischen Fachausdrücken flog mir um die Ohren. Viele Fragen die mich quälten. Viele Fragen, keine Antworten.

Jetzt bist du schon acht Jahre alt.

Viele Höhen und Tiefen liegen hinter uns und so manche - schier unüberwindbare - Hindernisse haben wir zusammen gemeistert.

Ich weiß, du wirst den Anforderungen in unserem Leistungskatalog nicht gerecht werden.

Aber du, meine liebe kleine Maus, mit deiner entwaffnenden Herzlichkeit, bist uns unendlich weit voraus.

Anonym

Die Verfasserin möchte anonym bleiben

Die Landesjugendheime haben den Auftrag, Kinder vom Säugling bis hin zum jungen Erwachsenen zu betreuen. Entsprechend dieser großen Bandbreite der Altersstruktur und der Spezialisierung auf die Bedürfnisse der anvertrauten Menschen zeigt sich die Wahrung der Kinderrechte und des Kinderschutzes in vielfältigen Erscheinungsformen.
Kinderrechte und Kinderschutz sind „maßgeschneidert“ und müssen dem Kind / dem Jugendlichen „passen“ – wie das Lieblingskleidungsstück dürfen sie nicht einengen, aber auch nicht zu groß sein; sie sind persönliches Eigentum der Trägerin / des Trägers, vermitteln Sicherheit und Stärke.
Der achtsamen Umsetzung und der verlässlichen Einhaltung der Kinderrechte kommen in Landesjugendheimen besondere Bedeutung zu – die Grundhaltung und das Bekenntnis dazu werden heute von Leitungsebenen bis hin zu jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter ohne Kompromisse gefordert und gelebt.

Die Landesjugendheime haben den Auftrag, Kinder vom Säugling bis hin zum jungen Erwachsenen zu betreuen. Entsprechend dieser großen Bandbreite der Altersstruktur und der Spezialisierung auf die Bedürfnisse der anvertrauten Menschen zeigt sich die Wahrung der Kinderrechte und des Kinderschutzes in vielfältigen Erscheinungsformen.
Kinderrechte und Kinderschutz sind „maßgeschneidert“ und müssen dem Kind / dem Jugendlichen „passen“ – wie das Lieblingskleidungsstück dürfen sie nicht einengen, aber auch nicht zu groß sein; sie sind persönliches Eigentum der Trägerin / des Trägers, vermitteln Sicherheit und Stärke.
Der achtsamen Umsetzung und der verlässlichen Einhaltung der Kinderrechte kommen in Landesjugendheimen besondere Bedeutung zu – die Grundhaltung und das Bekenntnis dazu werden heute von Leitungsebenen bis hin zu jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter ohne Kompromisse gefordert und gelebt.

„Quality4Children – Standards für die Betreuung von fremd untergebrachten Kindern und jungen Erwachsenen in Europa“ (Q4C) stellen eine wichtige Basis für das Qualitätsmanagement der Landesjugendheime in ihrer fachlichen Arbeit und ihrem Selbstverständnis dar. Sie bieten die Möglichkeit zur beständigen Reflexion und Verbesserung (etwa bei der Mitgestaltung und Beteiligung von Kinder und Jugendlichen in für sie wesentlichen Entscheidungsprozessen).

Gelebte Kinderrechte und Kinderschutz in Landesjugendheimen brauchen ein gesondertes Augenmerk auf das soziale Umfeld des Kindes / des Jugendlichen.
Von Bedeutung sind unter anderem:

- das Recht auf Normalität und Schutz vor Stigmatisierung
Teile der Gesellschaft begegnen Kinder und Jugendliche, die in und von einem Landesjugendheim betreut werden, leider noch mit Vorurteilen aus der Vergangenheit. Das Spannungsfeld reicht dabei vom Mitleid für das „arme“ Opfer von familiärer Gewalt bis hin zur Stigmatisierung als „schwererziehbares“ Heimkind ohne Perspektive.
Kinder und Jugendliche haben das Recht als „normales“ Kind / „normaler“ Jugendlicher wahrgenommen zu werden!
Um Stigmatisierung zu verhindern, informieren wir die Gesellschaft über den großen Wandel des Angebots, über die vielfältigen Unterstützungsformen und die daraus entstehenden Perspektiven. Durch Offenheit und Transparenz der Landesjugendheime begünstigen wir, dass Menschen Kindern und Jugendlichen „normal“ begegnen, sie entsprechend ihrer Talente und ihrer Persönlichkeit als wichtigen Teil der Gesellschaft wahrnehmen und wertschätzen.

- das Recht auf Schutz vor Misshandlung bei gleichzeitigem Recht auf die eigene Familie
Einige Kinder und Jugendliche erleben, dass ihr Schutz und ihre Sicherheit in ihrer Familie aus vielfachen Gründen nicht oder nicht ausreichend gewahrt werden. Eine zeitweise alternative Versorgung (etwa in einem Landesjugendheim) ist für die Jugendwohlfahrt zuweilen eine zwingende Schutzmaßnahme. Trotz dieses erforderlichen Schutzes gilt es aber dem natürlichen Bedürfnis des Kindes / des Jugendlichen, ein Teil seiner Familie zu sein, Rechnung zu tragen. Ohne das Recht auf Zugehörigkeit und Verbundenheit zu der eigenen Herkunftsfamilie erleben sich Kinder und Jugendliche „heraus gerissen“ und sind durch Loyalitätskonflikte und Existenzängste in ihrem Entwicklungsprozess blockiert.
Durch vielfältige Angebote der Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien in dieser problematischen Lebensphase wird in den Landesjugendheimen das Recht auf familiäre Identität und Zugehörigkeit bei gleichzeitigem Schutz des Kindes / der Jugendlichen gelebt.

Kinderrechte und Kinderschutz sind Teamarbeit!
Kinderrechte und Kinderschutz brauchen achtsame Kooperation, konstruktives Miteinander und wertschätzenden Dialog, um in ehrlicher Reflexion lebendig, real und wirksam zu sein. Gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern (Jugendwohlfahrt, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Kinderschutzzentren u.a.) werden Maßnahmen gesetzt, um Kinderrechte und Kinderschutz in Landesjugendheimen zu festigen und deren Entwicklung weiter zu fördern.

Die Etablierung der Ombudsstellen der Kinder- und Jugendanwaltschaft in den Landejugendheimen ist dabei ein wichtiger Schritt. Den Kindern und Jugendlichen wird somit eine zusätzliche, von Landesjugendheimen unabhängige externe Beratung und Unterstützung geboten.

Um das Angebot für Kinder und Jugendliche möglichst umfassend zu erweitern, werden in den Landesjugendheimen „Kinder- und JugendBeauftragte intern KiJuBi“ installiert. Sie stellen eine interne, bereits bekannte Vertrauensperson dar, zu denen Kinder (auch jüngeren Alters) niederschwellig und leicht Zugang finden. Anliegen, Sorgen und Kummer der Kinder und Jugendlichen führen im vertrauensvollen Miteinander zu Interventionen, um Entwicklungen und Verbesserungen zu erreichen.

Gemeinsam sind wir aufgerufen im konstruktiven, fachlichen Dialog Kinderrechte und Kinderschutz in Landesjugendheimen weiter zu entwickeln und in vielfältiger Form zu sichern!

vHR Dr. Otto Huber, geboren 1956

Leiter der Gruppe Gesundheit und Soziales und der Abteilung Landeskrankenanstalten und Landesheime beim Amt der NÖ Landesregierung

Ausbildung/Berufserfahrung:
JUS Studium an der UNI Wien.
1980 bis 1985 Leiter der Strafabteilung und Gewerbeabteilung an den Bezirkshauptmannschaften Wien-Umgebung und Korneuburg.
1986 bis 1995 Leiter des Büros von Frau Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop.
Seit 1995 Leiter der Abteilung Landekrankenanstalten und Landesheime und seit 1996 Leiter der Gruppe Gesundheit und Soziales beim Amt der NÖ Landesregierung.

Zusätzliche Funktionen:
Mitglied und Experte der NÖ Landeskliniken-Holding und des NÖGUS.

Bereits im sehr jungen Alter begegnet Kindern Pornographie im Internet. Die virtuelle Welt des Internets eröffnet jungen Menschen eine nie dagewesene Zugangsmöglichkeit zu Allem erdenklichen, ob positiv für die weitere persönliche Entwicklung oder auch nicht.

Kinder werden mit einer Form der Sexualität konfrontiert, die der Realität nicht entspricht. Für sie wird Pornographie meist zum ersten Referenzpunkt, was Sexualität anbelangt. Eine Vergleichsmöglichkeit mit dem was Sexualität eigentlich sein könnte fehlt.
Weder Eltern noch Schule sind primäre Aufklärer einer jungen Generation die heranwächst, sondern das Internet wird zum Aufklärer Nummer 1.
Als Verein „Safer Surfing – Kinder-, Jugend- und Erwachsenenschutz im Internet“ begegnen wir Menschen die oft im jungen alter ungewollt auf Pornographie stoßen - Kein Kind sucht so was von sich aus beim ersten Mal, es ist nicht ein Grundbedürfnis des Menschen.

Bereits im sehr jungen Alter begegnet Kindern Pornographie im Internet. Die virtuelle Welt des Internets eröffnet jungen Menschen eine nie dagewesene Zugangsmöglichkeit zu Allem erdenklichen, ob positiv für die weitere persönliche Entwicklung oder auch nicht.

Kinder werden mit einer Form der Sexualität konfrontiert, die der Realität nicht entspricht. Für sie wird Pornographie meist zum ersten Referenzpunkt, was Sexualität anbelangt. Eine Vergleichsmöglichkeit mit dem was Sexualität eigentlich sein könnte fehlt.

Weder Eltern noch Schule sind primäre Aufklärer einer jungen Generation die heranwächst, sondern das Internet wird zum Aufklärer Nummer 1.

Als Verein „Safer Surfing – Kinder-, Jugend- und Erwachsenenschutz im Internet“ begegnen wir Menschen die oft im jungen alter ungewollt auf Pornographie stoßen - Kein Kind sucht so was von sich aus beim ersten Mal, es ist nicht ein Grundbedürfnis des Menschen.

Der jüngste Fall war ein sechsjähriger, der weder lesen noch schreiben konnte, aber wusste wie er im Internet nach Pornographie suchen konnte – „Die älteren Geschwister haben ihm das gezeigt“ war die Auskunft eines besorgten Vaters.

Wir erleben als Verein, dass die meisten Ratsuchenden, die uns kontaktieren, nicht Eltern sind die Fragen zur Prävention (Schutz im Internet) haben, sondern Hilfe benötigen wie sie ihrem Kind helfen können aus der Sucht herauszukommen, aber auch oftmals selbst von der Sucht betroffenen sind. Auch Mädchen und Frauen sind hier betroffen, es ist nicht nur ein „Männerproblem“. Der Übergang von gelegentlichen Pornographie surfen zur eigentlichen Sucht ist schnell gegeben, der Ausstieg weist sich als nicht einfach.

Unsere Umfragen in Zusammenarbeit mit Jugendlichen ergaben:

  • Erstkontakt mit Pornographie: Burschen wie Mädchen ca.12,5 Jahre.
  • Zugang via Schulkollegen (Smartphones), ältere Geschwister, „der Nachbar“, „der Onkel“, Playboy bei den Socken/Unterwäsche des Vaters, …
  • Einschätzung der Befragten in wieweit Pornographie die Einstellung zur Sexualität verändert: „geringe Auswirkung“.
  • Aufklärung stattgefunden (dazu zählt nicht nur das Wissen um Pille, Kondom und Co): ¾ der Befragten haben keine ausreichende Aufklärung gehabt.
  • Kaum PCs/Laptops/Smartphones mit Kinderschutzsoftware ausgestattet.


Leider ist das Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen, aber auch der Eltern nicht vorhanden, dass der Konsum der Pornographie, Auswirkungen auf die eigene Sexualität, aber auch auf die Begegnung mit anderen Menschen hat. Fragen kommen bei Jugendlichen hoch, wie „Erwartet mein Partner, dass ich all das umsetze, was in der Pornographie gezeigt wird“. Sexualität auf Knopfdruckt (Mausklick), wie in der Internet-Pornographie wird vermittelt. „Sie kann immer, sie will immer“. Das Gegenüber wird zu einem Objekt der Lust und nicht als Mensch, als Individuum wahrgenommen.

Pornographie wird der Sexualität gleichgestellt und reduziert die eigentliche Sexualität auf was rein mechanisches, losgelöst von wichtigen Komponenten wie Liebe, Nähe, Vertrauen und Sicherheit - Wie sehr hier die Wiederbelebung der christlichen Werte gut tun würde!

Der Pornographiekonsum führt zu einem geringen Selbstwertgefühl, wie auch zu erhöhter Gewaltbereitschaft haben eine Anzahl an Studien gezeigt (siehe www.internet-pornographie.de)
Erfreulich ist aber, dass in letzter Zeit die 68er, auch von 68er Vorreitern, mehr und mehr kritisch hinterfragt werden. Man hat beschränkt nur mehr gelernt über Sexualität zu reden, stattdessen viel plakativ gezeigt und bei Themen wie Pille, Kondom, Aids und One-Night-Stand, ist Aufklärung stecken geblieben – darüber hinaus ist Sexualität kein wirkliches Thema.

Was also tun, gerade auch als Eltern.

Ganz entscheidend ist, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und dem Internet die Aufklärung der eigenen Kinder zu überlassen. Als Eltern, als Partner und als Mitmenschen ist es wichtig sich diesem Thema und der Verantwortung zu stellen, auch mit seiner eigenen Sexualität und Vergangenheit versöhnt zu werden. Jeder Mensch hat eine Geschichte, die er/sie mitbringt, Erlebnisse im Bereich der Sexualität, die nicht immer positiv waren.

Wichtig im Heranwachsen der Kinder ist es als Elternteil da zu sein, das Gespräch frühzeitig zu suchen und nicht erst mit 14 „das Aufklärungsgespräch“ durchzuführen. Aufklärung ist hier gefragt und diese sollte nach und nach dem Alter entsprechend stattfinden.

Entscheidend ist hier dem Kind als Elternteil zur Seite zu stehen, das Gespräch regelmäßig zu suchen, dem Kind zu ermöglichen mit einer gesunden Einstellung zur Sexualität, abseits der Pornographie, aber auch dem Umgang mit dem Internet zu ermöglichen.

Hier einige Tipps, die wir bei Schulungen weitergeben im Zusammenhang mit dem Umgang mit dem Internet und der Erkennung von Warnsignalen und Indikatoren, dass eventuell ein Problem vorliegt:

  • Kind verbringt eine Menge Zeit online, besonders Nachts.
  • Monitor wird vom Kind rasch ausgeschaltet/wechselt den Bildschirm des Monitors, wenn Eltern in den Raum kommen. Die berühmte „ALT + Tabulator“-Taste.
  • Eltern erwischen ihr Kind beim Lügen über das Benutzen des Computers.
  • Kind isoliert sich oder wird depressiv und zieht sich vom normalen Familienleben zurück. Kind gibt Hobbies auf.

Was also tun:

  • Klare Vereinbarungen rund um PC und Internet mit dem Kind schließen: Grenzen, Regeln … Erklären warum.
  • Nicht den Kopf in den Sand stecken bzw. „Mein Kind würde so was nicht tun“. Hinschauen nicht wegschauen.
  • Privatsphäre wahren, aber offenes Gespräch suchen. Gemeinsam Internetseiten kritisch betrachten. Die positiven sowie negativen Aspekte des Internets beleuchten.
  • Interesse zeigen, welche Seiten das Kind im Internet besucht, Lieblingsseiten… Sich etwas am Computer erklären lassen.
  • Wissen, was im Leben des Kindes vor sich geht.
  • Weiterbilden. Technisch sich herausfordern lassen. Kinder sind meist technisch besser unterwegs als Eltern.
  • Kinderschutzsoftware. Empfehlung Kindersicherung siehe www.safersurfing.eu
  • Filme auf Inhalte (Gewalt, Pornographie …) überprüfen: www.kids-in-mind.com


Weitere Infos unter www.safersurfing.eu oder www.facebook.at/safersurfing

Es besteht auch die Möglichkeit das Spezialmodul der NÖ Elternschule n Zusammenarbeit mit dem Verein Safer Surfing unter dem Titel „Digitale Verführung – Pornographie im Internet - Hilfestellung für Eltern, die Aufklärung nicht dem Internet überlassen wollen“ zu besuchen.
Nähere Informationen oder Anmeldung bei der Familienhotline unter 02742/9005-1-9005

Philip Pöschl, 42, verheiratet, Vater von 3 Kindern, Obmann des Vereins Safer Surfing,
Verein seit 5 Jahren aktiv, Tätigkeit europaweit.
Websites 20.000 Besucher pro Monat.
Beruflicher Hintergrund: Pharma Forschungsleiter, wirtschaftlicher Hintergrund
Sitz des Vereins: Mödling, NÖ
Websites:
www.safersurfing.eu
www.facebook.at/safersurfing
www.internet-pornographie.de
www.shg-pornographieabhaengigkeit.at

Bericht über den Verein: ORF, ATV, Puls4, ARD

„Die große Kunst ist, den Kindern alles, was sie tun oder lernen sollen, zum Spiel zu machen“ (John Locke)

Der Kindergarten ist in den letzten Jahren als oft erste Betreuungseinrichtung außerhalb der Familie immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Diese Aufmerksamkeit entspricht durchaus der Bedeutung dieses Zeitraumes in der Entwicklung und in der Bildungsbiografie jedes Kindes.

Kinder erobern die Welt mit der ihnen angeborenen Neugier. In einem Prozess der aktiven Auseinandersetzung erweitern Kinder stetig ihre Erfahrungen, ihr Wissen über sich und ihre Umwelt - sie machen sich ein Bild von der Welt und den Menschen.
Dass frühkindliches Lernen wichtig ist, wird durch die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschungen wesentlich unterstützt, die deutlich machen, dass die Grundfähigkeiten für komplexes Lernen bereits im frühkindlichen Alter gelegt werden.
Die Entwicklung von Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ist ein steter Prozess der Auseinandersetzung und des Dialoges mit Bezugspersonen und den unmittelbaren Erfahrungen mit der Umwelt. Kinder lernen am meisten und am besten, wenn sie „selbstwirksam“, „selbstbildend“ und „aktiv“ beteiligt sind.

„Die große Kunst ist, den Kindern alles, was sie tun oder lernen sollen, zum Spiel zu machen“ (John Locke)

Der Kindergarten ist in den letzten Jahren als oft erste Betreuungseinrichtung außerhalb der Familie immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Diese Aufmerksamkeit entspricht durchaus der Bedeutung dieses Zeitraumes in der Entwicklung und in der Bildungsbiografie jedes Kindes.

Kinder erobern die Welt mit der ihnen angeborenen Neugier. In einem Prozess der aktiven Auseinandersetzung erweitern Kinder stetig ihre Erfahrungen, ihr Wissen über sich und ihre Umwelt - sie machen sich ein Bild von der Welt und den Menschen.
Dass frühkindliches Lernen wichtig ist, wird durch die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschungen wesentlich unterstützt, die deutlich machen, dass die Grundfähigkeiten für komplexes Lernen bereits im frühkindlichen Alter gelegt werden.
Die Entwicklung von Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ist ein steter Prozess der Auseinandersetzung und des Dialoges mit Bezugspersonen und den unmittelbaren Erfahrungen mit der Umwelt. Kinder lernen am meisten und am besten, wenn sie „selbstwirksam“, „selbstbildend“ und „aktiv“ beteiligt sind.

Lernen ist ein aktiver Vorgang. Damit neue Inhalte gelernt und gespeichert werden können, müssen sie vom Kind mit bereits Vorhandenem, Bekanntem verknüpft werden können.
Lernen braucht inneres Beteiligtsein. Lernangebote müssen sich am Interesse des Kindes orientieren. Ohne Aktivierung emotionaler Zentren können keine neuen Erfahrungen verankert werden.
Lernen braucht Aufmerksamkeit. Je intensiver wir uns einer Sache zuwenden, desto aufmerksamer sind wir und desto besser werden Inhalte gespeichert.
Lernen braucht Motivation. Wir lernen, wenn der Neuigkeitsgehalt des Lernenden groß ist. Positive Erfahrungen folgen, wenn das Ergebnis besser ist als wir erwartet haben.
Lernen braucht Wiederholung.

Bei spielenden Kindern sind sämtliche Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen erfüllt - sie sind aktiv, höchst konzentriert, motiviert, stark emotional beteiligt und in ihr Spiel vertieft.
Kinder lernen ganzheitlich – mit allen Sinnen und brauchen als Unterstützung für Lernen und Entwicklung „Umwelten“
- die Sicherheit und Orientierung bieten
- die sie zu vielfältigen Erfahrungen herausfordern
- die Freiräume bieten, um die eigene Kreativität spielerisch zu entdecken
- in der sie entwicklungsfördernde Strukturen vorfinden - Wertschätzung von Wissbegier und Bildungsinteresse
- die – jeweils dem Alter und der Entwicklung gemäß - die Möglichkeit bieten, Konflikte selbst lösen zu dürfen und Probleme selbst bewältigen zu können
- die Anregungen enthalten, um individuelle Interessen zu entwickeln
- die es ermöglichen, als Individuum und als Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden
Die Grundlage für günstig verlaufende Bildungsprozesse muss immer eine sichere und tragfähige Beziehung zu erwachsenen Bezugspersonen sein. Sie ist Voraussetzung dafür, dass das Kind Neuem gegenüber aufgeschlossen sein kann.

Der Kindergarten nimmt in Zusammenspiel von mitgebrachten Fähigkeiten und Umweltweinflüssen eine wesentliche Rolle ein. Hier werden die Kinder mit ihren Begabungen und Fähigkeiten und mit ihrer ganzen Persönlichkeit wahrgenommen und entsprechend gefördert und in ihrer Entwicklung unterstützt.
Um Kinder die Chance zu bieten, ihre Begabungen zu entfalten und zu verwirklichen bietet der Kindergarten ein breites Spektrum an Bildungsangeboten und Lernerfahrungen mit reichhaltigen und vielfältigen Materialien.
Bei der Gestaltung von Lern- und Bildungsangeboten im Kindergarten wird auf individuelle Begabungen, Stärken und Interessen eingegangen und es werden Bildungsinhalte zur Verfügung gestellt in den Bildungsbereichen
- Emotionen und soziale Beziehungen
- Ethik und Gesellschaft
- Sprache und Kommunikation
- Bewegung und Gesundheit
- Ästhetik und Gestaltung
- Natur und Technik
Ein grundlegendes Ziel in der pädagogischen Arbeit im Kindergarten ist es, eine Atmosphäre der Lebendigkeit, des Wohlbefindens, der Toleranz und der Wertschätzung zu schaffen als Basis für alle Lern- und Bildungsprozesse.
Um ihre Persönlichkeit und damit ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten zu können, brauchen Kinder
- verlässliche Beziehungen und Menschen, die sie in ihrer Individualität anerkennen, die mit ihnen in Beziehung treten und sie unterstützen
- Entwicklungsräume – einerseits reale Räume, andererseits Regeln, Rituale, Grenzen, die Orientierung, Klarheit, Struktur und Sicherheit vermitteln
- Zeit, um im individuellen Tempo zu entdecken, zu lernen, zu wiederholen, Erfahrungen zu sammeln
- Zeit für Fragen und Antworten
- die Möglichkeit, sich mit ihren individuellen Unterschiedlichkeiten als vollwertiger Teil der Gruppe zu erleben, ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit zu erfahren und Wertschätzung von Unterschiedlichkeiten zu erleben und zu entwickeln
- Mitwirkungsmöglichkeiten an der Gestaltung des pädagogischen Alltag, je gezielter Mitwirkung der Kinder möglich ist, umso zielsicherer kann Förderung stattfinden
- soziales Miteinander – erleben, dass das Individuum Teil einer Gemeinschaft ist
Der Kindergarten bietet in Kooperation mit den Eltern und als Ergänzung zur familiären Erziehung Lebens-, Lern- und Begegnungsräume als Grundlage und Unterstützung für das Heranreifen verantwortungsvoller Erwachsener, die ihre Stärken kennen und damit einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl und zur dynamischen Entwicklung der Gesellschaft leisten.

Dr. Renate Steger, Abt. Kindergärten

Lit.: Bildungsplan für Kindergärten in Niederösterreich. Siehe auch www.noe.gv.at/kindergarten
Eva Stundner/Christa Schrammel, Der Kindergarten. Ein Ort, um Begabungen zu entdecken und zu entfalten. In: Talenteförderung. Hrsg. NÖ Landesakademie, 2010

Dr. Renate Steger, Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, seit 1979 tätig beim Amt der NÖ Landesregierung, ab 2004 Abteilungsleitungstellvertretung der Abteilung Kindergärten

In einem kleinen Ort im Weinviertel verunglückt eine 37-jährige Frau mit dem PKW schwer und wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Sie liegt im Koma, die Prognose ist ungewiss. Die Frau lebte mit ihren beiden kleinen Söhnen, 7 und 9 Jahre alt, in einer kleinen Wohnung im Ort. Die Familie ist finanziell sehr schlecht gestellt, sie zog vor 3 Jahren nach dem plötzlichen Tod des Vaters an einem Herzinfarkt aus Wien in diesen Ort, da die Mutter dort aufgewachsen und gut sozial integriert ist. Es gibt keine Großeltern oder sonstige Verwandte der Familie mehr. Die Buben sind im Fußballklub und bei den Pfadfindern aktiv und haben viele Freunde.
Die Kinder sind während des Unfalls in der Schule, die Nachricht vom Unfall verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt an, etliche Familien im Ort bieten an, die Kinder für einige Zeit zu beherbergen. Auch eine gute Freundin der Mutter, die ebenfalls im Ort wohnt, und selbst zwei Kinder hat, bietet an, die Kinder zu sich zu nehmen. Jedenfalls will niemand, dass die Kinder in ein Heim kommen. Die Direktorin und eine Lehrerin behalten die Kinder unter einem Vorwand einmal bei sich. Die Polizei und das Jugendamt sollen die Kinder informieren und erste Maßnahmen ergreifen. Sie alarmieren über Notruf 144 das AKUTteam Niederösterreich zur Unterstützung.
(kein realer Fall, Fallgeschichte wurde aus typischen Problemstellungen zusammengestellt)

Was bietet das AKUTteam an?
Das AKUTteam Niederösterreich, ein Service der NÖ Landesakademie, unterstützt mit seinen psychologischen und psychotherapeutischen Fachkräften Betroffene durch Einsätze vor Ort sowie mit Fachkräften aus dem Bereich der Sozialarbeit im Hintergrund in den ersten Stunden, Tagen und Wochen nach Schicksalsschlägen oder in akuten Krisensituationen. Es entstehen den Betroffenen keine Kosten, diese werden vom Land Niederösterreich getragen. Besonders bei Ereignissen, von denen Kinder als Hinterbliebene, oder auch Verletzte und Verstorbene betroffen sind, ist das Umfeld selbst höchst alarmiert, verunsichert und überfordert. Die erste Reaktion ist: Eine solche Situation dürfte eigentlich Kindern nicht zustoßen! Eigene Urängste tauchen auf und verhindern ein sicheres und authentisches Auftreten den betroffenen Kindern gegenüber. Es entstehen im Umfeld oft Impulse, das Geschehene ungeschehen machen zu wollen oder vor den Kindern herunterzuspielen oder zu verschweigen. Es wird als schwierig erlebt, die richtigen Worte zu finden. In solchen Situationen wird die professionelle Unterstützung und Beratung der erwachsenen Bezugspersonen durch das AKUTteam als sehr hilfreich und stabilisierend empfunden, denn nur stabile Bezugspersonen können Kindern in solchen Situationen schützend beistehen.

In einem kleinen Ort im Weinviertel verunglückt eine 37-jährige Frau mit dem PKW schwer und wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Sie liegt im Koma, die Prognose ist ungewiss. Die Frau lebte mit ihren beiden kleinen Söhnen, 7 und 9 Jahre alt, in einer kleinen Wohnung im Ort. Die Familie ist finanziell sehr schlecht gestellt, sie zog vor 3 Jahren nach dem plötzlichen Tod des Vaters an einem Herzinfarkt aus Wien in diesen Ort, da die Mutter dort aufgewachsen und gut sozial integriert ist. Es gibt keine Großeltern oder sonstige Verwandte der Familie mehr. Die Buben sind im Fußballklub und bei den Pfadfindern aktiv und haben viele Freunde.
Die Kinder sind während des Unfalls in der Schule, die Nachricht vom Unfall verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt an, etliche Familien im Ort bieten an, die Kinder für einige Zeit zu beherbergen. Auch eine gute Freundin der Mutter, die ebenfalls im Ort wohnt, und selbst zwei Kinder hat, bietet an, die Kinder zu sich zu nehmen. Jedenfalls will niemand, dass die Kinder in ein Heim kommen. Die Direktorin und eine Lehrerin behalten die Kinder unter einem Vorwand einmal bei sich. Die Polizei und das Jugendamt sollen die Kinder informieren und erste Maßnahmen ergreifen. Sie alarmieren über Notruf 144 das AKUTteam Niederösterreich zur Unterstützung.
(kein realer Fall, Fallgeschichte wurde aus typischen Problemstellungen zusammengestellt)

Was bietet das AKUTteam an?
Das AKUTteam Niederösterreich, ein Service der NÖ Landesakademie, unterstützt mit seinen psychologischen und psychotherapeutischen Fachkräften Betroffene durch Einsätze vor Ort sowie mit Fachkräften aus dem Bereich der Sozialarbeit im Hintergrund in den ersten Stunden, Tagen und Wochen nach Schicksalsschlägen oder in akuten Krisensituationen. Es entstehen den Betroffenen keine Kosten, diese werden vom Land Niederösterreich getragen. Besonders bei Ereignissen, von denen Kinder als Hinterbliebene, oder auch Verletzte und Verstorbene betroffen sind, ist das Umfeld selbst höchst alarmiert, verunsichert und überfordert. Die erste Reaktion ist: Eine solche Situation dürfte eigentlich Kindern nicht zustoßen! Eigene Urängste tauchen auf und verhindern ein sicheres und authentisches Auftreten den betroffenen Kindern gegenüber. Es entstehen im Umfeld oft Impulse, das Geschehene ungeschehen machen zu wollen oder vor den Kindern herunterzuspielen oder zu verschweigen. Es wird als schwierig erlebt, die richtigen Worte zu finden. In solchen Situationen wird die professionelle Unterstützung und Beratung der erwachsenen Bezugspersonen durch das AKUTteam als sehr hilfreich und stabilisierend empfunden, denn nur stabile Bezugspersonen können Kindern in solchen Situationen schützend beistehen.

Wie reagieren Kinder?
Für diese beiden Kinder stellt die Situation eine Wiederholung von schon Erlebtem dar. Auch der Vater wurde ohne Vorwarnung aus ihrem Alltag gerissen und auf die Intensivstation eingeliefert. Er starb nach wenigen Tagen. Die Kinder, damals 4 und 6 Jahre alt, haben ihn lebend nicht mehr gesehen. Diese Vorerfahrung hat mit Sicherheit Einfluss auf ihre jetzige Reaktion. Haben sie damals erlebt, dass es nach Verlust, Trauer und Trennung mithilfe einer stabilen und sicheren Bezugsperson auch wieder weiter gehen und zu einem guten Neubeginn kommen kann, so wird ihnen diese Vorerfahrung nützen. Haben sie damals Chaos, Angst und Hilflosigkeit der Bezugsperson(en) erlebt, wurden sie angelogen und in Unwissenheit gehalten, so werden sie diesmal wieder in diese Gefühlslage zurückfallen und entsprechend mehr Probleme haben, die Situation zu bewältigen.
Kinder reagieren anders. Sie zeigen in verschiedenen Altersphasen unterschiedliche Vorstellungen und Reaktionsweisen nach Begegnung mit Sterben und Tod. Kinder reagieren viel spontaner, sprunghafter, Gefühlschwankungen sind wesentlich stärker als bei Erwachsenen und können in wesentlich rascherer Abfolge auftreten. (Bogyi (2003) : 20)
So kann ein Kind plötzlich in frühere Verhaltensweisen zurückfallen und wieder einen Schnuller verlangen, daumenlutschen oder einnässen. Es kann sich verhalten, als ob nichts geschehen wäre und keine der erwarteten Reaktionen zeigen. Es kann plötzlich übertrieben fröhlich und hektisch herumtollen und Witze machen und damit die Erwachsenen völlig verunsichern. Verschiedenste körperliche Reaktionen können auftreten, wie Erbrechen, Durchfall, Schmerzen, herabgesetzte Abwehrkraft gegen Infektionen,… Eine typische Reaktion ist auch Angst, z.B. Angst vor weiteren Verlusten, vor dem Alleinsein, Angst im Dunkeln zu schlafen, Angst selbst zu sterben. Wut ist ebenfalls ein häufiger Bestandteil der Trauerarbeit, bei Kindern oft unmittelbarer und direkter. Sie haben Wut auf den/die Verstorbenen oder Schwerverletzten, weil er/ sie sie im Stich lässt. Manchmal wird die verlorene Person auch entwertet, um den Schmerz nicht in all seiner Wucht spüren zu müssen. (Bogyi (2003) : 20)
Hier ist zu sagen, dass es sich grundsätzlich empfiehlt, solche Verhaltensweisen als normale Reaktionen auf eine außergewöhnliche Situation zu sehen. Alle diese Reaktionen sind als Abwehr- und Schutzmechanismen zunächst einmal gut und für das Kind erforderlich, um alle Kräfte zu sammeln und sich dann mit der Realität und seiner eigenen Trauer und Emotion auseinanderzusetzen. Problematisch wird es erst, wenn sich Symptome durch längere Zeit fortsetzen und eine Bewältigung und Besserung nicht eintritt. In diesem Fall sollte professioneller Rat eingeholt werden.

Was brauchen Kinder in einer solchen Situation am meisten?
Was Kinder immer und besonders in Krisensituationen brauchen, ist in wenigen Worten zusammengefasst:
Sicherheit, Halt, Ehrlichkeit, Authentizität; Stabile Bezugspunkte und –personen,

„Wichtigster Grundsatz in der Krisenbegleitung mit Kindern und Jugendlichen ist, dass sie die Wahrheit viel besser ertragen können als beschönigende Lügen.“ (Bogyi (2003) : 26)
Erwachsene sollen daher bei der Frage: „Wie sage ich es dem Kind?“, immer ehrlich und offen sein. Auch eigene Emotionen wie Trauer und Schmerz dürfen dabei gezeigt werden. Sie geben dem Kind die Sicherheit, zu seinen eigenen Emotionen zu finden und Trauer zuzulassen. Unwahrheiten oder unvollständige Informationen lassen mehr Raum für eigene Fantasien und Ängste. Den Kindern sollte in einfacher, dem Alter entsprechender Sprache ehrlich über das Ereignis Auskunft gegeben und danach Gesprächsbereitschaft gezeigt werden. Es ist wichtig, alle auftauchenden Fragen offen zu beantworten, ohne sich aufzudrängen.

Bei einer ersten Stabilisierung ist ganzheitlich immer an alle körperlichen, psychischen und sozialen Aspekte der Betroffenen zu denken.
Daraus ergeben sich direkt die ersten Schritte für eine hilfreiche Unterstützung und Begleitung.
Körperliche Bedürfnisse und Probleme dürfen niemals vergessen werden. Haben die Kinder etwas zu essen bekommen? Sind sie erschöpft, wirken sie krank, haben sie es warm?
Wo werden sie schlafen, welche Rituale hatten sie mit der Mutter beim Schlafengehen, Frühstücken, Aufgabeschreiben,…

In unserem Fall gibt es für die Kinder grundsätzlich ein soziales Netz und fixe Bezugspunkte. Sie sollten möglichst rasch in einen Alltag zurück können, in dem sich viele Elemente aus dem „Leben davor“ fortsetzen: Schule, Freunde, Fußball, Pfadfinder, Wohnort,…Das Angebot der guten Freundin, die Kinder zu sich zu nehmen würde fürs erste das Behalten dieser unveränderten Bezugspunkte gewährleisten.

Der ältere Bub möchte auch die Mutter möglichst bald besuchen. Die Freundin der Mutter war schon im Krankenhaus und hat festgestellt, dass die Mutter im Gesicht entstellt und auf der Intensivstation mit all den Geräten und Infusionsschläuchen beängstigend aussah. Kann man das den Kindern zumuten? Hier hilft das AKUTteam bei der Entscheidung und Vorbereitung der Kinder auf den Besuch, der bei guter Begleitung grundsätzlich für die Kinder sehr hilfreich ist.

Da die einzige sorgeberechtige Person, die Mutter, ausgefallen und derzeit nicht handlungsfähig ist, hat in diesem Fall das Jugendamt die Obsorge zu übernehmen und unaufschiebbare Maßnahmen zu treffen. Das Pflegschaftsgericht wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt im weiteren Verlauf über die Obsorge und den Verbleib der Kinder entscheiden.
Während die vorübergehende Unterbringung bei der Freundin im Moment für die Kinder sicher das Beste ist, ist für den Fall der längerfristigen Pflegebedürftigkeit oder des Todes der Mutter abzuklären, ob die Freundin die Kinder neben ihren beiden Kindern wirklich dauerhaft in Pflege nehmen oder adoptieren will und soll. Eventuell müsste die Familie der Freundin in eine größere Wohnung umziehen, die Kinder der Freundin könnten mit Eifersucht und Überforderung reagieren. Oft ergeben sich auch aktuell finanzielle Probleme, wie schaut es mit finanziellen Ansprüchen der Kinder aus, wer bekommt Familienbeihilfe, gibt es eine Waisenpension vom Vater, Krankengeld von der Mutter? Wovon sollen dringende Anschaffungen für die Kinder bezahlt werden, was passiert mit der Wohnung, der Miete, der Stromrechnung, den laufenden Krediten der Mutter? Aber auch: Wo bekommen die nun schon mehrfach traumatisierten Kinder altersentsprechende Traumatherapie, zu welchem Zeitpunkt ist diese überhaupt sinnvoll und wie schaut es mit den Kosten aus? Hier kann das AKUTteam bei der Planung unterstützen, bei Entscheidungen beraten und auf mögliche Probleme und Lösungen hinweisen, den Kontakt zu den Behörden wie dem Jugendamt herstellen, bei der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten unterstützen und an geeignete TherapeutInnen oder Institutionen weitervermitteln.

Wie wird die Unterstützung durch das AKUTteam NÖ angefordert?

Das AKUTteam wird über die Rettungsleitstelle in Niederösterreich unter der Telefonnummer (02742)144 Notruf Niederösterreich angefordert. Es sollte beim Disponenten kurz der Vorfall, der Betreuungswunsch, der vorgesehene Betreuungsort und eine Rückrufnummer bekannt gegeben und das AKUTteam verlangt werden. Aufgrund dieser Alarmierung ist nicht zu befürchten, dass ohne Rücksprache sofort jemand vor der Tür steht, ohne die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen vorher abzuklären: Der Journaldienst ruft immer zunächst an der angegeben Nummer zurück und vereinbart die weitere Vorgehensweise (wer, wie, wo, wann,…) Unsere Fachkraft kann in der Regel etwa binnen 1 ½ Stunden vor Ort sein. Es können aber auch einfach Infos eingeholt oder die weitere Betreuung in anderer Form, Termine für den Abend, den nächsten Tag etc. vereinbart werden.

Mag. Elisabeth Weber-Schigutt,
Sozialarbeiterin und Juristin,
Leitung-Stv. des AKUTteams Niederösterreich
Informationen unter www.akutteam.at

Verwendete Literatur:

Bogyi Gertrude, Perko Gabriele, Voithleitner Ursula (2003): Seelische Hilfe für Kinder und Jugendliche, Krisenintervention nach traumatischen Erlebnissen (Fortbildungsunterlage – AKUTteam)

Hausmann Clemens (2003): Handbuch Notfallpsychologie und Traumabewältigung. Grundlagen, Interventionen, Versorgungsstandards. Wien: Facultas

Van der Kolk Bessel, McFarlane Alexander, Weisaeth Lars (2000): Traumatic Stress, Grundlagen und Behandlungsansätze,Theorie, Praxis und Forschung zu posttraumatischem Stress sowie Traumatherapie. Paderborn: Junfermann

Mag. DSA Elisabeth Weber-Schigutt, geb. 1963,

Diplomierte Sozialarbeiterin, Juristin, Eingetragene Mediatorin in Zivilrechtssachen
1993-1999: Hauptberufliche Sachwalterin, NÖ. Landesverein f. Sachwalterschaft
1999-2008: Konfliktreglerin im Außergerichtlichen Tatausgleich, NEUSTART St.Pölten
2005-2007: Psychosoziale Prozessbegleitung von Verbrechensopfern

seit 2008: NÖ Landesakademie - AKUTteam Niederösterreich
Aufgabenbereiche: Fachliche Zuständigkeit Sozialarbeit, Leitung-Stellvertretung-AKUTteam
seit 2003: Nebenberufliche Lektorin an der FH St.Pölten, Studiengang Soziale Arbeit

Jahr für Jahr flüchten tausende Kinder und Jugendliche alleine, ohne ihre Eltern, aus den Krisenregionen in Asien und Afrika und aus Osteuropa. Im Jahr 2009 erreichten 1.182 dieser »unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge« Österreich. Sie erhoffen sich hier eine Perspektive für ihre Zukunft, Frieden, Sicherheit und Schutz vor Verfolgung. Wenn sie Europa erreichen, erleben sie oft herbe Enttäuschungen. Bevor sie endlich ankommen können, müssen sie einen Hindernislauf aus Verdächtigungen, Schikanen und zermürbendem Warten durchmachen.

Jahr für Jahr flüchten tausende Kinder und Jugendliche alleine, ohne ihre Eltern, aus den Krisenregionen in Asien und Afrika und aus Osteuropa. Im Jahr 2009 erreichten 1.182 dieser »unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge« Österreich. Sie erhoffen sich hier eine Perspektive für ihre Zukunft, Frieden, Sicherheit und Schutz vor Verfolgung. Wenn sie Europa erreichen, erleben sie oft herbe Enttäuschungen. Bevor sie endlich ankommen können, müssen sie einen Hindernislauf aus Verdächtigungen, Schikanen und zermürbendem Warten durchmachen.
Das Buch gibt Einblicke in das Leben unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, greift aktuelle Probleme des Asylverfahrens und der Betreuung jugendlicher AsylwerberInnen auf und liefert Anstöße für eine Verbesserung der Situation.
216 Seiten Format 12 x 19, Preis: 17.80 €
ISBN: 975385476-352-9

Im Jahr 2002 gab es 39.954 Menschen, die in Österreich Asyl beantragten, dabei handelte es sich in 3.161 Fällen um UMF. Bis zum Jahr 2010 sanken die Zahlen um etwa 70%. Vom insgesamt 11 ….. Asylanträgen entfielen 934 auf UMF. Die meisten UMF kamen im Jahr 2010 aus Afghanistan (ca 40%), Nigeria (ca 10%), Moldawien und Algerien (jeweils ca 7%).
Zulassungsverfahren
Seit einigen Jahren ist die Zulassung zum Asylverfahren vielleicht der heikelste Punkte für AsylwerberInnen. Im Zulassungsverfahren werden die Jugendlichen nicht genauer nach ihren Fluchtgründen befragt, die Asylbehörden befassen sich zunächst lediglich damit, welches Land nach den Bestimmungen der Dublin-II Verordnung für die Behandlung des Asylverfahrens zuständig ist.
Praxis der Altersfeststellung
Seit 1 Jänner 2010 können Personen die angeben minderjährig zu sein, zur multifaktorellen Altersbegutachtung geschickt werden. Neben rechtlichen und ethischen Bedenken bestehen massive Zweifel an der Brauchbarkeit der vorgesehenen Methoden. Gesetze (FRÄG 2009) und Erlasslage (zuletzt 5.11.2010) stellen klar, dass Altesbegutachtungen nur bei Zweifel an der Minderjährigkeit und nur als „ultimo ratio“ anzuordnen sind. Im Zweifel ist von der Richtigkeit der Angaben des Minderjährigen auszugehen „in dubio pro minore“. In der Praxis werden diese Grundsätze jedoch nicht, oder nur unzureichend, befolgt.
Unterbringung
Im Jahr 2005 gelang es erstmals, allen neu ankommenden UMF in spezielle Betreuungeinrichtungen unterzubringen. Der Rückgang der zum Verfahren zugelassenen SC (aufgrund vermehrter Volljährigkeitserklärungen und gesunkener Antragszahlen) führt zu Auslastungsproblemen in den Unterbringungseinrichtungen.
Obsorge bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
Am 19.10.2005 erklärte der Oberste Gerichtshof, dass unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein Obsorgeberechtigter zu bestimmen ist. Heute wird der überwiegenden Mehrzahl der UMF nach der Zulassung zum Asylverfahren ein Obsorgeberechtigter zur Seite gestellt. Es gibt allerdings immer noch Regionen, in denen die Klärung der Obsorge nicht oder nur in Ausnahmefällen erfolgt. In der täglichen Praxis werden die Verpflichtungen der Obsorge bis heute meist nur unzureichend wahrgenommen. Oft kennen die Jugendlichen den Obsorgeberechtigten nicht einmal persönlich.
Bildungssituation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
Dem Recht auf Schulbildung für AsylwerberInnen im schulpflichtigen Alter wird in Österreich grundsätzlich entsprochen. Nur wenige UMF sind aber bei ihrer Ankunft in Österreich noch schulpflichtig. Nach Beendigung der Pflichtschule gibt es keine Möglichkeit zu arbeiten oder mit einer Lehre zu beginnen, somit bleibt einzig die schulische Perspektive offen.
Asylverfahren
In den letzten Jahren kam es zu einer deutlichen Beschleunigung der Asylverfahren. Immer mehr Asylverfahren von UMF können nun noch während der Minderjährigkeit rechtskräftig abgeschlossen werden. Damit gewinnen die Themen Rückkehr und Integration nach Anerkennung an Bedeutung.
Asyl und subisdiärer Schutz
Offizielle Statistiken über die Erteilung von subsidiärem Schutz und Asyl bei UMF liegen nicht vor. Eine im Sommer 2010 von der asylkoordination österreich durchgeführte Erhebung im Rahmen des Projekts „Better Integration of Separated Children“ brachte folgende Ergebnisse: Im Jahr 2009 erhielten 142 UMF subsidiären Schutz zugesprochen, in 17 Fällen wurde Asyl gewährt. Die überwiegende Mehrzahl der Jugendlichen, die im Jahr 2009 subsidiären Schutz erhielten, kam aus Afghanistan (114).
Schubhaft bei Minderjährigen
Immer wieder kommt es zu Schubhaftverhängung bei minderjährigen Fremden. In der Praxis wird bei Minderjährigen zwischen 14 und 16 Jahren wesentlich öfter das gelinder Mittel angewandt (in mehr als 90% der Fälle), bei älteren Minderjährigen kommt es hingegen eher (ca. 2/3) zur Anordnung von Schubhaft.

Minderjährige in Schubhaft 2010
14-16 Jahre: 18
16 – 18 Jahre: 154
Gesamt: 172

Abschiebung von Minderjährigen
Es kam in den letzten Jahren immer wieder zu Abschiebungen von UMF. Laut Innenministerium werden die unbegleiteten Minderjährigen von Kontaktbeamten immer an die Erziehungsberechtigten oder an Jugendwohlfahrtsbehörden übergeben. Der unabhängige Menschenrechtsbeobachter konnte diese Vorgehen jedoch nicht bestätigen.

Mag. Heinz Fronek

Mag. Heinz Fronek (geb. 1965 in Steyr)
Klinischer- und Gesundheitspsychologe, Verkehrspsychologe und Supervisor
Seit 1995 Mitarbeiter der asylkoordination österreich. Experte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Koordinator von diversen nationalen Arbeitsgruppen zu UMF. Vertreter im Netzwerk Kinderrechte und im Separated Children in Europe Programm. Initiator des Patenschaftsprojekts Connecting People.

Bald ein Vierteljahrhundert nachdem das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes (kurz: Kinderrechtekonvention-KRK) – unbestritten das Flaggschiff unter den zielgruppenspezifischen Rechtskodifikationen "in the interest of the child" – von der internationalen Staatengemeinschaft (außer USA und Somalia) angenommen worden ist (20.11.1989) – darf die Frage gestellt werden, ob sich die Rechte von Kindern in der gesellschaftlichen Alltagswelt durchgesetzt haben oder ob die Idee einer kinder(rechte)freundlichen Gesellschaft in den Unterzeichnerstaaten, darunter Österreich, selbst heute noch "in den Kinderschuhen steckt"?

Bald ein Vierteljahrhundert nachdem das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes (kurz: Kinderrechtekonvention-KRK) – unbestritten das Flaggschiff unter den zielgruppenspezifischen Rechtskodifikationen "in the interest of the child" – von der internationalen Staatengemeinschaft (außer USA und Somalia) angenommen worden ist (20.11.1989) – darf die Frage gestellt werden, ob sich die Rechte von Kindern in der gesellschaftlichen Alltagswelt durchgesetzt haben oder ob die Idee einer kinder(rechte)freundlichen Gesellschaft in den Unterzeichnerstaaten, darunter Österreich, selbst heute noch "in den Kinderschuhen steckt"?

Um dieser Frage für Österreich nachzugehen, sind folgende Eckpunkte festzuhalten: Ratifiziert am 6. August 1992 und kundgemacht mit BGBl. 1993/7, sind die insgesamt 54 Artikel der Kinderrechtekonvention am 5. September 1992 fixer Teil des österreichischen Rechts geworden.

Rechte des Kindes in Gesetzen
Eine Anmerkung wert ist in diesem Zusammenhang – aus mittlerweile historischer Sicht, dass im Jugendwohlfahrtsgesetz 1989 (JWG 1989) bzw. im Kindschaftsrechts-ÄnderungsG 1989 (KindRÄG 1989) mit keinem Wort Bezug genommen wurde, dass auf internationaler Ebene zeitgleich intensive Vorbereitungen zur Kodifizierung eines universell geltenden Katalogs an Kinderrechten (nämlich der KRK) im Gange waren. In den Gesetzeserläuterungen zum Kindschaftsrechtsänderungsgesetz 2001 (KindRÄG 2001) war schließlich davon die Rede, dass von der Kinderrechtekonvention „wertvolle Impulse“ für die Reform ausgehen, allerdings „kein zwingender Handlungsbedarf“ bestünde. Lediglich wird Verweise auf die Kinderrechtekonvention finden sich z.B. bei folgenden Regelungen: »Obsorge beider Eltern‹‹ (§§ 167 und 177 ABGB): Art. 18 KRK - “gleichteilige elterliche Verantwortlichkeit beider Elternteile“ für die Erziehung und Entwicklung des Kindes; »Besuchsrecht des Kindes‹‹ (§ 178 Abs 3 ABGB): Art. 9 Abs. 3 KRK – „Recht des Kindes auf regelmäßige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden Elternteilen“; »selbständige Verfahrensfähigkeit des Kindes in Pflege-, Erziehungs- und Besuchsrechtsfragen‹‹ (§ 182a AußStrG): Art. 12 KRK – „Berücksichtigung des Kindeswillens“.

Auch in der Folge findet sich in mehreren einschlägigen Gesetzen kein Hinweis auf die Kinderrechtekonvention: beispielsweise angeführt sei hier das Kinderbeistand-Gesetz, das Familienrechtsänderungsgesetz 2009 (FamRÄG 2009), das Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie oder das Tabakgesetz; der fehlende Hinweis auf die Kinderrechtekonvention im Tabakgesetz ist umso befremdlicher, als im WHO-Übereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs ausdrücklich auf das Recht des Kindes auf Gesundheit gemäß Artikel 24 der Kinderrechtekonvention verwiesen wird.

Vereinzelt wird die Kinderrechtekonvention in neueren Regelungsmaterien als Argumentationshilfe herangezogen, wie etwa im 2. Gewaltschutzgesetz: hier werden die Art. 3 (Kindeswohl), Art. 24 (Recht des Kindes auf Gesundheit) und Art. 39 (Verbot sekundärer Viktimisierung) angeführt, allerdings nicht Art. 19 (Schutz vor Gewalt, Misshandlung oder Verwahrlosung).
Mehrfach Bezug auf die Kinderrechtekonvention nimmt auch der mittlerweile zum vierten Mal aufgrund des kostenargumentierten Widerstands einzelner Länder in der Warteschleife hängende Entwurf zum Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz (zuletzt B-KJHG 2012).

Eine "Sonderbestimmung" im Fremdenpolizeigesetz 2005, und zwar der § 67 Abs. 1, nimmt in seinem Wortlaut einen fraglichen Bezug auf die Kinderrechekonvention:
- § 67. (1) ………
Die Erlassung eines Aufenthaltsverbotes gegen EWR-Bürger, Schweizer Bürger oder begünstigte Drittstaatsangehörige, die ihren Aufenthalt seit zehn Jahren im Bundesgebiet hatten, ist dann zulässig, wenn aufgrund des persönlichen Verhaltens des Fremden davon ausgegangen werden kann, dass die öffentliche Sicherheit der Republik Österreich durch seinen Verbleib im Bundesgebiet nachhaltig und maßgeblich gefährdet würde. Dasselbe gilt für Minderjährige, es sei denn, das Aufenthaltsverbot wäre zum Wohl des Kindes notwendig, wie es im Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes vorgesehen ist.

Rechte des Kindes in der Rechtsprechung der Höchstgerichte
Als ein weiteres Indiz zur Beantwortung der Frage, ob Kinderrechte mittlerweile in der österreichischen Rechtsrealität "salonfähig" geworden sind, kann die Tatsache gewertet werden, ob und inwieweit die Kinderrechtekonvention von den Höchstgerichten wahrgenommen und als Entscheidungshilfe für deren Rechtsprechung herangezogen wird:
Der Verfassungsgerichtshof hat bislang gerade in einem einzigen Fall einen Anlass gesehen, die Kinderrechtekonvention in seinen Entscheidungen zu berücksichtigen (VfGH-Erkenntnis vom 9.03.2011, G287/09 zur Glaubens- und Gewissenfreiheit), nicht hingegen im richtungsweisenden Erkenntnis vom 28. Juni 2012, zur Frage der Ungleichbehandlung des Vaters eines unehelichen Kindes (G 114/11-12).
Der Verwaltungsgerichtshof wiederum berief sich in einer Serie von Erkenntnissen auf die nicht unmittelbare Anwendbarkeit der Kinderrechtekonvention, weshalb eben aus Art 10 Abs. 1 KRK beispielsweise kein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Niederlassungsbewilligung gemäß 113 Abs. 10 Fremdengesetz abgeleitet werden könne. Im Erkenntnis vom 29.04.2011, 2009/09/0132, stützte der Verwaltungsgerichtshof seine Entscheidung auf das Fakultativprotokoll der Kinderrechtekonvention betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie.
Der Oberste Gerichtshof hingegen nahm mehrfach Bezug auf die Kinderrechtekonvention, z.B. bei der Beurteilung der Frage nach Zulässigkeit der Wohnsitzverlegung eines Kindes (Iran) , zum Anspruch des Kindes auf persönlichen Verkehr mit dem Elternteil, bei dem es nicht aufwächst (6 Ob 2398/96g), bei der Beurteilung der Anerkennung von ausländischen Adoptionen (Kongo) , in einer Rechtssache betreffend einen Interessenkonflikt zwischen einer Inkognito-Adoption und dem Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Eltern gemäß Art. 7 KRK (2 Ob 129/06v). In den Rechtssachen 3 Ob 505/96, 9 Ob A330/97p, 8 Ob A68/04i und 8 Ob A63/09m schließlich fanden sich Verweise auf den „Expertenbericht über die Rechte des Kindes 2(1993).

Rechte des Kindes in der Verfassung
Hatte der Nationalrat bereits im Zuge der parlamentarischen Behandlung des "Expertenberichts über die Rechte des Kindern" am 14. Juli 1994 angeregt, die verfassungsrechtliche Verankerung der Grundsätze der Kinderrechtekonvention prüfen zu lassen (E156 - NR XVIII. GP), so ist dies mit dem am 20. Jänner 2011 beschlossenen und am 16. Februar 2011 in Kraft getretenen Bundesverfassungsgesetz über die Rechte der Kinder (BGBl. I Nr. 4/2011) – also knapp zwanzig Jahre nach der Ratifikation der Kinderrechtekonvention (BGBl. Nr. 7/1993) – Wirklichkeit geworden.
Mit dem BVG über die Rechte der Kinder sind auf verfassungsgesetzlicher Stufe:

  • der Anspruch von Kindern auf den für ihr Wohlergehen notwendigen Schutz und Fürsorge,
  • der Anspruch auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung und
  • das Recht auf regelmäßige persönliche Beziehungen und direkte Kontakte zu beiden Eltern, es sei denn, dies steht seinem Wohl entgegen.
  • das schon in der Kinderrechtekonvention (Art. 3 KRK) und in Art. 24 Grundrechte-Charta postulierte Grundprinzip der vorrangigen Beachtung des Wohles des Kindes bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen,
  • die Wahrung der Interessen von Kindern – auch unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit
  • das absolute Verbot von Kinderarbeit,
  • das Recht des Kindes auf angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner Meinung in allen es betreffenden Angelegenheiten,
  • der Anspruch fremduntergebrachter Kinder auf besonderen Schutz und Beistand des Staates sowie
  • der Anspruch eines Kindes mit Behinderung auf den seinen besonderen Bedürfnissen entsprechenden Schutz und Fürsorge
  • Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.

Rechte des Kindes in der Alltagswelt?
Gesetze allein machen Kinder nicht glücklich! Naiv wäre solches zu denken oder zu glauben. Gerade durch die normative Kraft verfassungsgesetzlich verankerter Kinderrechte hat jeder Akt der Gesetzgebung und der Verwaltung folgendem Prüfmaßstab standzuhalten: Werden die Interessen von Kindern gewahrt und wird dem Wohl des Kindes in den verschiedenen Lebenssituationen und Interessenkonstellationen Vorrang gegenüber sonstigen Erwägungen eingeräumt im Sinne der Sicherstellung einer bestmöglichen Entwicklung und Entfaltung?

WFA-Kinder-und-Jugend-Verordnung
Dieser etwas sperrige Begriff handelt von der wirkungsorientierten Folgenabschätzung v.a. von Gesetzesvorhaben auf Kinder und junge Menschen. Mit diesem neu geschaffenen Modell soll künftighin insbesondere geprüft werden, ob durch Gesetzesvorhaben
1. der Schutz, die Förderung und die Betreuung von Kindern oder
2. der Unterhalt für Kinder und der Ausgleichs für Kinderkosten oder
3. die Zukunftssicherung junger Menschen in mittelfristiger Perspektive
zentral betroffen sind.

Indem mit der am 1. Jänner 2013 in Kraft tretenden wirkungsorientierten Folgenabschätzung (WFA) vor allem legistische Vorhaben einem ex ante Evaluationsprozess unterzogen werden, soll die Basis dafür geschaffen werden, dass künftig die in der Erwachsenenwelt übliche Erwachsenenperspektive in einer Weise ergänzt wird, dass die mit der Vorbereitung von Gesetzen befassten Ministerien und die dort tätigen Legistinnen und Legisten im Rahmen eines solchen ex-ante Monitoring - Prozesses angehalten sind, sich "in die Schuhe" von Kindern und jungen Menschen zu versetzen und damit die im BVG über die Rechte von Kindern bzw. in der Kinderrechtekonvention verankerten Rechtsverbriefungen in die einfachgesetzliche Lebenswirklichkeit umzusetzen.

Dr. Ewald FILLER

Institut für Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Universität Innsbruck
Projektleiter des "Expertenberichts zum UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes"
Verfasser des österreichischen Erstberichts über die Umsetzung der Kinderrechtekonvention"
Verfasser des zweiten österreichischen Staatenberichts über die Umsetzung der Kinderrechtekonvention
Kinder- und Jugendanwalt des Bundes im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend

Das Recht auf Partizipation von Kindern ist zentral in der UN-Kinderrechtskonvention verankert: Beteiligung ist eines von vier Grundprinzipien und bedeutet, dass Kinder und Jugendliche das Recht auf Partizipation, auf Mitsprache und auf Mitentschei-dung in allen sie betreffenden Angelegenheiten haben. Dieses Prinzip fordert die Achtung der Meinung von Kindern und Jugendlichen ein (KRK Artikel 12).

Das Recht auf Partizipation von Kindern ist zentral in der UN-Kinderrechtskonvention verankert: Beteiligung ist eines von vier Grundprinzipien und bedeutet, dass Kinder und Jugendliche das Recht auf Partizipation, auf Mitsprache und auf Mitentschei-dung in allen sie betreffenden Angelegenheiten haben. Dieses Prinzip fordert die Achtung der Meinung von Kindern und Jugendlichen ein (KRK Artikel 12).
Wie können jugendliche Flüchtlinge sich beteiligen, von diesem Recht Gebrauch ma-chen? Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die alleine, ohne Elternteil oder einer anderen erwachsenen Person, die normalerweise für die Betreuung des Kindes zuständig ist, nach Österreich kommen. Ca. 1000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stellen pro Jahr einen Asylantrag in Österreich. Nach einem Aufenthalt im Erstaufnahmezentrum werden sie in eine für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge spezialisierte Einrichtung in einem von sieben Bundesländern transferiert (und das meistens ohne Mitsprache der Jugendlichen).
Das Don Bosco Flüchtlingswerk arbeitet seit dem Jahr 2003 mit unbegleiteten min-derjährigen Flüchtlingen. Im Jugendwohnheim Abraham des Don Bosco Flüchtlings-werks leben 16 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und wir erleben hier tagtäg-lich die Herausforderung, das Recht auf Partizipation in der pädagogischen Praxis umzusetzen. Wie kann das im Alltag ausschauen? Einmal in der Woche treffen sich alle Jugendlichen zum „Meeting“, einem Treffen aller Bewohner gemeinsam mit der Heimleiterin und dem Betreuer im Dienst. Hier können die Jugendlichen ihre Anlie-gen in der Gruppe diskutieren, Regeln hinterfragen, Ausflugsideen einbringen etc. Rund um die Uhr ist für sie auch eine Betreuerin oder ein Betreuer im Haus, zu der / dem sie mit ihren Anliegen kommen können. Die Jugendlichen werden begleitet und motiviert, sich nach dem Deutschkurs eine Ausbildung ihren Interessen entsprechend zu suchen – auch das nicht immer ganz einfach. So wird ein Jugendlicher, der ei-gentlich am liebsten eine Apothekerlehre machen will, nun vielleicht doch in der Tou-rismusbranche eine Ausbildung beginnen. Besonders in der Zeit der Vorbereitung auf den Auszug mit 18 Jahren ist es uns ein Anliegen, die Meinung und den Wunsch der Jugendlichen zu berücksichtigen, in welches Heim sie als nachfolgende Einrich-tung ziehen – auch wenn im Rahmen der Grundversorgung viele Wünsche nicht zu erfüllen sind.

Partizipationsworkshop „Melde dich zu Wort“
Im Juli 2010 wurde erstmals der Partizipationsworkshop „Melde dich zu Wort“ für 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus ganz Österreich durchgeführt. Die Ju-gendlichen trafen sich zu einem zweitägigen Workshop in Wien, um sich über ihre Situation, ihr Leben in Österreich auszutauschen und in Austausch mit relevanten Organisationen wie dem Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen UNHCR und der asylkoordination österreich zu treten. Ein Ziel war es, sie zu motivie-ren, sich selbst zu organisieren und für ihre eigenen Interessen und Rechte einzutre-ten und ihre Bedürfnisse und Wünsche zu artikulieren, das Empowerment der unbe-gleiteten minderjährigen Flüchtlinge.
Initiiert wurde das Treffen von Jean Gatsinzi, der selbst als unbegleiteter minderjähri-ger Flüchtling aus Ruanda nach Österreich gekommen war und Mitglied im europäi-schen Netzwerk „Separated Children in Europe Programme Youth Network“ ist.
Die Jugendlichen diskutierten Themen wie Asylverfahren, Rassismus, Arbeit und Geld, Schule und Ausbildung etc. Die Auswahl der Themen ergab sich aus den An-gaben, die die Jugendlichen bei der Anmeldung zum Workshop gemacht hatten. Da-bei zeigte sich, dass Geld eines der Hauptthemen der Jugendlichen ist, weil sie mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Betrag kaum auskommen. Alle würden gerne etwas arbeiten, um sich die Finanzen aufzubessern. Die Möglichkeiten dafür sind aber sehr beschränkt.
Zum Thema Asylverfahren berichteten die Jugendlichen, dass das lange Warten auf den Bescheid sie zermürbt. Wie viele Monate, Jahre wird es noch dauern, bis über den Asylantrag entschieden sein wird? Und wie viel Lebenszeit haben die Jugendli-chen dann dadurch verloren, weil sie in dieser Zeit keine Lehre machen dürfen? Das Schlimme für die betroffenen Jugendlichen ist daran die Ungewissheit und das Nichtstun, zu dem sie nach dem Hauptschulabschluss verurteilt sind, wenn sie die Aufnahme an eine höhere Schule nicht bestehen.
Vielen macht es auch zu schaffen, dass sie während des Asylverfahrens nicht in an-dere Länder reisen können, um ihre Familienangehörigen oder Freunde zu treffen und dass sie nicht innerhalb Österreichs umziehen dürfen. Außerdem haben sie das Gefühl, dass die Sachverständigen am Asylgerichtshof ihnen nicht glauben. Deshalb wünschen sich viele, dass es Kontrollen der Verfahren durch UNHCR geben soll. Als Ungerechtigkeit wird eine Abschiebung nach fünf bis zehn Jahren in Österreich emp-funden, vor allem wenn die Jugendlichen sich bemüht haben, sich hier zu integrieren, Deutsch zu lernen und Schulen zu absolvieren. Die Jugendlichen wünschen sich auch mehr Kontakt zu österreichischen Jugendlichen.
Am zweiten Tag des Wochenendes traf sich die gesamte Gruppe zu einer Plenums-diskussion mit Birgit Einzenberger und Annika Bergunde von UNHCR und mit Heinz Fronek von der Asylkoordination. Diese drei Personen stellten ihre Organisationen vor und ermutigten die Jugendlichen in ihrem Engagement und bestärkten sie, sich einzubringen. Die Jugendlichen sollen ihre Anliegen an die Organisationen herantra-gen, die sich dafür einsetzen können, etwas zu verändern: das sind die Betreuungs-einrichtungen, das Jugendamt und eben auch UNHCR und die Asylkoordination Ös-terreich.
Für das Selbstbewusstsein der Jugendlichen war der Austausch wichtig, viele haben uns positives Feedback dazu gegeben und auch berichtet, dass sie stolz darauf wa-ren, sich getraut zu haben am Workshop teilzunehmen. Sie fuhren begeistert wieder nach Hause und die meisten wollen in irgendeiner Art und Weiseweiter aktiv sein und sich beteiligen. Innerhalb kurzer Zeit haben sie Freundschaften gebildet. Besonders überrascht hat, dass bei der Diskussionsrunde mit UNHCR und der Asylkoordination am Sonntag Nachmittag, 50 Jugendliche trotz Hitze und Sprachprobleme sich zwei Stunden lang aufmerksam zuhörten und die Zeit für diese Diskussion eigentlich zu kurz war! Es wurde uns dabei aber auch bewusst, wie wenig die Jugendlichen teil-weise über das Asylverfahren und die Abläufe und ihre Rechte dabei wissen. Die Frage eines jungen Burschen aus Somalia beim Partizipationsworkshop hat mich sehr nachdenklich gestimmt: „Gibt es überhaupt Recht in Österreich?“
Das Recht auf Partizipation ist gerade bei den jugendlichen Flüchtlingen sehr einge-schränkt, vieles wird für sie bestimmt, es wird über sie entschieden und eine der wichtigsten Entscheidungen – ob sie in Österreich bleiben dürfen oder nicht – treffen Beamte des Staats Österreich und das nach jahrelangen Verfahren, da zählt die Meinung des jungen Flüchtlings meistens nicht viel. Es ist zu hoffen, dass das Recht auf Partizipation und Mitentscheidung der Jugendlichen künftig eine größere Rolle spielen wird, nachdem die Kinderrechte nun seit Februar 2011 auch in der österrei-chischen Verfassung festgeschrieben wurde . Und wir arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen daran, ihrer Stimme mehr Gehör zu schenken, so wie sie sich gegen-seitig dazu motivieren: „Melde dich zu Wort!“
Den Bericht über den Partizipationsworkshop finden Sie unter:
www.fluechtlingswerk.at

Auch für Sommer 2011 ist wieder ein Workshop geplant, zur Zeit sind wir noch auf der Suche nach Finanzierung dieses Wochenendes.

MMag. Margit Pollheimer, geb. 1976. Studium der Psychologie, Ethnologie und Pädagogik an der Universität Wien, Ausbildung im Sozialmanagement. Geschäftsführerin des Don Bosco Flüchtlingswerks Austria seit 2002.

In der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahre 1946, die von fast allen Staaten der Welt ratifiziert wurde, wird Gesundheit als grundlegendes Menschenrecht bezeichnet und als „Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ definiert. Ausdrücklich betont wird dabei, dass Gesundheit weit mehr sei als die „bloße Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“ Im Jahre 1986 präzisierte die WHO in der Ottawa Charta diese Definition noch weiter, indem Sie den Begriff „Gesundheitsförderung“ prägte und diese mit der Vermittlung jener Fähigkeiten gleichsetzte, die jemand benötigt, um Bedürfnisse zu befriedigen, Wünsche und Hoffnungen wahrzunehmen und zu verwirklichen sowie die Anforderungen der Umwelt zu meistern bzw. diese nach eigenen Bedürfnissen zu verändern.

In der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahre 1946, die von fast allen Staaten der Welt ratifiziert wurde, wird Gesundheit als grundlegendes Menschenrecht bezeichnet und als „Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ definiert. Ausdrücklich betont wird dabei, dass Gesundheit weit mehr sei als die „bloße Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“ Im Jahre 1986 präzisierte die WHO in der Ottawa Charta diese Definition noch weiter, indem Sie den Begriff „Gesundheitsförderung“ prägte und diese mit der Vermittlung jener Fähigkeiten gleichsetzte, die jemand benötigt, um Bedürfnisse zu befriedigen, Wünsche und Hoffnungen wahrzunehmen und zu verwirklichen sowie die Anforderungen der Umwelt zu meistern bzw. diese nach eigenen Bedürfnissen zu verändern.
Diesem Verständnis folgend geht es keinesfalls darum, alle potentiellen Risiken zu meiden, sondern darum, ein möglichst erfülltes und glückliches Leben anzustreben und zu realisieren. – Wer alles, was angenehm ist und Spaß macht, aber auch risikobehaftet ist, unterlässt, lebt wahrscheinlich nicht länger, bestenfalls kommt ihm/ihr das Leben viel länger vor. Der Weg zum Ziel „Gesundheit“ soll laut WHO ausdrücklich nicht ein paternalistischer sein, der bestimmte Verhaltensweisen propagiert, Menschen zu manipulieren oder gar zu zwingen versucht. Das Mittel der Wahl ist ein partizipativ-emanzipatorischer Zugang, welcher Menschen dabei unterstützt, grundlegende Fähigkeiten zur Lebensbewältigung zu entwickeln, damit diese so ihren ganz individuellen Weg zu einem lebenswerten – und damit gesunden – Leben finden.
Die von der WHO vorgegebene Methode zur Gesundheitsförderung baut auf grundlegende Prinzipien, wie Menschen in einer freien demokratischen Gesellschaft miteinander umgehen sollten. Diese Prinzipien determinieren zusehends das Selbstverständnis demokratischer Gesellschaften und sind in Österreich seit vielen Jahren in den Bereichen Erziehung und Bildung gesetzlich verankert. Zusehends weniger Menschen sind bereit, Einschränkungen ihrer demokratischen Grundrechte im Alltags- und Berufsleben hinzunehmen, und auch Heranwachsende erleben heutzutage autoritäres und paternalistisches Verhalten von Eltern und LehrerInnen als inadäquat und übergriffig. Wenn die Grundregeln demokratischer Interaktion nicht einhalten werden, d.h. wenn manipuliert, überredet oder genötigt wird, entsteht in der Regel emotionaler Widerstand; ein Phänomen, das in der Sozialpsychologie als „Reaktanz“ bezeichnet wird. Jede/r kennt dieses spontane Gefühl der Auflehnung gegen als ungerechtfertigt erlebte Einflussnahmen durch Dritte wohl gut aus eigener Erfahrung und weiß, wie man sich in dieser emotionalen Aufgewühltheit zu Äußerungen oder Verhaltensweisen hinreißen lässt, die man - sachlich analysiert - als hochgradig unvernünftig und vielleicht sogar selbstschädigend beurteilen würde.
Menschen lassen sich durchwegs durch andere Menschen beeinflussen – allerdings primär von solchen Menschen, die sie schätzen, zu denen sie also „einen guten Draht“ haben bzw. die sie bewundern. Man spricht vom „Lernen am Modell“, das im Wesentlichen unbewusst passiert und in jeder Gesellschaft eine zentrale Funktion bei der Weitergabe von kulturellen Werten und bei der Aneignung akzeptierter Verhaltensweisen hat. Diese Orientierung an Meinungen und Verhaltensweisen anderer und eine darauf folgende Einstellungsänderung und Adaption des eigenen Verhaltens geschieht nicht schlagartig, sondern ist ein langwieriger Anpassungsprozess. Die Restrukturierung von persönlichen Überzeugungen und handlungsleitenden Konzepten braucht Zeit.
All das bis jetzt Gesagte gilt sowohl für Heranwachsende als auch Erwachsene. Es gibt zwischen diesen aber auch fundamentale Unterschiede, die man – möchte man erfolgreich Wissen vermitteln und Einstellungsänderungen bewirken – beachten sollte. Zunächst übernehmen Kinder von den Erwachsenen ihrer Umgebung die dort vorhandenen bzw. vertretenen Wissensbestände, Einstellungen und Verhaltensweisen. In der Phase der Pubertät, in der sich ein wesentlicher Schritt in Richtung eigene Identität vollzieht, werden diese, zunächst unbedarft übernommenen Inhalte einer kritischen Analyse unterzogen und nach erfolgter Prüfung entweder für die eigene Person akzeptiert oder verworfen. Diese Entwicklungsphase ist durch Experimente und Grenzüberschreitungen, oft auch durch die Erfahrung des Scheiterns geprägt. Diese Lernprozesse können Erwachsene den Heranwachsenden nicht abnehmen. Erziehende, die infolge ihrer Lebenserfahrung manches Scheitern antizipieren können und ihren Kindern diese unangenehmen Erfahrungen gerne ersparen möchten, sind angehalten, Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder zu setzen, Probleme letztlich selbst bewältigen zu können und an diesen Erfahrungen zu wachsen. Am hilfreichsten können Erwachsene ihre Rolle als quasi „Zaungäste“ beim Parcours der Persönlichkeitsfindung ihrer Kinder erfüllen, indem sie mit viel Geduld und Toleranz diesen zur Seite stehen und sensibel und empathisch Unterstützung gewähren. Denn Jugendliche sind durchaus bereit, Hilfestellungen von Erwachsenen zu akzeptieren und längerfristig deren Verhaltensweisen und Ansichten zu übernehmen, wenn ihnen diese vertrauenswürdig erscheinen und sie sich von ihnen ernst genommen fühlen.
Das Ziel, ein möglichst erfülltes und glückliches – in den Worten der WHO also ein „gesundes“ – Leben zu führen, teilen die meisten Heranwachsenden mit ihren Eltern, zumindest solange die Erwachsenen sie nicht durch unangemessene Interventionen zum blinden Widerstand provozieren, sondern ihnen unterstützend zur Seite stehen und auch Verhaltensweisen akzeptieren, die nicht exakt ihren Vorstellungen entsprechen. Für viele Erwachsene ist es allerdings schwer anzuerkennen, dass es viele unterschiedliche Wege zu einem glücklichen Leben gibt, weil die Entscheidung der Kinder für andere Wege als Kritik am elterlichen Lebensstil empfunden wird . Lassen sich Eltern in diesem Zusammenhang auf eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil ein, kann dies auch schmerzhafte Erkenntnisse zur Folge haben, wie z.B. dass nicht alles im eigenen Leben optimal verlaufen ist oder dass man selbst gerne so manches anders gemacht hätte. In der Erziehung sollte es aber nicht um die Rechtfertigung des eigenen Lebens gehen, sondern darum, Kindern förderliche Entwicklungsbedingungen zu gewähren und ihnen ein breites Spektrum an Möglichkeiten zu eröffnen. Eltern sollten anerkennen, wenn es ihren Kindern gelingt, eigene alternative Wege zu gehen, anstatt zu erwarten, dass diese das elterliche Leben eins zu eins zu kopieren.

Dr. Alfred Uhl
SucFoDok des Anton-Proksch-Instituts
Gräfin Zichy Straße 6, Wien 1230,
Tel +43 - 1 - 88010 - 951
Handy +43 650 2888883
Fax: +43 - 1 - 88010 - 956
E-mail: alfred.uhl(at)api.or.at
WEB: www.api.or.at/akis/

Alfred Uhl, Dr.

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Bereich: SucFoDok des Anton-Proksch-Instituts Gräfin Zichy Straße 6, Wien 1230,
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Staatsbürgerschaft: Österreich

Familie:
Ehegattin: Dr. Gabriele Uhl-Schmid
3 Kinder: Arno, Marco, Vera


19-7-1954 geboren in Langenwang, Österreich
1964-1972 Mathematisches Realgymnasium in Wien
1970-1971 ein Jahr Austauschstudent in Palo Alto, Kalifornien, USA
1972 ein Semester Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Wien
1973-1980 Psychologiestudium an der Universität Wien
1975 6 Monate psychotherapeutisches Praktikum am Tiefenpsychologischen Institut in Wien
1975/76 12 Monate psychotherapeutisches Praktikum an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien
1977-2009 wissenschaftliche Tätigkeit am Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung, Wien
1980 Abschluss der Doktorarbeit "Die Wirkung von Piracetam auf die Gedächtnisleistung von Alkoholikern im Entzug“ an der statistischen Abteilung (Prof. G. Fischer) des Psychologischen Instituts in Wien; veröffentlicht als: Uhl, A. (1980): Piracetam - Wunderdroge oder Placebo?. Wien.Z.Suchtforsch., 3, 4/5, 25-40
1980 Verleihung des Doktorats an der Universität Wien
1990-1996 Univ.-Lektor für Statistik und Mathematik an der Wirtschaftsuniversität Wien
1994 Verleihung des Diploms “Gesundheitspsychologe”
2000-2009 Leiter der AlkoholKoordinations- und Informationsstelle (AKIS) des Anton-Proksch-Institut (API)
seit 2002 Univ.-Lektor für Forschungsmethoden an der Wirtschaftsuniversität Wien
seit 2009 Koordinator des Bereichs „Suchtpräventionsforschung und -dokumentation“ (SucFoDok) des Anton-Proksch-Instituts (API)
seit 2012 Univ.-Lektor für Statistik an der Sigmund Freud Universität Wien
In den letzten Jahren tätig als Sucht-, Präventions- bzw. Evaluationsexperte für das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK), das österreichische Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF), das österreichische Parlament, einigen österreichischen Landtage, das deutsche Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die deutsche Drogen- und Suchtkommission, die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das Schweizer Bundesamts für Gesundheit (BAG), die Weltgesundheitsorganisation (WHO, Kopenhagen), die deutschen Gesellschaft für Evaluation e.V. (DeGEval), die Pompidougruppe des Europarates, (Strassburg), die europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBBD), das irischen Justizministerium im Rahmen der EU-Präsidentschaft etc.
aktuelle Forschungsschwerpunkte: Epidemiologie, Prävention, Evaluation, Forschungsmethodologie
bis 2012 rund 230 Publikationen und rund 200 Vorträge bei nationalen und internationalen Veranstaltungen, Tagungen und Kongressen

Funktion in Gremien und Fachzeitschriften
1999-2007 Mitglied des internationalen Boards des „Journal of Primary Prevention“
seit 1999 Mitglied des österreichischen Bundesdrogenforums
seit 2003 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift „Sucht“
2007-2009 Chefredakteur der Wiener Zeitschrift für Suchtforschung
seit 2007 Mitglied des Lenkungsausschusses des Bundesalkoholforums
seit 2011 Editorial Advisory Board Member der Zeitschrift Drugs and Alcohol Today

Nationale und internationale Mitgliedschaften
Berufsverband österreichischer Psychologen (BÖP)
Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V. (DeGEval)
Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht)
Deutsche Gesellschaft für Suchtpsychologie (dg sps)
European Society of Social Drug Research (ESSD)
Österreichische Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (OG-Sucht)
Österreichische Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkranken (ÖGABS)
Mitglied,

Lehrtätigkeit
1990 - 1996 Lehrbeauftragter für Mathematik und Statistik an der Wirtschaftsuniversität Wien
1999 - 2002 Lehrbeauftragter bei Universitätslehrgängen für professionelle Suchtarbeit der medizinische Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
seit 2002 Lehrbeauftragter für Forschungsmethoden an der Wirtschaftsuniversität Wien
2003 - 2006 Lehrbeauftragter beim „Universitätslehrgang Sozialtherapie – Schwerpunkt Sucht“ an der Donauuniversität Krems
2007 Lehrbeauftragter zum Thema „Substanzabhängigkeit“ an der Summer School der Sigmund-Freund-Universität in Wien
seit 2008 Lehrbeauftragter zum Thema „Präventionsforschung“ „beim Masterstudienlehrgang: „Sucht- und Gewaltprävention in pädagogischen Handlungsfeldern“ an der pädagogischen Hochschule Oberösterreich
seit 2012 Lehrbeauftragter für Mathematik und Statistik an der Sigmund Freud Universität Wien

Ein Schnappschuss-Upload-Online stellen. Bilder im Internet sind nicht mehr wegzudenken. Oft werden private Fotos auf unterschiedlichen Internetplattformen online gestellt um der Welt draußen Eindrücke vom Traumurlaub, der letzten Party, seinen Liebsten zu zeigen. Auch wer Bilder für die Erstellung einer eigenen Homepage sucht, kann aus einem Meer an digitalen Bildinformationen auswählen. Einfach und schnell lassen sich Bilder ins Netz stellen, ohne technischen Aufwand. Sie wieder sicher zu entfernen, kann jedoch oft Probleme bereiten.

Welche Schranken sieht das Gesetz vor?
Das Urheberrecht ist das relevante Gesetz in puncto Veröffentlichung und Verwendung von Bildern im Internet. Es enthält neben dem Bildrecht in §§ 73-75 UrhG, das die Nutzung von Lichtbildern regelt, auch einen sog. Bildnisschutz (§ 78 UrhG), welcher vor unerwünschten Abbildungen schützen soll.

Unumstritten ist, dass die Nutzung von Bildern in jenen Fällen erlaubt ist, in denen dies vom Urheber/von der Urheberin ausdrücklich gestattet wurde. Wenn auf der Website ausdrücklich vermerkt ist, dass der Inhalt bzw. etwaige Bilder frei zu nutzen sind, dürfen diese verwendet und auch auf einer eigenen Homepage veröffentlicht werden. Fehlt ein entsprechender Verweis auf Freigabe, dürfen Inhalte und Bilder auch nicht verwendet werden.

Ein Schnappschuss-Upload-Online stellen. Bilder im Internet sind nicht mehr wegzudenken. Oft werden private Fotos auf unterschiedlichen Internetplattformen online gestellt um der Welt draußen Eindrücke vom Traumurlaub, der letzten Party, seinen Liebsten zu zeigen. Auch wer Bilder für die Erstellung einer eigenen Homepage sucht, kann aus einem Meer an digitalen Bildinformationen auswählen. Einfach und schnell lassen sich Bilder ins Netz stellen, ohne technischen Aufwand. Sie wieder sicher zu entfernen, kann jedoch oft Probleme bereiten.

Welche Schranken sieht das Gesetz vor?
Das Urheberrecht ist das relevante Gesetz in puncto Veröffentlichung und Verwendung von Bildern im Internet. Es enthält neben dem Bildrecht in §§ 73-75 UrhG, das die Nutzung von Lichtbildern regelt, auch einen sog. Bildnisschutz (§ 78 UrhG), welcher vor unerwünschten Abbildungen schützen soll.

Unumstritten ist, dass die Nutzung von Bildern in jenen Fällen erlaubt ist, in denen dies vom Urheber/von der Urheberin ausdrücklich gestattet wurde. Wenn auf der Website ausdrücklich vermerkt ist, dass der Inhalt bzw. etwaige Bilder frei zu nutzen sind, dürfen diese verwendet und auch auf einer eigenen Homepage veröffentlicht werden. Fehlt ein entsprechender Verweis auf Freigabe, dürfen Inhalte und Bilder auch nicht verwendet werden.

Homepages von Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen
Eine Homepage für Schulen oder Kinderbetreuungseinrichtungen bietet heutzutage die Möglichkeit, sich innovativ einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine solche bietet außerdem jeder Bildungseinrichtung eine exzellente Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen den Umgang mit neuen Medien zu vermitteln.

Hier empfiehlt es sich, am Beginn des Kinderbetreuungs- bzw. Schuljahres eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten zur Abbildung ihrer Kinder bei Festakten bzw. sonstigen Aktivitäten und zur weiteren Veröffentlichung der Bilder auf der Homepage, einzuholen. Es empfiehlt sich außerdem, dass Namen und Gesichter einander nicht zuordenbar sein sollten, damit Kinder und Jugendliche bildlich nicht rückverfolgt werden können.

Ist die Einwilligung des Kindes bzw. der/des Jugendlichen ausreichend?
Für die Einwilligung in die Veröffentlichung ist auf die individuelle Einsichts- und Urteilsfähigkeit der Abgebildeten abzustellen, im Gegensatz zur Geschäftsfähigkeit, bei dieser grundsätzlich das Alter von Bedeutung ist. Die Einsichts- und Urteilsfähigkeit kann ab dem Alter von 14 Jahren vermutet werden; im Einzelfall kann sie auch bei einer jüngeren bzw. erst älteren Person gegeben sein.
Für jüngere Kinder im Kindergarten bzw. Volksschule ist die Einverständniserklärung von den Erziehungsberechtigten zu unterfertigen. Jugendliche um das 14. Lebensjahr, können gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten das Formular unterzeichnen. Ist ein Schüler/eine Schülerin volljährig, reicht seine/ihre Einwilligung aus.

Was tun, wenn man Bilder im Internet findet, die man entfernen möchte?
Findet man Bilder, bei denen man bloßgestellt wird bzw. solche, die Anlass zu Missdeutungen geben (etwa die Veröffentlichung eines Nacktfotos), entwürdigend oder herabsetzend wirken, so hat man ein Recht auf Löschung. Aktuelle Tagesberichte (Fall Joel) zeigen, dass Kinder und Jugendliche immer wieder Opfer von Cybermobbing werden. Dagegen muss man sich massiv und entschieden wehren! Möchte man Bilder im Internet entfernen lassen, ist es am besten, man kontaktiert die Person oder das jeweilige Unternehmen, die/das dieses Bild veröffentlicht hat, und verlangt dessen Entfernung. Wenn das nichts nützen sollte, gibt es die Möglichkeit einer Unterlassungsklage bzw. einen Anspruch auf Schadenersatz. Ein Schadenersatzanspruch setzt jedoch den Eintritt eines Schadens voraus, welcher vom/von der Geschädigten dargelegt und bewiesen werden muss.

Mag.a Brigitte Pörsch, DSA
Geboren am 19.07.1973
Matura 1991 in Bad Radkersburg, danach Studium der Sozialarbeit.
Seit 1996 Berufspraxis im Feld der Sozialarbeit in den Bereichen extramurale Psychiatrie, Drogenberatung Jugendwohlfahrt und Straffälligen- bzw. Bewährungshilfe.
Berufsbegleitendes Studium der Rechtwissenschaften und Absolvierung der Gerichtspraxis.
Seit 1. Jänner 2010 Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark und seit 17.2.2011 Vorsitzende des Jugendwohlfahrtsbeirates des Landes Steiermark.

Geschätzte Damen und Herren!

Eine Vorbemerkung
Es geschieht viel Gutes und Positives in unserem Land – ich will aber hier nicht Streicheleinheiten vergeben, sondern manche Fehlhaltungen in Bezug auf Kinderrechte aufzeigen; mein Beitrag soll auch im Kurzrückblick nicht relativieren, sondern notwendige Entwicklungen unterstreichen.

Es ist hilfreich, bei manchen Problemstellungen den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre und Jahrzehnte in Betracht zu ziehen; da die Redezeit mit 20 Minuten begrenzt ist, bitte ich um Nachsicht für Pauschalität und Kürze:

wir sind pluralistischer geworden in mehrfacher Hinsicht (politisch, kulturell, religiös und vor allem in der menschlichen Lebensführung und in der praktischen Lebenshandhabung) – das äußert sich auch in Entwicklungen –
2 Beispiele will ich nennen:

Geschätzte Damen und Herren!

Eine Vorbemerkung
Es geschieht viel Gutes und Positives in unserem Land – ich will aber hier nicht Streicheleinheiten vergeben, sondern manche Fehlhaltungen in Bezug auf Kinderrechte aufzeigen; mein Beitrag soll auch im Kurzrückblick nicht relativieren, sondern notwendige Entwicklungen unterstreichen.

Es ist hilfreich, bei manchen Problemstellungen den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre und Jahrzehnte in Betracht zu ziehen; da die Redezeit mit 20 Minuten begrenzt ist, bitte ich um Nachsicht für Pauschalität und Kürze:

wir sind pluralistischer geworden in mehrfacher Hinsicht (politisch, kulturell, religiös und vor allem in der menschlichen Lebensführung und in der praktischen Lebenshandhabung) – das äußert sich auch in Entwicklungen –
2 Beispiele will ich nennen:

1. wenn wir im Blick auf Kinder und Jugendliche mit geistiger und mehrfacher Behinderung einige Jahrzehnte zurück schauen:
vor 70 Jahren wurden sie umgebracht, dann jahrelang versteckt, vor 40 Jahren wurden in NÖ die ersten Tagesheime geschaffen; am Beginn der 1980er Jahre dachte man in NÖ bei der Wohnunterbringung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung noch an 4 Wohnhäuser in je einem Viertel unseres Bundeslandes; ab dieser Zeit standen Gemeindenähe, Normalitätsprinzip und Integration im Vordergrund;doch es gab auch Rückschläge: vor 15 Jahren musste die Caritas ein bereits erworbenes Grundstück wieder verkaufen, weil – so die Nachbarn – „wir keine Narren als Nachbarn wollen“, vor 10 Jahren musste ich bei einer sehr emotionalen Bauverhandlung von Anrainern als die schwerwiegendsten Einsprüche folgende zur Kenntnis nehmen: Wertminderung des Grundstückes durch SOLCH eine Nachbarschaft und Schatten im Garten; heute spricht man nicht mehr von Integration sondern von INKLUSION und meint damit die möglichst vollkommene Teilhabe dieser Personen am üblichen gesellschaftlichen Leben – mit der notwendigen Begleitung und Assistenz
– erst gestern gab es zu diesem Thema eine Tagung der Lebenshilfe in St.Pölten

im 2. Beispiel will ich einen Blick auf Kinder machen und ihn zeitlich auf mein persönliches Erleben eingrenzen (das sind 60 Jahre):
oft kam ich mir als Eigentum vor, wenn mich die Leute fragten: „Wem gehörst denn du?“ (erst später lernte ich, dass es sich dabei um einen speziellen dativus austriacus possessivus handelt); in meiner Kinder- und Jugendzeit gab es noch legal geduldete gewalttätige Erziehungsmaßnahmen in Schulen, Internaten, Heimen und Elternhaus; es gab die Sicht von Kindern als Tonmaterial, Pflanzen und anderen bevormundenden Betrachtungs- und Handlungsweisen (in der Pädagogik gab es den Vergleich des Erziehers mit dem Töpfer, mit dem Gärtner, mit dem Bildhauer); und es gab weitere fürsorgende Bilder, die alle eines gemeinsam hatten: das Kind hatte kaum Eigenrechte.
Heute sehen wir im Kind ein eigenständiges, eigenberechtigtes, individuelles Subjekt; in Salzburg gibt es seit 60 Jahren die Internationale pädagogische Werktagung (sie findet im Juli statt und dauert jeweils eine Woche); für das Jahr 2011 hat sie als Thema: „in Würde werden“; in Würde werden können geht von einem unantastbaren, weil mit höchster Würde ausgestattet, individuellen Menschenbild aus; fehlt der würdevolle Ansatz, dann ist der Boden bereitet für alle Scheußlichkeiten wie Missbrauch und Vergewaltigung von Körper und Seele;

Was heißt heute: sich gesellschaftlich kindgerecht (Kind – Recht) zu positionieren und zu verhalten? Dazu ein paar zugegebenermaßen zugespitzte Überlegungen:

Soll die bildungsmäßige Vorbereitung auf unsere hoch technisierte Lebenswelt schon im Kindergarten beginnen? Oder soll vor der Schule ein Raum sein, in welchem die Kinder ihren Neigungen und Phantasien folgen können?
Soll grundsätzlich die Bildung dazu führen, IT- oder Gentechnik noch rascher voran zu treiben? Oder soll Bildung in erster Linie darauf abzielen, ausgewogene und zukunfts- dienende Entfaltung von Kopf, Herz und Hand zu ermöglichen?
Ist die Leistung schon in frühesten Kinderjahren das Um und Auf? Oder ist es gerade der Leistungsdruck durch Eltern, Erzieher/innen, menschlicher Umgebung und Umwelt, der bei den Kleinen das Kindheitsglück verkümmern lässt?

In der Präambel der Kinderrechte heißt es unter anderem beinahe lapidar:
„Kinder sollen zur vollen und harmonischen Entfaltung ihrer Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen“.
Dabei geht es natürlich um eine „ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung“.
Kindergerecht handeln bedeutet daher: die Perspektive geht von den Kindern aus, von deren Bedarf und Bedürfnissen.

Erlauben Sie mir einen side step: ganzheitlich heißt auch Recht auf Religion!
In den Kinderrechten ist das verankert im Art. 14; dort können wir lesen: „Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden“.
Eine gesunde Religion führt ja zu Wertvorstellungen, zu Beziehungskultur und Sozialkompetenz; religiöse Erzählungen, Symbole und Rituale fördern eine positive Lebenseinstellung; – zumindest aus der christlicher Sicht, wenn der Gott-mit-uns verkündet wird, und nicht Dämonen, Feuer und Hölle.

Ein paar Bemerkungen und Informationen zur Situation von Kindern und Kinderrechten bei uns:
Die Rechte von Kindern werden dann massiv beeinträchtigt, wenn Freiheit, Gesundheit und Bildung am Spiel stehen.
Die Rechte von Kindern werden dort massiv beeinträchtigt, wenn durch Armut die Wohnsituation, Schulveranstaltungen, Freizeit und allgemein die Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Umfeld eingeschränkt ist.

Die Statistik führt in Europa 19 Millionen Minderjährige als arm;
In Österreich werden (auf Basis von EU SILC Angaben) 270.000 Mädchen und Burschen als armutsgefährdet eingestuft, das sind 27% aller Betroffenen (mehr als ¼ );
der Hinweis auf die von Armut besonders bedrohte Spezies der Mehrkindfamilien ist damit evident (warum gerade auch die zum Sparbudget der Regierung beitragen müssen ist mir rätselhaft – eigentlich nicht begründbar).
96.000 Kinder in Österreich müssen in manifester Armut leben.
In NÖ waren 2009 laut Angaben der vier Institutionen, die mit Wohnungssicherung arbeiten, 1000 Kinder von Delogierung betroffen.
In unsere Sozialberatung und Nothilfe – d.h. bei der Caritas der Diözese St.Pölten und das betrifft gemäß Diözesangrenzen nur HALB NÖ – zu uns kommen die Leute normalerweise erst dann, wenn sie überhaupt nicht mehr weiter wissen – bei den Vorsprachen im ganzen Jahr 2009 waren 1642 Kinder involviert und heuer bis Ende Oktober bereits 1757 – wir müssen bis Ende des Jahres mit einer 25%igen Steigerung zum Vorjahr rechnen.
Das Kinderrecht „ohne Armut aufwachsen zu können“ schreit förmlich nach einer echten Mindestsicherung für diese Personengruppe anstatt steuerlicher Almosen-Zuwendung.

Unter Armut verstehen wir üblicherweise die in offiziellen Statistiken erfasste; es gibt darüber hinaus noch andere Formen menschlicher Armut:

z.B. jenes 13-jährige Mädchen, deren alleinerziehende Mutter psychisch krank ist und zudem alkoholabhängig; jeden Tag hat es Angst, wenn es von der Schule nach Hause kommt, weil es nicht weiß, wie es seine Mutter vorfindet; ob ein Essen vorbereitet ist, oder ob die Mutter betrunken im Bett liegt; es hat auch noch nie eine Mitschülerin zu sich einladen können – und das spielt sich seit Jahren so ab;
auf die besonders tragischen Verletzungen der letzten Monate in Österreich brauche ich im Detail nicht einzugehen, denn es ist selbstredend, wenn bei der Abschiebung von 8-jährigen Zwillingen sie lt. Zeitung. nicht einmal den Teddybär mitnehmen durften – auch wenn ihnen gestern eine dauerhafte iederlassungsbewilligung erteilt worden ist wenn bei der versuchten Abschiebung einer 14-jährigen sehr guten Schülerin die Polizei sie aus dem Klassenzimmer holen wollte wenn die rücksichtslose Abschiebung eines verwitweten Vaters mit seinen Kindern in die Mongolei vorgenommen werden soll (ORF 6.11.2010).

Bestehendes Recht ausführen muss noch lange nicht menschenwürdig heißen und schon gar nicht „kindgerecht“. Wenn der Vollzug von Gesetzen solche Formen annimmt, dann gehören sie repariert! – zudem wäre es in diesen Fällen beinahe nötig, zumindest das Fremden- und Asylgesetz einer „Kinderverträglichkeitsprüfung“ zu unterwerfen.
Der Aufschrei von 112.660 (heute 10.30 Uhr) Unterzeichnern gegen dieses Unrecht spricht für sich. Er zeigt, dass es viele Menschen in unserem Land gibt, die deutlich zum Ausdruck bringen, dass sich so ein humanitäres Desaster, wie es sich in der letzten Zeit mehrfach abgespielt hat, nicht mehr ereignen darf – dabei kennen die meisten von uns nur jene Grauslichkeiten, die uns die Medien serviert haben. Viel Leid von Kindern bleibt uns verborgen.

Eines muss klar sein:
--> Kinder dürfen nicht aus den Familien gerissen werden
--> Kinder dürfen nicht wegen Abschiebung aus dem Bett oder aus dem Unterricht geholt werden;
--> Kinder gehören nicht ins Gefängnis
--> die Psyche von Kindern darf nicht verletzt werden
--> die Vermischung von Asyl, Sicherheit und Kriminalität ist grundsätzlich fatal, besonders aber, wenn Kinder einbezogen sind

ein abschließendes SUMMARIUM

Jedes einzelne Kind, dem seine Rechte vorenthalten werden, stellt ein „Nicht Genügend“ unserer Gesellschaft dar!
Das Maß für Wirtschaft und Politik muss die individuelle, unantastbare Würde der Menschen, insbesondere der Kinder sein!
Kinderrechte und Menschenwürde müssen ein Impetus gegen Armut, gegen Ausgrenzung und gegen fehlende Teilhabe an der Zukunft unseres Landes sein!
Die hohen Entwicklungspotentiale von Selbstwirksamkeit und Zutrauen der Kinder müssen gefördert und begleitet werden!
Ein Schulterschluss der verschiedenen Bildungs- und Erziehungsinstitutionen unter Einbeziehung der Eltern ist erforderlich – er wird doch nicht auf Grund unterschiedlicher österreichischer Parteivorgaben verunmöglicht werden?

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ lautet eine bekannte afrikanische Weisheit.
Um die Kinderrechte in unsere Gesellschaft zu implementieren, – auch in die Köpfe und Herzen – braucht es die gemeinsame Anstrengung von uns allen würde ich die österreichische Ableitung formulieren.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Friedrich Schuhböck (Caritas – Direktor in St.Pölten)

Mag. Friedrich Schuhböck

geboren am 6. April 1952
Matura im Stiftsgymnasium Melk am 2.Juni 1970
Studium der katholischen Theologie
unterrichtete von 1975 – 1997 als Religionslehrer an verschiedenen Schulen
verheiratet seit 1976, zwei Kinder
wurde 1987 zum Ständigen Diakon geweiht
seit 1996 Caritas-Direktor der Diözese St.Pölten

Das Kinderschutzzentrum Mostviertel-Amstetten ist eine Schwerpunktberatungsstelle gegen Gewalt und sexuellem Missbrauch. Wir bieten Beratung, psychosoziale Prozessbegleitung (im Falle einer Anzeige), psychologische Behandlung und Psychotherapie für Kinder, Jugendliche (bis 18 Jahre) und deren Bezugspersonen an.
Wir haben bestimmte Telefonzeiten Mo, Mi, Do, Fr von 9.00-12.00, Di 14.00-17.00, an denen wir erreichbar sind. Die Beratungs- und Therapiezeiten sind nach Vereinbarung.

Begleitet mich durch einen Mittwoch: Ich komme um 8.00 in die Beratungsstelle, um meine Mails abzurufen, die Post durchzulesen und den Anrufbeantworter abzuhören. Heute hab ich Telefondienst von 9.00-12.00.
Auf dem Anrufbeantworter sind 3 Anrufe, ein Anruf ist dringend. Ich rufe zurück, eine Mutter ist besorgt um ihren 15jährigen Sohn, sie und ihr Sohn waren schon öfters da, sie will ihren Termin vorverlegen. Ich bespreche dies mit ihr und finde heraus, was so dringendes passiert ist, sie bekommt einen Termin am nächsten Tag.

Das Kinderschutzzentrum Mostviertel-Amstetten ist eine Schwerpunktberatungsstelle gegen Gewalt und sexuellem Missbrauch. Wir bieten Beratung, psychosoziale Prozessbegleitung (im Falle einer Anzeige), psychologische Behandlung und Psychotherapie für Kinder, Jugendliche (bis 18 Jahre) und deren Bezugspersonen an.
Wir haben bestimmte Telefonzeiten Mo, Mi, Do, Fr von 9.00-12.00, Di 14.00-17.00, an denen wir erreichbar sind. Die Beratungs- und Therapiezeiten sind nach Vereinbarung.

Begleitet mich durch einen Mittwoch: Ich komme um 8.00 in die Beratungsstelle, um meine Mails abzurufen, die Post durchzulesen und den Anrufbeantworter abzuhören. Heute hab ich Telefondienst von 9.00-12.00.
Auf dem Anrufbeantworter sind 3 Anrufe, ein Anruf ist dringend. Ich rufe zurück, eine Mutter ist besorgt um ihren 15jährigen Sohn, sie und ihr Sohn waren schon öfters da, sie will ihren Termin vorverlegen. Ich bespreche dies mit ihr und finde heraus, was so dringendes passiert ist, sie bekommt einen Termin am nächsten Tag.
Ein Anruf ist von einer Sozialarbeiterin des Jugendamtes - sie sagt den vereinbarten Termin für nächste Woche ab, da hätten wir eine Helferkonferenz mit Eltern, die eigentlich nicht so recht ins Kinderschutzzentrum (Kisz) kommen wollen, die Sozialarbeiterin will aber, dass wir das Mädchen in psychologische Behandlung nehmen. Zurückgerufen, sagt die Sozialarbeiterin, dass die Familie nicht ins Kisz kommen will (wir sind ja ein freiwilliges Angebot!) aber von der JWF weiterbetreut wird, sie wird sich bei Bedarf nochmals melden.
Der 3te Anruf ist organisatorischen Inhaltes - ich erledige dies. Die Mails beinhalten eine Menge neuer Arbeit - ein Vater will eine Stellungnahme von uns für das Bezirksgericht. Eine Frau macht eine E-Mailanfrage bzgl. ihrer schwierigen Situation. Ich beantworte die wichtigsten Mails.
Das Telefon läutet, am anderen Ende ist eine besorgte Mutter, deren Tochter sexuelle Übergriffe erlebt hat. Ich finde heraus, welche Symptome die Tochter hat, was schon an Interventionen zum Schutz der Tochter gemacht wurde und was gebraucht wird. Die beiden könnten einen Termin am Freitag haben, die Mutter möchte erst nächste Woche einen Termin.
Schwupps - es ist 10.52 Uhr - wo ist die Zeit geblieben - ich geh erst mal in die Küche und mach mir einen heißen Tee - atme tief durch und überlege, was als nächstes drankommt.
Ich beschließe, die Nachmittagstermine vorzubereiten:
Eine psychosoziale Prozessbegleitung - ich betreue die Mutter eines 6jährigen Buben, der von sexueller Gewalt durch den Opa berichtet hat. Die Mutter hat dies zur Anzeige gebracht. Es geht der Mutter sehr schlecht als sie von den Inhalten der Gewalttaten erfuhr. Die Dimension ist wirklich erschütternd - die Mutter braucht Stabilisierung - ich bereite mich dazu vor.
Das Telefon läutet, eine Kripobeamtin ist dran, wir vereinbaren Ort und Zeitpunkt einer Vernehmung, wo ich als Vertrauensperson für einen Jugendlichen dabei bin. Ich informiere die Mutter und höre Tränen am anderen Ende der Leitung…

Während der Mittagspause gibt es kein inhaltliches Abschalten, mit meiner Kollegin plaudere ich noch über den dichten Vormittag und wie es mir dabei geht. Wir stellen fest, dass wir zurzeit (ich frag mich wann nicht?) wieder mal einige schlimme Fälle sexueller Gewalt zu bearbeiten haben. An manchen Tagen habe ich sie, so wie heute, komprimiert, ich hätte sie lieber verteilt, aber das gelingt mir nicht zu steuern.
Der Nachmittag ist gefüllt mit Beratungsterminen, ich hab heut „Muttertag“, das heißt, es kommen Mütter im Stundentakt zu mir. Eine Mutter vernachlässigt ihre Kinder, da nehm ich mir Ressourcen- und Motivationssuche vor. Eine andere Mutter braucht Unterstützung bei der Erziehung ihrer pubertierenden Töchter, das ist die „angenehmste“ Aufgabenstellung, denn diese Mutter hat schon viel über Grenzsetzung, Klarheit und Beziehungsangebot gelernt und ich kann sie mit Anerkennung und Lob aufbauen.

Als ich mich um 17.20 von meiner Kollegin verabschiede und die frische Luft draußen einatme, bin ich dankbar, dass ich loslassen und über freie Zeit verfügen kann…


Kinderschutzzentrum Mostviertel-Amstetten
Rathausstraße 23
A-3300 Amstetten

Tel.: 07472/65437
E-Mail: kinderschutz-am(at)kidsnest.at
Online: www.kidsnest.at

Mag. (FH) DSA Theresia Ruß
Leiterin des Kinderschutzzentrum Mostviertel-Amstetten,
Tätigkeitsbereich: Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzungs- und Präventionsarbeit, Erziehungsberatung, Beratung und Begleitung bei Gewalt und sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, psychosoziale Prozessbegleitung, geschützte Besuchskontakte

Von Kinderrechten, also von eigenen auf die spezifischen Bedürfnisse von Kindern eingehenden Rechten, kann man eigentlich erst seit der Aufklärung im Zusammenhang mit der Entwicklung der Menschenrechte sprechen, also mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Bis dahin waren Kinder unbeschränkt der häuslichen Gewalt ihrer Eltern (eigentlich nur des Vaters) oder ihrer Vormünder ausgeliefert, wurden in den unteren Schichten als Arbeitssklaven eingesetzt, sobald sie körperlich auch nur irgendwie dazu im Stande waren und wurden sonst, was die Anforderung an ihr Verhalten und ihr Auftreten betrifft, als junge Erwachsene behandelt. Wenn wir alte Bilder anschauen, so finden wir nirgends typische Kinderkleidung, Kinder trugen das selbe Gewand wie Erwachsene, sofern man es sich leisten konnte.

Von Kinderrechten, also von eigenen auf die spezifischen Bedürfnisse von Kindern eingehenden Rechten, kann man eigentlich erst seit der Aufklärung im Zusammenhang mit der Entwicklung der Menschenrechte sprechen, also mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Bis dahin waren Kinder unbeschränkt der häuslichen Gewalt ihrer Eltern (eigentlich nur des Vaters) oder ihrer Vormünder ausgeliefert, wurden in den unteren Schichten als Arbeitssklaven eingesetzt, sobald sie körperlich auch nur irgendwie dazu im Stande waren und wurden sonst, was die Anforderung an ihr Verhalten und ihr Auftreten betrifft, als junge Erwachsene behandelt. Wenn wir alte Bilder anschauen, so finden wir nirgends typische Kinderkleidung, Kinder trugen das selbe Gewand wie Erwachsene, sofern man es sich leisten konnte.

Die Aufklärung und die in ihrem Geist entwickelten Kodifikationen des bürgerlichen Rechtes in Europa, in Österreich das ABGB 1811, brachte erstmalig eine gesetzliche Regelung für die unterschiedlichen Entwicklungsstufen, die sich allerdings – und das blieb im wesentlichen bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts so - ausschließlich auf die juristische Rechts- und Geschäftsfähigkeit und die Verhältnisse zwischen Eltern und Kindern beschränkte.

So war nunmehr das Kind bis zur Erreichung des 7. Lebensjahrs als Kind zwar theoretisch Träger von Rechten, also etwa Erbrechten, aber vollkommen geschäftsunfähig. „Unmündige, die die Jahre der Kindheit zurückgelegt haben“ also zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr waren - allerdings sehr beschränkt - geschäftsfähig und das galt mit kleinen erweiterten Ausnahmen auch für den mündigen Minderjährigen, also die Personen zwischen dem 14. und dem 18. Lebensjahr. Diese grundsätzliche Einteilung gilt im Kern auch heute noch, wenn auch die Handlungsfähigkeit insbesondere der mündigen Minderjährigen wesentlich erweitert wurde.

Was die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern betraf, war das Kind bis zur Familienrechtsreform Mitte der 70er Jahre absolut der väterlichen Gewalt, dort wo ein Vater fehlte, der Gewalt des Vormundes, unterworfen. Erst 1975 wurde die „väterliche Gewalt“ durch die Verpflichtung der Eltern „für die Erziehung ihrer minderjährigen Kinder zu sorgen und überhaupt ihr Wohl zu fördern“ (§ 137 Abs. 1 ABGB) ersetzt. Die väterliche Gewalt, die dem Vater „als Haupt der Familie“ zustand (§ 147 ABGB alt), umfasste sein Recht, das Kind „zu dem Stand, welchen er für dasselbe angemessen findet“ zu erziehen (§ 148 ABGB alt), sein Vermögen zu verwalten (§ 149 ABGB alt), etc.
Rechte im eigentlichen Sinn, die es also gegebenenfalls gerichtlich geltend machen konnte, hatte das Kind nur sehr wenige, es konnte nach Vollendung des 14. Lebensjahrs das Religionsbekenntnis ändern und es konnte nach Erreichen der Mündigkeit das Gericht ersuchen, ihm gegen den Willen des Vaters ein Studium oder eine andere Berufswahl zu genehmigen. Ausnahmsweise gab es auch den Eltern gemeinsam zustehende Rechte, wie etwa das Recht „einverständlich die Handlungen ihrer Kinder zu leiten“, die ihnen andererseits „Ehrfurcht und Gehorsam schuldig“ waren (§ 144 ABGB alt) und die Eltern waren berechtigt, „vermisste Kinder aufzusuchen, entwichene zurück zu fordern und flüchtige mit obrigkeitlichem Beistand zurückzubringen“. Insbesondere waren sie auch befugt, „unsittliche, ungehorsame oder die häusliche Ordnung oder Ruhe störende Kinder auf eine nicht übertriebene und ihre Gesundheit unschädliche Art zu züchtigen“ (§ 145 ABGB alt). Darauf werde ich noch zurückkommen.

Während also die Rechtsordnung sich bis lange ins 20. Jahrhundert hinein im wesentlichen auf die Regelung der Rechte der Kinder in einer patriarchischen Familie beschränkte – die Stellung der unehelichen Kinder, die überaus prekär war, lasse ich hier aus – begann man langsam im Laufe des 19. Jahrhunderts in Europa die Kinder als eigene schützbedürftige Wesen zu entdecken. Die Schweiz hatte hier eine gewisse Vorreiterrolle, die für uns heute eng mit dem Namen Pestalozzi verbunden ist.

In Österreich wurden die Bedürfnisse und Rechte der Kinder erstmalig beim ersten Österreichischen Kinderschutzkongress 1907 breiter diskutiert, der sich vor allem auch sehr ausführlich mit den Ursachen der Jugendkriminalität und dem Umgang mit diesem Phänomen beschäftigte und letztlich die Schaffung einer eigenen spezifischen Jugendgerichtsbarkeit unter Anhebung der damaligen Strafmündigkeitsgrenze von sechs Jahren auf das 14. Lebensjahr forderte. Ich kann hier auch schon aus Zeitgründen darauf nicht näher eingehen, Interessierte verweise ich auf meinen Aufsatz „80 Jahre Jugendgerichtsbarkeit in Österreich“ in der Richterzeitung 2003.

Ganz wesentliche Initiativen zur Verbesserung der Rechte der Kinder gingen bei der Wende des 18. zum 19. Jahrhunderts einerseits von den Vorgängern der Jugendfürsorge, den Waisenräten, die sich 1905 zum Zentralverband der Wiener Waisenräte zusammengeschlossen hatten und vom „Katholischen Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder“ aus. Auf Initiative der Präsidentin dieses Fürsorgevereins Frau Gräfin Luise Fünfkirchen-Liechtenstein kam es 1911 zu einer Zusammenfassung der Jugendschutz- und Wohlfahrtsvereine zu einem „Komitee für Jugendgerichtshilfe“, das zusammen mit den Pionieren der Wiener Jugendgerichtsbarkeit dem ersten Wiener Jugendrichter beim Bezrksgericht Wien Josefstadt Heinrich Kesseldorfer und seinem Nachfolger Hans Fiala die Wiener Jugendwohlfahrt, die Wiener Jugendgerichtshilfe und die Wiener Jugendgerichtsbarkeit aufbaute. Parallel entwickelte sich die Jugendwohlfahrt nach dem Zusammenbruch der Monarchie in den anderen Bundesländern der neuen Republik Österreich.

Zurück zur großen Familienrechtsreform Christian Brodas Mitte der 70er Jahre:
Der zentrale Ansatz für die neue Sicht der Rechte des Kindes war die Einführung des Begriffes des Kindeswohls. Nach § 178a ABGB in der seit 1977 geltenden Fassung sind bei Beurteilung des Kindeswohls „die Persönlichkeit des Kindes und seine Bedürfnisse, besonders seine Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten, sowie die Lebensverhältnisse der Kinder entsprechend zu berücksichtigen“. Diese Bestimmung ergibt nun für die Jugendwohlfahrtsbehörden und die Gerichte die Möglichkeit, bei allen Gefährdungen des Kindeswohls einzugreifen und entsprechend zu reagieren.

Die Familienrechtsreform brachte auch eine Erweiterung der Handlungsfähigkeit der mündigen Minderjährigen, also der 14 bis 18 Jährigen mit dem Recht auf eigenständigen Vertragsabschluss, sofern sie ausschließlich begünstigt werden, mit Verfügungsrechten über das frei zur Verfügung überlassene Vermögen, die Testierfähigkeit, aber auch die Einwilligung in medizinische Behandlung, soweit die entsprechende Einsichts- und Urteilsfähigkeit vorliegt. Alle diese Rechte können sie gegen den gesetzlichen Vertreter durchsetzen, indem sie sich an das Gericht wenden. Ich selbst habe in meiner familienrichterlichen Tätigkeit immer wieder solche Fälle erlebt, wenn ich auch zugeben muss, dass sie eher die Ausnahme darstellen.

Ein wesentlicher Schritt im Bereich der Kinderrechte war letztlich auch die Gleichstellung der ehelichen und unehelichen Kinder seit 1989.

Im gleichen Jahr haben die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention beschlossen, die vom Nationalrat am 05.09.1992 ratifiziert wurde. Es ist aber sowohl für Juristinnen und Juristen als auch für mich und wohl für Jedermann deprimierend, wenn Österreich immer wieder mit salbungsvollen Begleitreden im Nationalrat Konventionen, Rahmenbeschlüsse und ähnliches ratifiziert, dies aber für die Praxis wenig Relevanz hat, weil die dort kodifizierten Rechte nicht unmittelbar anwendbar sind. Die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung wäre ein nächster wichtiger Schritt. Ebenso wichtig wäre aber dann auch die Schaffung entsprechender Ausführungsgesetze und die Bereitstellung entsprechender Ressourcen, damit diese Rechte auch unmittelbar umgesetzt werden können.

Wie mühsam das Wecken des gesellschaftlichen Bewusstseins für Kinderrechte und damit dann letztlich verbunden des Gesetzgebers zur Verstärkung der Kinderrechte sein kann, will ich anhand des Beispiels des „Züchtigungsrechtes“ darstellen. Das heißt, das Recht der Erziehungsberechtigten, ihre Kinder, Mündel in der Absicht, sie zu erziehen, auch körperlich und psychisch zu misshandeln.

Es darf nicht vergessen werden, dass bis 30.06.1989 auch in der juristischen Literatur, gedeckt durch die entsprechenden gesetzlichen Regelungen ein solches Züchtigungsrecht bejaht wurde. Wie schon erwähnt, waren ja bis 31.12.1977 nach der damals geltenden Fassung des § 145 ABGB die Eltern befugt „unsittliche, ungehorsame oder die häusliche Ordnung und Ruhe störende Kinder auf eine nicht übertriebene und ihrer Gesundheit unschädliche Art zu züchtigen“.

Im Strafrecht waren bis 31.12.1974 nach den damals geltenden §§ 413 – 421 StG, „Misshandlungen bei häuslicher Zucht“ privilegiert. Während nach dem damaligen Recht Körperverletzungen und Gesundheitsschädigungen an fremden Personen bei leichten Fällen mit Arrest zwischen drei Tagen und sechs Monaten, in schwereren Fällen mit schweren Kerkerstrafen bedroht wurden, die nur ausnahmsweise durch Geldstrafen ersetzt werden konnten, sah etwa § 414 StG vor, dass bei Misshandlungen der Eltern an ihren Kindern die Eltern „vor Gericht zu berufen“ sind und „ihnen das erste Mal der Missbrauch der Gewalt und die gegen die Natur laufende Lieblosigkeit ihres Betragens mit Ernst und Nachdruck vorzuhalten“ ist. „Bei einem zweiten Fall ist den Eltern ein Verweis zu geben und die Bedrohung beizusetzen, dass sie bei abermaliger Misshandlung der elterlichen Gewalt verlustig erklärt, ihnen das Kind abgenommen und auf ihre Kosten an einem anderen Ort werde erzogen werden“. Während also die damalige Strafrechtsordnung grundsätzlich keine Möglichkeit sah, bei grundsätzlich strafbarem Verhalten von der Strafe abzusehen (es gab keine Einstellung wegen Geringfügigkeit und auch kein diversionelles Vorgehen), war gerade diese eine Gruppe von Misshandlungen praktisch straflos, soweit sie die damalige Grenze der leichten Körperverletzung (Gesundheitsstörung oder Berufsunfähigkeit unter 21 Tagen) nicht überschritt.

Mit Inkrafttreten des damals neuen StGB am 01.01.1975 wurden diese Privilegierungen beseitigt, sodass nun grundsätzlich auch für Körperverletzungen von Eltern an Kindern die allgemeinen strafrechtlichen Bestimmungen für die Körperverletzung (§§ 83 ff StGB) gelten. Allerdings war noch bis in die 80er Jahre in Literatur und Rechtsprechung im wesentlichen unbestritten, dass die Strafbarkeit dann entfällt, wenn die Körperverletzungen und Gesundheitsstörungen, sofern sie die Grenze der schweren Verletzung nicht erreichen (24 Tage Berufsunfähigkeit oder Gesundheitsstörung) straflos bleiben, wenn sie im Rahmen des Züchtigungsrechtes, also in Erziehungsabsicht, gesetzt wurden, wobei die eingetretenen Verletzungen dann eben in Kauf genommen wurden. Dies eben auch unter Bezug auf die bis Ende 1977 geltende Fassung des § 145 ABGB.

Engagierte Kinderschutzorganisationen, vor allem die Kinderfreunde und der von dem bekannten Kinderpsychiater Dr. Hans Cermak gegründete „Verein für gewaltlose Erziehung“, versuchten dem durch Einfluss auf die Mitte der 70er Jahre beginnenden Familienrechtsreform gegenzusteuern, dies mit großer Unterstützung des damaligen Bundesministers Dr. Christian Broda.
Ausgangslage war der schon erwähnte bis 31.12.1977 geltende § 145 ABGB, nach dem Eltern und andere erziehungsberechtigte Personen befugt waren, „unsittliche, ungehorsame oder die häusliche Ordnung und Ruhe störende Kinder auf eine nicht übertriebene und ihre Gesundheit unschädliche Art zu züchtigen“. Es ist spannend und kann hier leider aus Zeitgründen nicht im einzelnen dargelegt werden, (Interessierte verweise ich auf meinen Beitrag „Die Entwicklung des Opfers häuslicher Gewalt“ in der Festschrift für Hans Joachim Schneider 1998) wie etappenweise versucht wurde, dieses Züchtigungsrecht zuerst einzuschränken und letztlich dann erst mit Wirkung ab 01.07.1989 generell zu beseitigen. In den Materialien der Regierungsvorlagen und Novellierungen zwischen 1974 und 1989 finden sich immer wieder Passagen wie „Maßregelung des Kindes sollen nur als Mittel der Erziehung in einer dem Anlass angemessenen Weise und bei größtmöglicher Schonung der Kinder zulässig sein“ oder „Die Befugnis der Eltern, ihr Leitungsrecht gegebenenfalls dem Kind gegenüber mit Zwangsmitteln durchzusetzen, ist rechtlich nur dann gegeben, wenn die Erziehungsaufgabe nicht anders erfüllt werden kann. Müssen Zwangshandlungen dem Kind gegenüber gesetzt werden, so müssen sie dem Erziehungsanlass angemessen sein und dem Kind gegenüber in einer Weise gesetzt werden, dass dessen größtmöglichste Schonung gewährleistet ist.“

Einen großen Schritt brachte die am 01.01.1978 in Kraft getretene Novelle des ABGB mit der Einführung des § 146a ABGB, der allerdings auch noch vorsah, dass „die Eltern bei ihren Anordnungen und deren Durchsetzung auf Alter, Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes bedacht zu nehmen haben“ und wo sich in den Erläuterungen noch immer die Bemerkung findet, dass weiterhin körperliche oder psychische Züchtigung „in wohlverstandener Erziehungsabsicht“ gerechtfertigt sein könnte. Es bedurfte zahlreicher Interventionen von Organisationen und Persönlichkeiten, die sich dem Kinderschutz verpflichtet fühlten, um letztlich mit 01.07.1989 die derzeit geltende Fassung des § 146a ABGB durchzusetzen. Danach ist nunmehr „die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlich und seelischen Leides unzulässig“.

Natürlich hat auch diese gesetzliche Regelung nicht verhindert, dass es seither immer wieder zu Misshandlungen von Kindern gekommen ist und kommt, aber sie sind wenigstens nicht mehr gerechtfertigt, tragen auch nicht einmal den Schein der Rechtfertigung und ermöglichen den Behörden und Gerichten dann, wenn sie zur Erkenntnis geraten, dass gegen das Züchtigungsverbot des § 146a ABGB verstoßen wurde, auch einzuschreiten, letztlich dem gewalttätigen Elternteil die Obsorge zu entziehen. Das große Problem liegt auch heute immer noch einerseits im großen Dunkelfeld und andererseits in der Frage, wie mit größtmöglicher Schonung des Kindes und mit größtmöglicher Hoffnung auf spezialpräventive Wirkung effektiv reagiert werden kann.

Jedenfalls bewirkt der nunmehrige § 146a ABGB, dass Eltern, die das Gewaltverbot gegenüber den Kindern verletzen, diese abgenommen werden können, wobei die Judikatur des OGH eine solche Entziehung der Obsorge bei besonders schweren Kindeshandlungen schon dann zulässt, wenn ein „qualifizierter, aus durch umfassende Beweisaufnahmen nicht auszuräumender Verdacht“ besteht. Nach ausdrücklicher Meinung des OGH steht die Unschuldsvermutung des Art. 6 Abs. 2 EMRK einer selbständigen Beurteilung der Tatfrage in einem nach strafrechtlichen Freispruch geführten Rechtsschutzverfahren jedenfalls nicht entgegen (OGH 26.03.2009, 6 Ob 18/09d, EvBl 2009/118).

Ich glaube, gerade dieses Beispiel zeigt, wie schwer es ist, eingewurzelte gesellschaftliche Überzeugungen und Verhaltensweisen zu ändern, wie dies aber gelingen kann, wenn man sich mit Engagement für eine gute Sache einsetzt. Wenn ich mir etwas wünschen darf so ist es, dass sich die österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften zusammen mit allen anderen österreichischen Kinder- und Jugendschutzhilfseinrichtungen weiterhin für die Rechte der Kinder engagieren.

Und das scheint mir gerade heute wieder besonders notwendig, in einer Zeit, in der langsam Stück für Stück Bestimmungen oder Einrichtungen, die in den letzten Jahrzehnten zum Schutz der Kinder geschaffen und eingerichtet wurden, wieder zurückgenommen werden. Ich habe auch den Eindruck, dass es an maßgeblicher Stelle Persönlichkeiten gibt, denen die Reformen der letzten Jahre ohnehin zu weit gingen und denen es nun sehr willkommen ist, hier Retuschen unter dem Vorwand von Sparmaßnahmen treffen zu können, manchmal sogar in Bereichen, in denen überhaupt kein Spareffekt erzielt wird. Als kleines Beispiel möchte ich nur anführen, dass in dem nun zur Begutachtung ausgesendeten Entwurf eines „Budgetbegleitgesetz-Justiz 2010“ die fast 100-jährige Verbindung von Jugendgerichtsbarkeit und Vormundschaft- und Pflegschaftsgerichtsbarkeit in Fällen, in denen die persönliche Entwicklung des Kindes und Jugendlichen gefährdet ist, in der selben Gerichtsabteilung beseitigt werden soll. Spareffekt gibt es hier gar keinen, weil in jedem Fall die Sachen von RichterInnen erledigt werden müssen. Die beabsichtigte Neuregelung bringt es mit sich, dass in Zukunft verstärkt Jugendstrafsachen wieder von RichterInnen erledigt werden, die oftmals nicht die Ausbildung und das besondere Feeling erfahrener Jugend- und FamilienrichterInnen haben. Ich könnte weitere Beispiele anführen, aber Sie kennen sie ohnehin und wenn nicht, würde ich Sie wirklich bitten, alle Gesetzesentwürfe und sonstige geplante Maßnahmen in nächster Zeit sehr argwöhnisch daraufhin zu durchsuchen, ob nicht anstelle einer dringend notwendigen Erweiterung der Absicherung der Kinderrechte geradezu im Gegenteil Beschränkungen beabsichtigt sind.

K u r z b i o g r a p h i e

Dr. Udo Jesionek, geboren 1937, Werkzeugmacherlehre, Externistenreifeprüfung, Studium an der Wiener Universität, Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften 1962. Ernennung zum Richter 1965, zuletzt Vizepräsident des Straflandesgerichtes Wien und von 01.01.1982 bis 31.12.2002. Präsident des Jugendgerichtshofes Wien.
Honorarprofessor für Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Präsident der Verbrechensopferhilfeorganisation „Weisser Ring“ sowie Leitungsmitglied zahlreicher juristischer, sozialer und kirchlicher Organisationen. Zahlreiche Publikationen insbesondere auf dem Gebiet des Jugendstraf- und Jugendwohlfahrtsrechts, der Kriminologie, Viktimologie und des Strafprozessrechtes.
Träger des Hans Czermak-Preises, des "Osman 1996", des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien sowie des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Oberösterreich.

„Mobbing“ ist ein immer größer werdendes Problem an Schulen; die meisten Anfragen nach Präventions- bzw. Interventionsmöglichkeiten, die an die Fachstelle gerichtet werden, beziehen sich auf dieses Phänomen. Häufig wird auch die Frage gestellt, was denn Mobbing nun wirklich sei bzw. woran man es erkennen könne. Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einiger Erläuterungen:

Die größte Schwierigkeit für Betroffene von Mobbing ist, zunächst einmal genau zu beschreiben, was ihnen angetan worden ist, wie lange dieser Zustand schon anhält und was diese Vorgänge bei ihnen bewirkt haben. Da Mobbing häufig keine sichtbaren (körperlichen) Spuren hinterlässt, also keine blauen Flecke, Blutergüsse, zerrissene Kleidung etc., muss das Opfer über Verhaltensweisen von KlassenkameradInnen berichten, die bei ihr/ihm psychisches Leid ausgelöst haben und die zu Ausgrenzung, Angst, Entmutigung, Verzweiflung und Versagen geführt haben. Die zweite Schwierigkeit liegt darin, sich zu trauen, über diese Erlebnisse zu berichten, denn zuzugeben, dass man ausgegrenzt, beschimpft oder lächerlich gemacht wurde, bedeutet immer auch ein Stück Selbstentwertung. Die dritte Schwierigkeit liegt letztendlich darin, Personen zu finden, die die Erzählung ernst nehmen und unterstützend und ermutigend beistehen; denn immer wieder klagen Opfer von Mobbing, dass Menschen, denen sie von ihren Mobbingerfahrungen berichten, diese verharmlosen („geh, so schlimm wird das schon nicht sein, du bildest dir das nur ein“) oder den Tipp geben, sich doch zu wehren („dann sag halt auch was Blödes oder hau einmal kräftig auf den Tisch!“). Damit ist Betroffenen aber nicht geholfen, da sich Mobbing auf der Machtebene zwischen den AkteurInnen abspielt und diese Macht immer ungleich verteilt ist. Die Mobberin/der Mobber ist meistens gruppenintern hierarchisch höher und/oder körperlich stärker und/oder hat mehr UnterstützerInnen als das Opfer. Gegenwehr ist daher ohne Unterstützung von außen für das Opfer unmöglich – vor allem auch deshalb, da es sich der Täterin/dem Täter nicht entziehen kann; in die Schule muss es jeden Tag aufs Neue gehen und dort trifft es auch jeden Tag aufs Neue seine Peinigerin/seinen Peiniger. Ein Klassenwechsel bedeutet vielleicht Entlastung für das Opfer, ist aber in jedem Fall auch ein Prestigeverlust („hat die Klasse/Schule wechseln müssen!“).

„Mobbing“ ist ein immer größer werdendes Problem an Schulen; die meisten Anfragen nach Präventions- bzw. Interventionsmöglichkeiten, die an die Fachstelle gerichtet werden, beziehen sich auf dieses Phänomen. Häufig wird auch die Frage gestellt, was denn Mobbing nun wirklich sei bzw. woran man es erkennen könne. Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einiger Erläuterungen:

Die größte Schwierigkeit für Betroffene von Mobbing ist, zunächst einmal genau zu beschreiben, was ihnen angetan worden ist, wie lange dieser Zustand schon anhält und was diese Vorgänge bei ihnen bewirkt haben. Da Mobbing häufig keine sichtbaren (körperlichen) Spuren hinterlässt, also keine blauen Flecke, Blutergüsse, zerrissene Kleidung etc., muss das Opfer über Verhaltensweisen von KlassenkameradInnen berichten, die bei ihr/ihm psychisches Leid ausgelöst haben und die zu Ausgrenzung, Angst, Entmutigung, Verzweiflung und Versagen geführt haben. Die zweite Schwierigkeit liegt darin, sich zu trauen, über diese Erlebnisse zu berichten, denn zuzugeben, dass man ausgegrenzt, beschimpft oder lächerlich gemacht wurde, bedeutet immer auch ein Stück Selbstentwertung. Die dritte Schwierigkeit liegt letztendlich darin, Personen zu finden, die die Erzählung ernst nehmen und unterstützend und ermutigend beistehen; denn immer wieder klagen Opfer von Mobbing, dass Menschen, denen sie von ihren Mobbingerfahrungen berichten, diese verharmlosen („geh, so schlimm wird das schon nicht sein, du bildest dir das nur ein“) oder den Tipp geben, sich doch zu wehren („dann sag halt auch was Blödes oder hau einmal kräftig auf den Tisch!“). Damit ist Betroffenen aber nicht geholfen, da sich Mobbing auf der Machtebene zwischen den AkteurInnen abspielt und diese Macht immer ungleich verteilt ist. Die Mobberin/der Mobber ist meistens gruppenintern hierarchisch höher und/oder körperlich stärker und/oder hat mehr UnterstützerInnen als das Opfer. Gegenwehr ist daher ohne Unterstützung von außen für das Opfer unmöglich – vor allem auch deshalb, da es sich der Täterin/dem Täter nicht entziehen kann; in die Schule muss es jeden Tag aufs Neue gehen und dort trifft es auch jeden Tag aufs Neue seine Peinigerin/seinen Peiniger. Ein Klassenwechsel bedeutet vielleicht Entlastung für das Opfer, ist aber in jedem Fall auch ein Prestigeverlust („hat die Klasse/Schule wechseln müssen!“).

Definition: „Von Mobbing wird dann gesprochen, wenn eine Person wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg negativen Handlungen einer/eines Einzelnen oder einer Gruppe ausgesetzt ist, mit dem Ziel, diese Person langfristig sozial auszugrenzen. Mobbing ist gekennzeichnet durch systematisch durchgeführte Kränkungen, Demütigungen, Drohungen oder sexuelle Belästigungen. Die Situation zeichnet sich durch ein Macht-Ungleichgewicht zwischen Opfer und TäterInnen aus. Die Handlungen werden von den TäterInnen bagatellisiert und geschehen im Verborgenen. Daher ist Mobbing für LehrerInnen und Eltern oft schwer zu erkennen“ (vgl. Olweus 2006).

Mobbingopfer kann jede und jeder werden, weil jeder Mensch individuelle Eigenschaften hat, die ihn von anderen unterscheiden: Intelligenz, Nationalität, Haarfarbe, Größe, körperliche Statur, Familienverhältnisse, Brille, Hobby, Lernerfolg….. alles kann für Ausgrenzung und Spott herangezogen werden.
Mobbingbetroffene machen sich häufig selbst dafür verantwortlich, dass sie Opfer geworden sind („weil ich halt dick bin und daher nicht gut im Sport bin“) – und suchen sich keine Unterstützung/Hilfe sondern glauben, damit allein fertig werden zu müssen. Dies führt aber in die Isolation.

Eltern aufgepasst – hier wird gemobbt!
Mobbing muss in Betracht gezogen werden wenn Kinder/Jugendliche nicht mehr in die Schule gehen wollen, in die Schule gefahren werden bzw. abgeholt werden wollen, erst kurz vor Unterrichtsbeginn die Klasse betreten wollen, auf Ausflüge, Schikurse, Wandertage nicht mitfahren wollen, Taschengeld verschwindet (Erpressung!), Hefte, Bücher, Federpennale zerrissen oder zerstört werden, Füllfedern, Stifte, Zirkel und Lineale beschädigt bzw. zerbrochen sind bzw. gänzlich verschwinden, T-Shirts und Jacken zerrissen sind bzw. verschwinden oder Turnsackerl samt Inhalt nicht mehr auffindbar ist bzw. Hausschuhe fehlen.
Mobbingopfer trauen sich in den meisten Fällen nicht zu Hause zu berichten, was in der Schule passiert, weil sie glauben, dass durch die Intervention der Eltern in der Schule die Angriffe schlimmer werden und noch zusätzliche verbale Attacken seitens der Mobberin/des Mobbers dazukommen („hat das Baby seine Mami zur Lehrerin geschickt, weil es sich allein nicht helfen kann?!“). Durch das Nicht-erklären-können zu Hause, wo die Schulsachen hingekommen sind bzw. warum die Schulsachen oder die Kleidungsstücke kaputt gegangen sind, kommt es für das Mobbingopfer jedoch zu einer zweiten negativen Konsequenz: es wird auch von den Eltern gescholten und vielleicht sogar bestraft („wenn du auf deine Sachen nicht aufpasst, dann kaufst du den neuen Zirkel von deinem Taschengeld“).

TIP:
Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch! Tragen Sie mit Datum ein, wann was geschehen ist, wer was getan hat, welche Konsequenzen das für Sie/Ihr Kind hatte. Damit haben sie genaue und lückenlose Aufzeichnungen sowie eine gesicherte Beweislage, wenn Sie sich an die Schule/an eine Hilfseinrichtung wenden. Nur aus dem Gedächtnis heraus weiß man nach ein paar Wochen oft nicht mehr genau, wann wer was getan hat bzw. wann etwas passiert ist.

Langfristig können Mobbingattacken zu Konzentrationsschwierigkeiten mit verbundenem Leistungsrückgang führen, das Selbstvertrauen des Kindes/des Jugendlichen wird immer geringer, sozialer Rückzug, Bauchschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen samt Albträumen können sich einstellen. Sogar Depressionen und Suizidgedanken können durch Mobbing ausgelöst werden. Damit ist ganz klar, dass Mobbing kein lustiges Spiel ist sondern eine gesundheitsschädigende und lebensgefährdende kriminelle Tat!

TäterInnen sind sich häufig nicht bewusst, welche Auswirkungen ihre Mobbinghandlungen haben, da die Rückmeldungen der Opfer fehlen. Sie mobben andere MitschülerInnen, weil sie die Erfahrung machen, dass sie dadurch Macht und Ansehen in der Klasse erhalten oder damit Dienstleistungen bzw. materielle Güter einfordern können (z.B. abschreiben dürfen, Geld erpressen, etc.). Es können aber auch Motive wie Neid, mangelndes Selbstwertgefühl, Überforderung, Konkurrenz oder Fremdenfeindlichkeit ausschlaggebend für Mobbinghandlungen sein.

Gruppendynamik bei Mobbing – es gibt viele MitspielerInnen …….
Eltern und LehrerInnen müssen sich auch im Klaren darüber sein, dass Mobbing niemals eine Angelegenheit zwischen TäterIn und Opfer ist, sondern alle KlassenkameradInnen „mitspielen“. Im Rahmen der Gruppendynamik gibt es unterschiedliche „Rollen“: AssistentInnen (unterstützen die Täterin/den Täter), MitläuferInnen (sind der Täterin/dem Täter positiv eingestellt und befürworten ihre/seine Taten), ZuschauerInnen/ WegschauerInnen (unterstützen nicht, tun aber auch nichts dagegen), HelferInnen (unterstützen das Opfer durch Trösten oder durch Stoppen der Tat) und EinzelgängerInnen (gehören zu keiner Gruppe, wollen sich nirgends anschließen – sind aber selbst in großer Gefahr zu Opfern zu werden).
Letztendlich haben aber alle Angst: die Täterin/der Täter hat Angst vor einem Machtverlust, daher mobbt sie/er ständig weiter und ist auf die positive Reaktion „seiner“ Gruppe angewiesen, die anderen Gruppenmitglieder haben Angst, selbst gemobbt zu werden, wenn sie ihre Rolle aufgeben.

Wie erkennt die Lehrerin/der Lehrer Mobbing?
Untersuchungen der letzten Jahre zeichnen ein deutliches Bild in Bezug auf Beendigung von Gewalt an Schulen: Olweus (1996) kam zu dem Ergebnis, dass (aus der Sicht der Kinder) in fast der Hälfte der Fälle von Gewalt in Volksschulklassen die LehrerInnen diese nicht beendet und auch nicht thematisiert haben. In Hauptschulen bzw. Unterstufen von AHS lag der Prozentsatz sogar bei 60% der Fälle. Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht wussten, dass Gewalt/Mobbing in ihrer Klasse stattfindet? LehrerInnen müssen also zunächst erkennen, dass gemobbt wird und anschließend eine klare Reaktion in Form von „Mobbing wird von mir hier nicht geduldet“ zeigen! Ein wichtiger Punkt um Mobbing überhaupt erkennen zu können, ist, dass sich die Lehrerin/der Lehrer regelmäßig Zeit nimmt, um mit den SchülerInnen über Vorgänge in der Klasse, über Probleme, Wünsche und Anliegen zu reden. Bei diesen Besprechungen erkennen Lehrende sofort, wer viel und wer wenig zu sagen hat bzw. über wen schlecht gesprochen wird, wer lächerlich gemacht wird oder wer überhaupt ignoriert wird. Die Gangaufsicht hilft wenig um Mobbing zu erkennen, denn beim Nähern der Lehrerin/des Lehrers werden die Mobbingaktionen eingestellt. Aufmerksame LehrerInnen wagen einen Blick in den Mülleimer, hier finden sich häufig überraschende Dinge (abgebrochene Bleistifte und Geodreiecke, zerstörte Radierer, herausgerissene Heftseiten bis hin zu ganzen Federpennalen) und sie sollten dies selbstverständlich zum Anlass nehmen zu hinterfragen um wessen Sachen es sich dabei handelt und wie sie in den Mülleimer gelangt sind. Werden diese Fragen jedoch nur vom Kind/vom Jugendlichen beantwortet, dem die kaputten Utensilien gehören und erklärt sie/er, dass sie/er selbst die Sachen kaputt gemacht und weggeschmissen hätte, dann ist auf jeden Fall Mobbing im Spiel!

Interventionen bei Mobbingverdacht auf Klassen-/Schulebene:
Wenn Mobbing bemerkt wird, handelt es sich immer nur um die sogenannte „Spitze des Eisberges“, d.h. es gibt immer mehr verborgene als wahrgenommene Mobbingaktivitäten!

  • Autoritäres Durchgreifen ohne die Situation zu bearbeiten, begünstigt Mobbing! Da aber die eigene Hilflosigkeit häufig zu autoritärem Verhalten führt, sollten LehrerInnen wissen, dass sie Hilfe von außen in Anspruch nehmen können. Die Fachstelle für Gewaltprävention hilft in diesem Falle gerne mit Adressen weiter.
  • LehrerInnen müssen ihre Schutzfunktion, die sie gegenüber den SchülerInnen haben, unbedingt wahrnehmen und dürfen sich weder bewusst noch unbewusst am Mobbing beteiligen!
  • Klare Aussage, dass Mobbing nicht geduldet wird
  • Der Klasse ihre Mitverantwortung klar machen, gemeinsame Lösung aushandeln, positive Aufmerksamkeit für angemessenes Verhalten
  • Das Opfer stärken ohne zu verlangen, dass es sich selbst wehrt
  • Austausch im LehrerInnenkollegium
  • Klassenregeln/Klassenleitbild gemeinsam erarbeiten und einhalten
  • Elternabend einberufen (alle Eltern, siehe „Gruppendynamik“)
  • ExpertInnen beiziehen

Weitere Informationen, Netzwerkadressen und Angebote im Bereich der Gewaltprävention sowie die Broschüren „Gewalt an Kindern“, „Gewalt unter Kindern“ und „Kriterienleitfaden für Angebote im Bereich der schulischen Gewaltpräventionsprojekte“ finden Sie unter

Fachstelle für Gewaltprävention
Landhausplatz 1/Haus 9, 1. Stock
3109 St. Pölten
Homepage: www.gewaltpraevention-noe.at
Email: gewaltpraevention(at)noel.gv.at
Hotline: 02742/9005-9050
Fax: 02742/9005-18113

Mag.(FH) Henriette Höfner
Geschäftsführerin der Fachstelle für Gewaltprävention

seit 2005 in der Jugendarbeit tätig
2009 Abschluss FH St.Pölten Diplomstudium "Soziale Arbeit"
seit 2009 Aufbau und Ausbau der Fachstelle für Gewaltprävention, Schwerpunkt Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im schulischen und außerschulischen Bereich.

Die 12 Stadien des Burn-out

1. „Zwang sich zu beweisen“

Diese Phase wird anfangs positiv gesehen, da sich beim Schüler alles um Erfolg, Leistung und gute Noten dreht. Allerdings wird das persönliche Umfeld stetig vernachlässigt - der Schüler sucht wenig Kontakt zu Freunden und sitzt stundenlang vor dem PC. In dieser Phase sind auch die Eltern gefragt: Sie sollten ihr Kind animieren, Pausen einzulegen, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten und für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Schule und Erholungsphasen sorgen. Gerade erhöhter Leistungsdruck durch die Eltern kann sich in dieser Phase negativ auswirken. Er suggeriert dem Kind, dass Anerkennung mit guten Noten verbunden ist. Damit können Eltern erst richtig Stress beim Kind auslösen.

Die 12 Stadien des Burn-out

1. „Zwang sich zu beweisen“

Diese Phase wird anfangs positiv gesehen, da sich beim Schüler alles um Erfolg, Leistung und gute Noten dreht. Allerdings wird das persönliche Umfeld stetig vernachlässigt - der Schüler sucht wenig Kontakt zu Freunden und sitzt stundenlang vor dem PC. In dieser Phase sind auch die Eltern gefragt: Sie sollten ihr Kind animieren, Pausen einzulegen, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten und für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Schule und Erholungsphasen sorgen. Gerade erhöhter Leistungsdruck durch die Eltern kann sich in dieser Phase negativ auswirken. Er suggeriert dem Kind, dass Anerkennung mit guten Noten verbunden ist. Damit können Eltern erst richtig Stress beim Kind auslösen.

2. „Verstärkter Einsatz“

Das Kind ist äußerst leistungsmotiviert und weitet seinen persönlichen und zeitlichen Einsatz für die Schule immer mehr aus. Der Schüler übernimmt freiwillig Zusatzaufgaben (z.B. Freifächer, Wahlfächer, zusätzliche Fremdsprachen, Posten als Klassensprecher...). Er will zeigen, dass er erwachsen und dem enormen Pensum gewachsen ist, er will sich beweisen und sucht nach Anerkennung.

3. „Vernachlässigung eigener Bedürfnisse“

In dieser Phase setzen vermehrt psychosomatische Auffälligkeiten ein, Symptome wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, Bauch- und Magenschmerzen häufen sich. Dennoch sucht der Schüler nicht nach Ausgleich oder Entlastung – oft werden die Probleme mit Tabletten bekämpft. Spätestens in dieser Phase sollten Eltern aufmerksam werden und das Verhalten ihres Kindes kritisch hinterfragen, um notwendige Schritte einleiten zu können.

4. „Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen“

Hier werden die Warnsignale von Seiten des Kindes immer deutlicher: Das Verhalten ist aggressiv, der Schüler gereizt und nervös. Er zieht sich immer mehr zurück, ist mürrisch und sucht Streit, es gibt immer mehr Spannungen – auch der Kontakt zu Freunden und Klassenkameraden ist weitgehend abgebrochen. Eltern sollten sich an dieser Stelle fragen, ob es ihnen überhaupt noch möglich ist, Kontakt zu ihrem Kind zu finden und zum ihm „durchzudringen“. Das Hinzuziehen einer Vertrauensperson ist an dieser Stelle ratsam.

5. „Umdeutung von persönlichen Werten“

Konflikte im Umfeld des Kindes steigern sich. Der Schüler wird zunehmend gleichgültiger, zeigt kaum noch Interesse an seiner Umwelt – der soziale Rückzug ist weit fortgeschritten, das Kind isoliert sich zunehmend. An dieser Stelle sollten die Eltern das Gespräch mit einem Lehrer und in weiterer Folge auch mit dem (Schul-)Psychologen suchen.

6. „Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme“

Die Spirale verstärkt sich weiter, die soziale Isolation schreitet voran. Freunde und Familienmitglieder werden zunehmend ignoriert. Der Drang, Leistung zu erbringen, steigert sich weiter, bis hin zur regelrechten „Lernsucht“. Beim Erwachsenen spricht man in dieser Phase bereits von einem „Workaholic“ – Leistung wird nicht aus Freude erbracht, sondern aus Zwang und unter hohem Druck. Ab sofort sollte über Therapiemöglichkeiten nachgedacht werden.

7. „Endgültiger Rückzug“

Spätestens in dieser Phase ist medizinische Betreuung notwendig. Hoher Stress, Burn-Out oder die Flucht in Suchtverhalten werden ab jetzt immer wahrscheinlicher. Der Jugendliche ist auf der Suche nach Entspannung und positiver Stimulation, um Stress abbauen zu können - häufig werden die Schüler auch von Angstzuständen und/oder Panikattacken begleitet. Bei Mädchen ist in dieser Phase oft eine Ess- und/oder Medikamentensucht zu beobachten, Buben hingegen greifen vermehrt zu Alkohol. Internetsucht, Kaufrausch und Drogen sind für beide Geschlechter in hohem Maße gefährlich und häufige Begleiterscheinung bei großer psychischer Belastung.

8. „Deutliche Verhaltensänderung“

Der Schüler ist in dieser Phase bereits völlig erschöpft. Er hat kaum noch Kraft, den Schulalltag zu bewältigen, Fehlstunden häufen sich. Der Jugendliche ist isoliert, verlässt sein Zimmer kaum noch, „verwahrlost“ und wird seiner Umwelt gegenüber absolut gleichgültig. Gespräche sind nicht mehr ausreichend, medizinische Betreuung ist unumgänglich.

9. „Verlust des Gefühls der eigenen Persönlichkeit“

Jugendliche verlieren ab sofort „den Zugang zu sich selbst“. Sie zeigen keinerlei Emotion, spüren sich nicht mehr und reagieren dementsprechend kaum noch auf ihre Umwelt. In dieser Phase zeigen sich auch keine Erfolge mehr, der Jugendliche ist völlig lethargisch.

10. „Innere Leere“

Diese Phase ist sehr gefährlich für den Jugendlichen. Das Suchtverhalten weitet sich exzessiv aus, bis hin zu einer lebensbedrohlichen Situation. Der Schüler kämpft gegen den Erschöpfungszustand an, möchte sich wieder spüren – in dieser Phase allerdings bereits erfolglos. Es besteht die Gefahr unüberlegter Handlungen, der Schüler muss unter allen Umständen beaufsichtigt und betreut werden.

11. „Totale Depression und Erschöpfung“

In dieser Phase ist eine stationäre Aufnahme mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung unumgänglich. Das Gefühl des Versagens überwiegt, der Jugendliche hat keinerlei Zukunfts-Visionen mehr und er leidet unter schweren Depressionen.

12. „Völliger Burn-Out-Zusammenbruch“

Diese Phase kann im schlimmsten Fall zum totalen körperlichen und seelischen Zusammenbruch des Schülers führen. Befindet sich der Jugendliche in dieser Verfassung, geht man im Regelfall von einer Reha-Zeit von bis zu 1 ½ Jahren aus. Der Körper versagt, der Schüler ist psychisch am Ende und bricht völlig zusammen.

Bei Anfragen, Therapien oder Betreuung wenden Sie sich bitte an:
Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie
Dr. Brigitte Bösenkopf
Stadiongasse 6-8/6
1010 Wien
01/405 52 04
office(at)appteam.at

LEBENSLAUF

Titel: Dr. phil.
Vorname: Brigitte
Nachname: Bösenkopf
Adresse: Wiedner Hauptstraße 146/2/11
1050 Wien
Telefonnummer: 0650/420 22 44
E-Mail: brigitte.boesenkopf(at)pilotteam.at

PERSÖNLICHE INFORMATIONEN

Geburtsdatum: 04. Februar 1955
Staatsbürgerschaft: Österreich

AUSBILDUNG

1965-1973: Bundesrealgymnasium 3, Wien
1973-1980: Studium der Psychologie und Publizistik an der Uni Wien
1980: Promotion zum Doktor der Philosophie

BERUFSERFAHRUNG

1977-1991: Chefredakteurin im Verlag für Tier, Natur und Umweltschutz in Österreich und Deutschland
Tätigkeit: Redaktionelles Konzept, Layout und Gestaltung der Publikationen, Mitarbeiterführung und Öffentlichkeitsarbeit

1987-2003: Mitarbeiterin in der Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie
Tätigkeit: Vorträge, Seminare und Schulungen im KMU Bereich und großen Organisationen

1997-1999: Mitgründerin und Geschäftsführerin des Instituts für Biofeedback, Stress und Gesundheitsberatung in Wien
Tätigkeit: Geschäftsführung und Betreuung der Patienten

1998-2007: Geschäftsführerin der Persönlichkeits-Impulse Organisations- Trainings GmbH (PILOT)
Tätigkeit: Wirtschaftstrainings und psychologische Begleitung von Firmenfusionen, Stressmessungen in Unternehmen

Seit 2003: Generalsekretärin der Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie
Tätigkeit: Projektleitung mehrerer Teams, Vortrags- und Seminartätigkeit im Bereich Soziale Kompetenz

Seit 2003: Betriebspsychologin bei Raiffeisen
Tätigkeit: Psychologische Mitarbeiterbetreuung, Betreuung nach Banküberfällen

Seit 2004: Mitgründerin des ersten Stresscenters in Wien im Gesundheitszentrum Döbling
Tätigkeit: Entwicklung von Burnoutmodulen gemeinsam mit Ärzten, psychologische Patientenbetreuung und Präventionsvorträge im Gesundheitsbereich

Seit 2007: Vortragende für Mediatoren in der Ausbildungseinrichtung für Mediation von Dr. Heidi Bernhart
Tätigkeit: Themenschwerpunkt Wirtschaftsmediation und Scheidungsmediation

Seit 2007: Lehrbeauftragte an der Donau- Universität Krems
Tätigkeit: Lehrtätigkeit in verschiedenen Departements (Facilitymanagement und Continuing Education Research and Educational Management) und Modulen im Bereich „Leitungs- und Führungskompetenz“, „Selbst- und Konfliktmanagement“, „Teambildung und Mitarbeiterführung“, „Selbstmanagement als Basis für wirtschaftlichen Erfolg“ sowie Seminare für die Sekretärinnen und Organisationsassistentinnen der Donau- Universität Krems zum Thema „Konfliktmanagement als Basis für eine erfolgreiche Kommunikation“

SPEZIELLE QUALIFIKATIONEN

1977: Journalistische Ausbildung durch den Verband Österreichischer Zeitungsherausgeber und Zeitungsverleger
1987-1989: Trainerausbildung
2005-2007: Ausbildung zum Mediator
2007: Abschluss als eingetragener Mediator

PUBLIKATIONEN

Buch „Lust am Flirten“ (1997) im Überreuterverlag/ Wien

Buch „Mut zur Lebensfreude“ (2010) im Goldeggverlag/Wien

von Ricky May-Wolsdorff

Seit fast fünf Jahren leite ich das Kulturförderungsprojekt des european grouptheater „jugendtheatercompany NÖ“, zu dem junge Menschen im Alter von 14 - 21 Jahren eingeladen werden, mit Profis innerhalb eines Jahres ein Theaterstück zu erarbeiten(Das Ensemble besteht aus ca. 40- 50 Jugendlichen). Ziel ist es, eine Produktion herzustellen, die vor einem großen Publikum, auf einer großen Bühne mit Erfolg gezeigt werden kann. Das Schauspiel ist ein Handwerk, das erlernt sein muss. Im Zuge der Ausbildung lernen die jungen Leute die für den Beruf des Schauspielers erforderlichen Fähigkeiten. Wichtig ist v.a. die Sprache. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist die richtige Atemtechnik, da Atmung die Sprache enorm beeinträchtigt. Ein Säugling beispielsweise beherrscht die Bauch- und Zwerchfellatmung – was sich ein Schauspieler mühevoll erarbeiten muss - von Geburt an. Stimmbänder, Öffnungen und Resonanzkörper müssen erspürt und genutzt werden. Man sollte sich bewusst machen, wie Sprache eigentlich funktioniert.

von Ricky May-Wolsdorff

Seit fast fünf Jahren leite ich das Kulturförderungsprojekt des european grouptheater „jugendtheatercompany NÖ“, zu dem junge Menschen im Alter von 14 - 21 Jahren eingeladen werden, mit Profis innerhalb eines Jahres ein Theaterstück zu erarbeiten(Das Ensemble besteht aus ca. 40- 50 Jugendlichen). Ziel ist es, eine Produktion herzustellen, die vor einem großen Publikum, auf einer großen Bühne mit Erfolg gezeigt werden kann. Das Schauspiel ist ein Handwerk, das erlernt sein muss. Im Zuge der Ausbildung lernen die jungen Leute die für den Beruf des Schauspielers erforderlichen Fähigkeiten. Wichtig ist v.a. die Sprache. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist die richtige Atemtechnik, da Atmung die Sprache enorm beeinträchtigt. Ein Säugling beispielsweise beherrscht die Bauch- und Zwerchfellatmung – was sich ein Schauspieler mühevoll erarbeiten muss - von Geburt an. Stimmbänder, Öffnungen und Resonanzkörper müssen erspürt und genutzt werden. Man sollte sich bewusst machen, wie Sprache eigentlich funktioniert.
Der Mensch ist ein nachahmendes Wesen und leider übernehmen Kinder die falsche Atmung oft von den Eltern. Es gibt die unterschiedlichsten Sprachstörungen: Das Problem liegt zumeist in den Verschiebungen der Vokale und der Konsonanten. Der Problematik von Lehrern beispielsweise, dass sie ihre Stimme im Unterricht zu sehr fordern und über Heiserkeit klagen, könnte man mit einer Grundschulung für Sprache entgegen wirken. Der Vokalsitz muss stimmen, auch die Arbeit mit den Gesichtsmuskeln muss erlernt werden. Für all diese Bereiche gibt es unterschiedliche Übungen. In das Projekt werden nicht nur Jugendliche aufgenommen, die schauspielerisch begabt sind, sondern auch Kinder, denen das Programm in ihrer persönlichen Entwicklung hilft, ihrer Seele gut tut und ihnen dazu dient, frei zu werden. Es ist schön zu beobachten wie sich Jugendliche im Laufe des Projekts entwickeln. Ich bekomme oft Rückmeldungen, dass die Jugendlichen plötzlich ganz anders lesen als ihre Schulkollegen und auch ein besseres Körperempfinden entwickeln. Ganz wichtig ist auch, dass die Kinder den Erfolg miterleben und Bestätigung erhalten. Ein weiterer Punkt ist auch das Körperbewusstsein, das einen wesentlichen Bestandteil schauspielerischer Tätigkeit ausmacht. Auch für diesen Bereich gibt es zahlreiche Übungen. Das Theaterspielen beruht auf persönlichem Empfinden und Erfahren. Die körperliche Disziplin und die Disziplin in der Konzentration werden durch das Theaterspielen ganz massiv trainiert.
Im Zuge der Ausbildung werden weiters das Raumempfinden auf der Bühne und die Wahrnehmung geschult. Ich arbeite mit den Jugendlichen an der Wachheit in der Wahrnehmung. Sie lernen, sich selbst zu erfahren, aber auch den Anderen wahr zu
nehmen. Die Kinder, die in die Jugendcompany kommen, haben oft enorme Konzentrationsschwächen. Die Jugendlichen sind – so wie jeder professionelle Schauspieler auch - gefordert, jede Sekunde – auch wenn sie gerade nicht sprechen - präsent zu sein. Die Kinder haben zu Beginn einfach nicht die Kondition, die
erforderliche Konzentration zu halten. Wir arbeiten auch daran, die Jugendlichen in ihrer Kreativität zu ermutigen. Es gibt eine Wahrheit und wir arbeiten permanent daran. Es gibt unzählige Arten zu dieser Wahrheit zu gelangen. Und diese Wege, die
Möglichkeiten der Ausdrucksfähigkeit müssen stetig erweitert werden. Man arbeitet in der Kunst permanent, es gibt hier keinen Stillstand. Die Persönlichkeitsentwicklung die die Jugendlichen im Laufe des Projekts durchmachen ist unbeschreiblich und das spüren sie auch selbst. Wichtig ist auch das Vertrauen zu sich selbst. Während des Spielens entdeckt man viele Facetten an sich – oft auch Dinge, die einem nicht angenehm sind. Jeder Mensch hat alles in sich. Manches muss für die jeweilige Rolle unterdrückt und manches aktiv herausgearbeitet werden. Dieses sich selbst kennen lernen ermöglicht auch weniger angenehme Seiten an sich, nicht mehr als Bedrohung zu empfinden, sondern damit umgehen zu lernen. Wir arbeiten auch an der Flexibilität. Das fertige Stück wird auf den unterschiedlichsten Bühnen aufgeführt und die Rollen sind 3 bis 4-fach besetzt. Dies erfordert, dass die Jungendlichen die jeweilige Situation erspüren und dazu in der Lage sind, sich umzustellen und anzupassen. Die Ausbildung eröffnet den Jugendlichen Räume und Möglichkeiten, von denen sie vorher keine Vorstellung hatten. Sie erarbeiten sich ein Kapital, auf dass sie in jeder Lebenssituation zurückgreifen können. Das richtige Auftreten bei einem Vorstellungsgespräch beispielsweise kann einem Türen öffnen, das falsche jedoch Wege verschließen. Die Kinder lernen, selbst etwas zu bewirken, bekommen Mut, etwas zu tun oder sogar einmal über das Ziel hinaus zu schießen und nicht das ewig Vorgekaute nachzuäffen.
Bisher haben rund 250 Jugendliche aktiv an diesem Projekt teilgenommen. Ende 2010 werden ca. 40.000 Jugendliche unsere Vorstellungen besucht haben.
Einige Worte noch zu unserer diesjährigen Produktion – das Schauspiel „Wut“ von Max Eipp. Es ist die Geschichte des Zusammenpralls zweier Kulturen, die einander zutiefst fremd sind. Max Eipp erzählt mit viel Wissen und großer Einfühlsamkeit die Geschichte von Intoleranz, Fremdenhass, aber auch Freundschaft. Ein kühner interkultureller Thriller, der die Probleme Jugendlicher thematisiert und durch Provokation zur Integration führt. Ein Theaterstück, das niemanden auslässt und einem zwingt sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen. Mut zu „Wut“ – ein Muss für die Bühne und für Schulen – ist die einstimmige Meinung von internationalen Erziehungswissenschaftern. Ebenso bestätigen, seit der Premiere viele e-mails von Jugendlichen, dass sie Realität so erleben uns sich sehr gut in den Figuren des Stückes wieder finden. Ich erkenne daran die Grundlage interessanter Diskussionen und Erschließung neuer Gedanken. So habe ich mir das Projekt gewünscht und ich freue mich über die internationale Anerkennung, die wir durch die Schirmherrschaft der UNESCO erhalten haben.

Ricky May-Wolsdorff,
Schauspielerin, Sängerin, Choreographin, Regisseurin, Direktorin european grouptheater

Mit 16 Jahren Tänzerin unter anderem an der Wiener Volksoper
5. Platz für Österreich bei der ”Freestyle Dance Worldchampionship” in London

Ihre Partner und Wegbegleiter: Liz King, Ismael Ivo u.a.

Sie war eine der großen Mitbegründerinnen der Tanzszene in Wien und Entwicklerin der Stellung, die Tanz heute in Wien hat.

Schauspielausbildung bei Dorothea Neff und Eva Zilcher
Gesangsausbildung Ruth Bormann und Ingrid Olofsson

Engagements/Ensemblemitglied im Theater in der Josefstadt (bereits mit 17 Jahren), Volkstheater Wien, Staatstheater Stuttgart, Landestheater Linz, Landestheater Niederösterreich u. a.

Fernseh– und Filmarbeit (Tatort, Moselbrück u. a.)

Sie arbeitete mit Partnern wie: Fritz Muliar, Elfriede Ott, Klaus Wildbolz, Marianne Nentwich, Hans Holt, Gusti Wolf, Heinz Marecek, Karl Heinz Hackl u. a.

Und mit Regisseuren: Fritz Muliar, Leopold Lindberg, Heinz Marecek, Gustav
Manker u. a.

2001 gründete sie das european grouptheater.

Im Rahmen dieses Theaters gründete sie 2006 das
Jugendkulturförderungsprojekt die jugendtheater company.

Es ist in seiner Art ein überzeugendes Beispiel wie künstlerische Tätigkeit auf die individuelle Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen wirkt.

Das european grouptheater zeigte unter der Leitung und Regie von Ricky May- Wolsdorff u. a. folgende Produktionen:

„Spoonface Steinberg“ von dem Oscar nominierten Lee Hall; Österreichische Erstaufführung

„Die Blinden, Tauben und andere Geilisten“ von Franzobel; Erstaufführung der Neufasssung

„WUT“ von Max Eipp – Österreichische Erstaufführung des preisgekrönten TVFilmes

„Nathan der Weise“ G. E. Lessing – wurde für den ORF aufgezeichnet und am 9. September 2012 um 14.00 Uhr auf ORF III gesendet; das mit Wissenschaftern erstellte Unterrichtsmaterial und die Aufzeichnung wurde vom BMUKK als offizielles Unterrichtsmaterial übernommen.

u. v. a. Produktionen

Gesellschaftliche Erscheinungen unterliegen einem permanenten Wandel. So gibt es auch rund um Abhängigkeitserkrankungen ständig neue Phänomene und Erkenntnisse. War in der Vergangenheit etwa das vielzitierte Komatrinken verstärkt im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion, so wird derzeit das Thema neue Medien und Sucht als Variante stoffungebundener Abhängigkeitserkrankungen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei geht es beispielsweise um die Nutzung von Internet, Smartphones und sog. social networks, welche wiederum via Internet zur Verfügung stehen. Derartige Entwicklungen stellen einen bedeutsamen technologischen Fortschritt dar und bergen neben vielen wertvollen Chancen und Möglichkeiten auch Risiken und Nebenwirkungen. Aufgrund des Entwicklungsstandes von Kindern und Jugendlichen bestehen in diesen Altersgruppen besondere Risiken, aber auch Erwachsene können rasch in einen Strudel an Problemen gezogen werden.

Gesellschaftliche Erscheinungen unterliegen einem permanenten Wandel. So gibt es auch rund um Abhängigkeitserkrankungen ständig neue Phänomene und Erkenntnisse. War in der Vergangenheit etwa das vielzitierte Komatrinken verstärkt im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion, so wird derzeit das Thema neue Medien und Sucht als Variante stoffungebundener Abhängigkeitserkrankungen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei geht es beispielsweise um die Nutzung von Internet, Smartphones und sog. social networks, welche wiederum via Internet zur Verfügung stehen. Derartige Entwicklungen stellen einen bedeutsamen technologischen Fortschritt dar und bergen neben vielen wertvollen Chancen und Möglichkeiten auch Risiken und Nebenwirkungen. Aufgrund des Entwicklungsstandes von Kindern und Jugendlichen bestehen in diesen Altersgruppen besondere Risiken, aber auch Erwachsene können rasch in einen Strudel an Problemen gezogen werden.

Anhand von Zahlen der Statistik Austria und des österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung kann festgestellt werden, dass die gesellschaftliche Durchdringung mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bereits sehr weit fortgeschritten ist. Mehr als ¾ aller österreichischen Haushalte und 96,9% der 14 bis 19 jährigen besitzen einen Internetzugang. Mehr als 90 % der Jugendlichen sind Mitglieder einer social community, was zu einer Veränderung der Kommunikationskultur geführt hat.
So werden etwa neue soziale Netzwerke wie „facebook“, „studivz“, „myspace“, etc. einerseits zur Kommunikation mit Freunden sowie zur Unterhaltung (etwa mit Computerspielen) und andererseits zur Selbstdarstellung genutzt.
Kommunikation findet folglich nicht mehr eingebettet in herkömmliche Alltagssituationen statt, sondern wird über das Medium Internet vollzogen. Alltagskommunikation von Jugendlichen wird so in die Datenmatrix des Internets eingespeist. Jugendliche, die gerade dabei sind, auf experimentellem Wege ihre Persönlichkeit zu entwickeln, machen somit häufig aufgrund einer naiven Freiwilligkeit persönliche Informationen für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit verschwimmen zunehmend. Problematisch in diesem Zusammenhang erscheint, dass vor allem bei Jugendlichen mögliche Konsequenzen einer inadäquaten Internetnutzung unzureichend bekannt sind (spätere Arbeitsplatzsuche, nicht löschbare Videos mit unvorteilhaftem Inhalt, etc.).
Dazu kommt, dass sich jene Generationen, die mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien aufgewachsen sind, Erwachsenen gegenüber sehen, die sich häufig nur eingeschränkte Fertigkeiten bezüglich der neuen Medien aneignen konnten. Das fehlende Wissen der Elterngeneration um die neuen Medien führt dazu, dass Kinder- und Jugendliche nicht im Sinne einer sorgsamen Erziehung in die Medienwelt eingeführt werden können. Somit sind Kinder und Jugendliche mit dem World Wide Web auf sich gestellt, was zu einer Überforderung führen kann. Diese Überforderung kommt maßgeblich durch eine unkontrollierte, exzessive oder unachtsame und allzu freigiebige Nutzung des Internets zum Ausdruck und kann auch in der Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung (Internetabhängigkeit, Onlinespielsucht) münden.

Worauf können Erwachsene, Eltern, PädagogInnen, etc. achten? Wie kann ein zielführender gemeinsamer Umgang mit der Thematik stattfinden? Einige Anregungen dazu:

  • Das Internet (Computer, Handy) sollte reale soziale Kontakte wie etwa das Treffen von FreundInnen, nicht ersetzen. Gegen eine sinnvolle Einbeziehung moderner Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten ist jedoch nichts einzuwenden.
  • Stellen Sie Regeln für die Nutzung von Handy, Computer und Internet auf.
  • Fragen Sie ihr Kind doch einmal, welche Anwendungen und Seiten es nutzt und lassen Sie sich diese als interessierte ZuhörerIn erklären.
  • Regen Sie den sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten (Fotos, Handynummer, Kontodaten, etc.) an.
  • Fragen Sie doch einmal nach den privacy-Einstellungen bei der Anwendung von facebook und versuchen Sie diese gemeinsam weiter zu erkunden.
  • Bedenken und diskutieren Sie, dass hinter Online-Kontakten oder vermeintlichen Freunden, ganz andere Personen als angegeben stecken können.
  • Surfen Sie selbst mal auf beispielsweise folgenden Seiten um weitere Informationen zur sinnvollen Nutzung von Neuen Medien zu erhalten:
    o www.saferinternet.at
    o www.feelok.at
    o www.handywissen.at
  • Beachten Sie, dass Neue Medien auch viele Möglichkeiten eröffnen und Chancen bieten. Darüber hinaus darf die Anwendung neuer Medien auch Freude und Spaß bereiten!

Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen hat die Fachstelle für Suchtprävention NÖ ein neues Projekt zum Thema Sucht und Neue Medien entwickelt. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt ein Problembewusstsein bezüglich Chancen und negativer Konsequenzen einer inadäquaten Internetnutzung vor allem bei Jugendlichen zu fördern. Darüber hinaus sollen Missverständnisse zwischen den unterschiedlich medien-versierten Generationen ausgeräumt werden. Denn viele Dinge, die für LehrerInnen und Eltern im Bereich Medienkonsum problematisch erscheinen, weisen nicht automatisch auf eine Suchterkrankung bei Jugendlichen hin. Es werden sowohl SchülerInnen als auch Eltern und LehrerInnen mittels methodischer Aufarbeitung an das Thema Internet, Chancen, Risiken und Sucht herangeführt. Es soll ein Nachdenkprozess über das eigene Internetnutzungsverhalten initiiert und hilfreiche Informationen zur sinnvollen Nutzung der neuen Medien angeboten werden.

Curriculum Vitae

Name: Markus Weißensteiner
Jahrgang: 1974
Familienstand: Lebensgemeinschaft, 1 Tochter, 1 Sohn
Diplomsozialarbeiter (Diplomarbeitsthema: Männliche Sozialisation, mögliche Schwierigkeiten dabei und Hilfsangebote)
Supervisor, Coach (Integrative Supervision - DonauUniversität Krems)
Trainer für Motivierende Gesprächsführung, Krisenintervention
Fachlicher Leiter der Abteilung Suchtvorbeugung der Fachstelle für Suchtvorbeugung, Koordination und Beratung

Kinderrechte und Erwachsenenbildung.
Haben diese zwei Begriffe etwas miteinander zu tun?
Gibt es gemeinsame Wurzeln oder eine andere Verbindung?
Oder sind sie streng getrennt zu betrachten?

Wenn Erwachsenenbildung als berufliche Weiterbildung gesehen wird, wie dies ein großer Teil der Anbieter im diesem Bereich tut, in dem Fertigkeiten, Sprachen, Management, Projektleitung usw. gelehrt werden, dann sind wir von "Kinderrechten" weit entfernt.

Kinderrechte und Erwachsenenbildung.
Haben diese zwei Begriffe etwas miteinander zu tun?
Gibt es gemeinsame Wurzeln oder eine andere Verbindung?
Oder sind sie streng getrennt zu betrachten?

Wenn Erwachsenenbildung als berufliche Weiterbildung gesehen wird, wie dies ein großer Teil der Anbieter im diesem Bereich tut, in dem Fertigkeiten, Sprachen, Management, Projektleitung usw. gelehrt werden, dann sind wir von "Kinderrechten" weit entfernt.

Ich möchte mich von der "allgemeinen Erwachsenenbildung" den "Kinderrechten" nähern.
Unter "allgemeiner Erwachsenenbildung" versteht man die Weiterbildung, die nicht primär zum beruflichen Weiterkommen dient.
Sie dient der Selbstentfaltung und der Selbstbehauptung der Einzelnen.

Unter "Selbstentfaltung" fällt alles, was nach der opligatorischen Grundschule zur Erweiterung und Vertiefung von Fähigkeiten und Fertigkeiten führt, unabhängig von einem bestimmten Zweck oder von einem unmittelbaren pekunären Nutzen.
Es geht um ein Lernen "für sich", etwa um eine private Aufgabe oder eine gesellschaftliche Funktion (Verantwortung als Eltern)besser wahrnehmen zu können.
Nicht unbedeutend ist dabei die reine Freude am Lernen.

In den letzten Jahren ist zur "Selbstentfaltung" auch die "Selbstbehauptung" gekommen.
Der "Selbstbehauptung" dient jener Teil der Erwachsenenbildung, der im Nachholen oder Auffrischen von Grungwissen besteht(Lesen, Schreiben, Rechnen, Computernutzung, zivilrechtliche Grund- kenntnisse). Dazu gehören auch Maßnahmen zur Integration von AusländerInnen sowie zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit.

Selbstentfaltung und Selbstbehauptung sind wichtige Grundpfeiler, um überhaupt über Kinderrechte sprechen zu können.

Das Wissen über die Entwicklung eines Kindes(auch schon vor der Geburt), der Austausch von Erfahrungen(ich bin mit meinen Problemen nicht allein)und das Wissen über meine Grenzen sind wichtige Vorraussetzungen für das Akzeptieren von Kinderrechten.

Dazu gehören auch das Beherrschen einer Sprache und das Verständnis für gesellschaftliche Umgangsformen.

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderrechten hat in einem hohen Ausmaß mit der Bildung von Erwachsenen zu tun, mit der Möglichkeit sich gegenseitig auszutauschen und mit einer breiten Diskussion in der Öffentlichkeit.
Und daher hat Erwachsenenbildung sehr viel mit Kinderrechten zu tun, und ist sind diese eng miteinander verbunden!

Mag. Helmut Haberfellner
Direktor des Bildungshauses St.Hippolyt und Vorsitzender des Forums Erwachsenenbildung NÖ

Mag. Helmut Haberfellner
Geboren am 5.9.1955 in Waidhofen/Ybbs, maturiert 1974 in Seitenstetten.
Studium der Fachtheologie in St. Pölten und Wien.
Ab 1981 Zentralsekrtär der Kath. Studierenden Jugend Österreichs
1983/84 Pastoralassistent in Weißenkirchen/Wachau
1984 -1986 Sekretär für Jugendpastoral in der Diözese St.Pölten(incl.
Zivildienst)
1986 - 1988 Geschäftsführer Kath. Bildungswerk St.Pölten Ab 1.1.1989 im Bildungshaus Konzession für Gastronomie und Hotel Diverse Weiterbildungen und Lehrgänge im Bereich Erwachsenenbildung

Sensibilisierung statt Tabuisierung

Die sieben wichtigsten Botschaften der Prävention gegen sexuelle Gewalt
Achte auf Deine Gefühle! Es ist wichtig angenehme von unangenehmen Gefühlen unterscheiden zu können und es ist gut darüber zu sprechen.
Es gibt gute Geheimnisse und schlechte Geheimnisse! Belastende Geheimnisse sollen weitererzählt werden.
Dein Körper gehört Dir! Über den eigenen Körper bestimmt jeder Mensch selbst.
Die Grenzen von Berührungen bestimmst Du! Unangenehme Berührungen dürfen und sollen zurückgewiesen werden.
Du darfst NEIN sagen! Respekt voreinander ist wichtig, dazu gehört es auch, den eigenen Wunsch und Willen zu zeigen.
Auch Erwachsene machen Fehler! Die Verantwortung für Gewaltausübung liegt bei den Erwachsenen und niemals ist die Schuld dafür bei Kindern zu suchen.
Du darfst darüber sprechen und Dir Hilfe holen! Das Erzählen von Problemen ist so lange notwendig, bis jemand richtig zuhört und hilft.

Sensibilisierung statt Tabuisierung

Die sieben wichtigsten Botschaften der Prävention gegen sexuelle Gewalt
Achte auf Deine Gefühle! Es ist wichtig angenehme von unangenehmen Gefühlen unterscheiden zu können und es ist gut darüber zu sprechen.
Es gibt gute Geheimnisse und schlechte Geheimnisse! Belastende Geheimnisse sollen weitererzählt werden.
Dein Körper gehört Dir! Über den eigenen Körper bestimmt jeder Mensch selbst.
Die Grenzen von Berührungen bestimmst Du! Unangenehme Berührungen dürfen und sollen zurückgewiesen werden.
Du darfst NEIN sagen! Respekt voreinander ist wichtig, dazu gehört es auch, den eigenen Wunsch und Willen zu zeigen.
Auch Erwachsene machen Fehler! Die Verantwortung für Gewaltausübung liegt bei den Erwachsenen und niemals ist die Schuld dafür bei Kindern zu suchen.
Du darfst darüber sprechen und Dir Hilfe holen! Das Erzählen von Problemen ist so lange notwendig, bis jemand richtig zuhört und hilft.

Die aktuelle Berichterstattung über Vorfälle psychischer und sexueller sowie körperlicher Gewalt zeigt die Notwendigkeit von Aufklärung und Prävention. Sexualisierte Gewalt findet immer in einem Abhängigkeitsverhältnis statt, deshalb ist es wichtig diese Bedingungen zu ändern, die Verantwortung dafür an die Erwachsenen zu geben und unsere Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.
Die möwe bietet daher seit einigen Jahren auch Präventionsprojekte für Schulen an.
Verantwortungsvolle Erwachsene dürfen das Thema nicht wegschieben. Hinschauen und Hinhören sind gefordert. Das Tabu, das Thema „sexuelle Gewalt“ als solche zu benennen, löst sich endlich auf – jetzt müssen wir dafür sensibilisieren und hilfreiche Antworten finden.

Wirksame kind- und altersgerechte Prävention braucht Ressourcen und vertrauensvolle Beziehungen und wir sind davon überzeugt, dass alle Erwachsenen, durch eine gewaltfreie Erziehungshaltung und einschlägige Information sehr viel tun können, um Kinder gut darauf vorzubereiten, wie sie im Fall auf schwierige, missbräuchliche oder auch gefährliche Situationen reagieren können. Langfristig können wir Kinder dadurch besser schützen!

Das Sprechen über sexuelle Gewalterfahrungen fällt Kindern und Jugendlichen so wie Erwachsenen, die früher solche Erlebnisse durchmachen mussten, sehr schwer, weil einerseits das Gebot der Geheimhaltung seitens der TäterInnen, aber auch strukturelle über die gesellschaftliche Tabuisierung aufrecht erhalten wird und andererseits - leider zu Recht - Angst vor den Folgen des Darüber-Sprechens hinderlich wirkt. Kindern wird oft nicht geglaubt, es wird bagatellisiert und es fehlen oft Ausdrucksmöglichkeiten um das Geschehene zu beschreiben.
Doch Kinder senden Signale und es gibt Reaktionen, die Hinweise auf Gewalterfahrungen geben, auch wenn es kein sogenanntes „Missbrauchssyndrom“ gibt.

Mögliche Symptome im Alltag, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen:
-) Klammern an Bezugsperson
-) Angst, alleine zu sein
-) Schlafstörungen und Angst alleine zu schlafen
-) plötzliche Verhaltensänderungen
-) Gewichtsschwankungen
-) Änderungen im Hygieneverhalten (z.B. häufiges Waschen)
-) Einnässen und Einkoten
-) Ablehnung von Zärtlichkeiten und Körperkontakt
-)Weglaufen von zu Hause
-) Erzählen sexueller Geschichten oder sexualisierte, nicht altersgemäße Ausdrucksweise und Körperdarstellung

Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch ist es wesentlich nicht in Panik zu verfallen und vorschnell zu reagieren, sondern mit Ruhe und Besonnenheit vor zu gehen. Selbst wenn das Kindeswohl unmittelbar gefährdet ist, bleibt es wichtig die Bedrohung möglichst konkret schildern und erfassen zu können, um auch das richtige Helfersystem (z.B. Spital oder Polizei) zu aktivieren. Überreaktionen und nicht durchdachtes Vorgehen kann zu weiteren Traumatisierungen und zum Weiterschweigen des betroffenen Kindes führen, wodurch eine Beendigung des Missbrauchs oft erschwert wird.

Wichtige zu beachtende Punkte bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch:
-) Zuerst für sich selbst Unterstützung holen, z.B. bei ExpertInnen, in Supervisionen, beim Jugendamt (Jugendwohlfahrtsbehörden) oder bei spezialisierten telefonischen oder online-Beratungsstellen und in Kinderschutzzentren.
-) Versuchen Sie dem Kind als Vertrauensperson zur Verfügung zu stehen.
-) Gedächtnisprotokolle über Aussagen und Verhaltensweisen des Kindes können für die weitere Betreuung des Kindes, aber auch für eine Anzeige und bei Gericht hilfreich sein.
-) Nicht vorschnell Eltern oder mögliche TäterInnen bei Verdacht konfrontieren, insbesondere wenn ein/e mögliche/r TäterIn im engsten Umfeld des Kindes zu vermuten ist! Der Druck des Täters kann dadurch verstärkt werden.
-) Eine polizeiliche Anzeige sollte wohlüberlegt und möglichst nach Beratung durch ExpertInnen bzw. im Rahmen psychosozialer und juristischer Prozessbegleitung erfolgen.
-) Die Erzählungen des Kindes sollten ernst genommen werden und niemals auch nur andeutungsweise Schuld und Verantwortung für das Geschehene auf das Kind geschoben werden.
-) Nur Versprechungen geben, die auch eingehalten werden können!
-) Beziehen sie das betroffene Kind/den betroffenen Jugendlichen in die Planung weiterer Schritte ein bzw. informieren sie es/ihn, wenn die Notwendigkeit besteht von außen Hilfe bei zu ziehen (z.B. bei einer Meldung an die JWF). Jugendliche sollten dabei möglichst mit entscheiden können.
-) Eine möglichst gut koordinierte Zusammenarbeit, die Wiederherstellung von Kinderschutz und die Vermeidung weiterer Traumatisierung des betroffenen Kindes sollten Ziele des Vorgehens sein.

Zur Verhinderung, dass sexuelle Gewalt in unserer Gesellschaft, ihren Institutionen und im familiären Umfeld weiter vorkommt, brauchen wir alle nicht nur Zivilcourage, sondern auch den Willen und die Verantwortung, die Dinge beim Namen zu nennen und im Sinne des Kinderschutzes gut zusammen zu arbeiten.

Mag.a Hedwig Wölfl
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin
Fachliche Leiterin der möwe Kinderschutzzentren; jahrelange Erfahrung als Klinische Psychologin im Spitalskontext; Lehrbeauftragte an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien, der Meduni Wien sowie an verschiedenen Psychotherapeutischen Propädeutika; Seminar- und Vortragstätigkeit; klinisch-psychologische und psychotherapeutische Praxis (Analytische Psychologie)

DIE PRAXIS DES URSPRÜNGLICHEN SPIELS
ist ein Sich-Berühren, Herumrollen, gehalten werden oder spielerisches Umwerfen und Auffangen auf
einem Mattenspielplatz. Der erwachsene „Spielgefährte“ sitzt auf dem Mattenfeld und die Kinder sitzen um den „Spielplatz“ herum. Das Spiel beginnt erst, wenn der Spielgefährte ein Kind zum Spielen einlädt und das Kind freiwillig diese Einladung annimmt. Dann kommt es auf die Matte und das Spiel beginnt nach den Regeln des Ursprünglichen Spiels. Die Kinder spielen ohne Vorgaben und drücken in den Bewegungen frei aus, was sie fühlen. Sie erleben, dass sie bedingungslos angenommen werden, dass sie nicht entsprechen müssen und daher auch nichts falsch machen können. Sie bewegen sich in einer angst-und aggressionsfreien Umgebung und erleben sich in völliger Sicherheit.

DIE PRAXIS DES URSPRÜNGLICHEN SPIELS
ist ein Sich-Berühren, Herumrollen, gehalten werden oder spielerisches Umwerfen und Auffangen auf
einem Mattenspielplatz. Der erwachsene „Spielgefährte“ sitzt auf dem Mattenfeld und die Kinder sitzen um den „Spielplatz“ herum. Das Spiel beginnt erst, wenn der Spielgefährte ein Kind zum Spielen einlädt und das Kind freiwillig diese Einladung annimmt. Dann kommt es auf die Matte und das Spiel beginnt nach den Regeln des Ursprünglichen Spiels. Die Kinder spielen ohne Vorgaben und drücken in den Bewegungen frei aus, was sie fühlen. Sie erleben, dass sie bedingungslos angenommen werden, dass sie nicht entsprechen müssen und daher auch nichts falsch machen können. Sie bewegen sich in einer angst-und aggressionsfreien Umgebung und erleben sich in völliger Sicherheit.

Diese Spielform lehrt die Kinder wesentliche Grundvoraussetzungen für offene und liebevolle Umgangsformen. Das hilft ihnen, die eigenen Grenzen und die der anderen Kinder zu erspüren und zu akzeptieren. Diese Erfahrungen werden sie auch in ihr Leben als erwachsene Persönlichkeiten mitnehmen und in ihrem Umfeld umsetzen.

URSPRÜNGLICHES SPIEL
Bei diesem Spiel geht es nicht um Verlieren oder Gewinnen, sondern um ein respektvolles miteinander. Das stärkt wiederum das Selbstwertgefühl. Ursprüngliches Spiel findet jenseits von Wettkampf statt und ist etwas, das in jedem Kind zu finden ist, bevor es kulturell initiiertes Spiel kennen lernt. Beim Spielen geht es um Sicherheit. Der Spielgefährte muss so gut sein, dass er in der Lage ist, sich selbst zu schützen und auch alle die, mit denen er spielt. Denn nur derjenige, der sich geschützt und in Sicherheit fühlt, hat keine Angst. Und ohne Angst gibt es keine Aggression und niemanden, der zum Opfer wird.
Niemandem wird wehgetan.Die Botschaft, die dem Kind dabei vermittelt wird ist: „du bist liebenswert”
und „du musst keine Angst haben”. Das gilt natürlich auch, wenn man mit sehr aggressiven Kindern spielt. Der Spielgefährte muss in jedem Moment in der Lage sein, einen Angriff in Liebe zu
verwandeln – ohne dass jemand Sieger oder Verlierer ist. Der physische Ausdruck dessen ist die Annahme des „Angriffs“ und die Umleitung der Energie, wobei das Kind stets mit offenen Händen gehalten und geschützt wird.

NEUE VERHALTENSMUSTER
Wenn wir als Erwachsene mit Kindern oder anderen spielen, dann dienen wir als Modell für ein neues
Verhalten, dass nichts mit Kämpfen oder Wettbewerb zu tun hat. Wenn wir spielen können, dann werden wir uns abgewöhnen, auf jeden Angriff mit unseren bekannten Mustern zu reagieren: mit Gegenangriff, Flucht oder Erstarrung. Wenn wir oft spielen, dann werden wir eine neue Gewohnheit etablieren, die diese alten Muster auslöscht. Diese Gewohnheit heißt „Ursprüngliches Spiel“ – eine
neue Alternative, die sich auf Liebe gründet und stärker ist als die Angst.
„Ursprüngliches Spiel ist der Mut, Freundlichkeit und Sicherheit in allen Situationen auszustrahlen.
Wenn ich spiele, dann achte ich nicht auf die unterschiedlichen Kategorien, die unsere Kultur kreiert hat – ein echter Spielgefährte strahlt Präsenz aus.“ Fred Donaldson


DIE PRAXIS DES URSPRÜNGLICHEN SPIELS
ist ein Sich-Berühren, Herumrollen, gehalten werden oder spielerisches Umwerfen und Auffangen auf
einem Mattenspielplatz. Der erwachsene „Spielgefährte“ sitzt auf dem Mattenfeld und die Kinder sitzen um den „Spielplatz“ herum. Das Spiel beginnt erst, wenn der Spielgefährte ein Kind zum Spielen einlädt und das Kind freiwillig diese Einladung annimmt. Dann kommt es auf die Matte und das Spiel beginnt nach den Regeln des Ursprünglichen Spiels. Die Kinder spielen ohne Vorgaben und drücken in den Bewegungen frei aus, was sie fühlen. Sie erleben, dass sie bedingungslos angenommen werden, dass sie nicht entsprechen müssen und daher auch nichts falsch machen können. Sie bewegen sich in einer angst-und aggressionsfreien Umgebung und erleben sich in völliger Sicherheit.
Diese Spielform lehrt die Kinder wesentliche Grundvoraussetzungen für offene und liebevolle Umgangsformen. Das hilft ihnen, die eigenen Grenzen und die der anderen Kinder zu erspüren und zu akzeptieren. Diese Erfahrungen werden sie auch in ihr Leben als erwachsene Persönlichkeiten mitnehmen und in ihrem Umfeld umsetzen.

SPIELEN IN SCHULEN
Warum ist es für eine Schule bedeutsam, wenn die Kinder und Lehrer ursprüngliches Spiel erfahren?
Kinder sind nur aufnahmefähig, wenn sie sich sicher fühlen, das heißt, wenn sie nicht damit beschäftigt sind, sich zu verteidigen, zu kämpfen, Angst zu haben oder bestimmte Situationen zu vermeiden. Beim Ursprünglichen Spiel lernen sie zu vertrauen, in sich selbst, in die anderen, ins Leben. Kinder – und auch LehrerInnen, die eine solche Sicherheit spüren, machen ihre Umgebung zu einem sicheren Ort. Zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält.

AKTUELLE STUDIEN
bekennen, dass 80% aller Schüler und Lehrer im Schulbetrieb mit Gewalt und Mobbing konfrontiert werden. Experten meinen dazu, dass ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl die Gewaltbereitschaft bei Schülern erheblich verringert, da alternative Umgangs- und Verhaltens - formen erkannt und umgesetzt werden können. Ursprüngliches Spiel leistet Besonderes für die aktive Schulpartnerschaft und für die Vermeidung bzw. Lösung von Konflikten. Es fördert den respektvollen Umgang miteinander sowie die Verantwortung füreinander.


ERFAHRUNGSBERICHTE VON LEHRERN
„Wir haben mit dem Ursprünglichen Spiel sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Aggressionen werden
umgelenkt. Den Kindern wird die Zeit gegeben, die sie brauchen, auch wenn es mehrere Einheiten dauert, bis sie sich aufs Spiel einlassen. Es macht den Kindern großen Spaß und motiviert sie zur Bewegung. Wir würden wünschen, dass das Spielen öfter stattfindet…”
„Unseren Kindern gefällt es sehr! Sie lieben es, in der Gruppe zu spielen und nehmen die Idee gut an.
Uns kommt es schon so vor, dass es die Kinder auch im Alltag schaffen, aggressionsfreier zu spielen.”

URSPRÜNGLICHES SPIEL AN IHRER SCHULE
Unverbindliche Anfragen für Ursprüngliches Spiel, stundenweise oder auch regelmäßig, richten Sie bitte an untenstehende Adresse. Zur Einführung ins Ursprüngliche Spiel bieten wir auch Workshops für Lehrer, Sozialpädagogen und alle anderen Menschen, die mit Kindern zu tun haben.

Ursprüngliches Spiel
Gabi Liesenfeld • Tel + 43 664 416 74 27
Markus Wenth • Tel + 43 660 550 1010
Mail: urspruenglichesspiel(at)aon.at
Termine & Infos: www.urspruengliches-spiel.at

Gabi Liesenfeld, 47, hat lange Zeit als Journalistin und Autorin für Radio und Fernsehen gearbeitet. Bis vor 5 Jahren betreute sie das pädagogische Magazin „Freigeist“, das von der Lernwerkstatt im Wasserschloss herausgegeben wird. Nach ihrer Ausbildung in der Tierkommunikation begann sie ihren Weg als Spielgefährtin und Übersetzerin der Seminare und Workshops von O. Fred Donaldson, der ihr Mentor wurde und den sie regelmäßig bei seinen Spielrunden in Kindergärten und Schulen begleitet hat. Seit 4 Jahren spielt sie in Schulen und Heilpädagogischen Einrichtungen in Niederösterreich und Wien mit Kindern, mit Pferden und mit Hunden und leitet Workshops für Erwachsene.

Die Eltern waren sehr besorgt, schon wieder war der Kleine in der Nacht zu ihnen ins Bett gekrochen, voller Angst vor dem Krokodil, das ins Kinderzimmer kommen wollte.
Alle Versuche, dem Kleinen zu erklären, dass es in Österreich kein Krokodil gäbe, und wenn, dass es ganz und gar undenkbar wäre, dass dieses in den 4. Stock klettern könne, brachten nicht die ersehnte Beruhigung.

Die Eltern waren sehr besorgt, schon wieder war der Kleine in der Nacht zu ihnen ins Bett gekrochen, voller Angst vor dem Krokodil, das ins Kinderzimmer kommen wollte.
Alle Versuche, dem Kleinen zu erklären, dass es in Österreich kein Krokodil gäbe, und wenn, dass es ganz und gar undenkbar wäre, dass dieses in den 4. Stock klettern könne, brachten nicht die ersehnte Beruhigung.
So wurde beschlossen, mit dem Kleinen einen Psychotherapeuten zu besuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Der Psychotherapeut hörte sich die Geschichte an. Schließlich fragte er den Kleinen, was er denn bräuchte. Ohne lange zu überlegen antwortete der Junge, dass er einen dicken Knüppel aus Holz unter seinem Bett wolle, um sich verteidigen zu können.
Tortz großem Zweifel über die Kompetenz des Therapeuten ging der Vater am nächsten Tag dennoch tapfer mit seinem Sohn in den Wald, um den Knüppel zu holen. Der Knüppel wurde unter das Bett gelegt und siehe da, das Problem mit dem Krokodil war erledigt.

Es fällt uns Erwachsenen oft schwer, die „magische“ Welt unserer Kinder zu verstehen und zu begleiten. Wir spüren den Drang, unsere Kids rechtzeitig auf ein rational erklärbares Weltbild vorzubereiten, um sie lebensfähig und konkurrenzfähig zu machen in einer Welt, wo die Bäume eben nicht sprechen, die Tiere, abgesehen von Hunden und Katzen, maximal als Nahrungsmittel, aber keinesfalls als beseelt gelten, und Spiritualität (wenn das schon sein muss) nur in den verordneten und geregelten Bahnen einer traditionellen Religionsideologie stattfinden darf.

Märchen, vor allem die der Brüder Grimm, sprengen die Eindimensionalität logisch kausaler Rationalität. Fast schon anarchisch, in jedem Fall aber hochgradig unwissenschaftlich wird alles verdreht, was man allgemein für „richtig“ hält.
Da steigt die Goldmarie in einen Brunnen hinab, um auf die Wiese der Frau Holle zu gelangen, da sprechen ein Backofen und ein Apfelbaum und dann fällt auch noch Schnee aus den geschüttelten Kissen auf die Erde herab, und anstatt in der gesicherten Nähe der Frau Holle zu bleiben, will das Mädchen zurück ins Elend...

Wir haben uns daran gewöhnt, uns mit diesen Märchen aus der Perspektive einer kindischen Folklore zu arrangieren und freuen uns, wenn wir, vermeintlich richtig, zumindest ein paar pädagogisch relevante Impulse ableiten können. So zum Beispiel beim Märchen der Frau Holle, dass die Tüchtigen und Fleißigen belohnt werden. Das Bild der faulen Pechmarie, die am Ende bestraft wird, freut eine Gesellschaft, die den Wert eines Menschen an seiner Leistungsfähigkeit gerne und gut zu definieren gelernt hat.

Genau so aber wird der unglaubliche Schatz dieser Märchen nicht gehoben, sondern verschüttet und vergraben. Zur Beruhigung einer Gesellschaft, der Unberechenbarkeit und Emotionen suspekt und abwegig gelten und die erst mühsam wieder lernen muss, dass Märchen und Mythen Relevantes von uns Menschen zu erzählen haben, das nicht unbedingt, zum Beispiel mathematisch darstellbar ist.
Zum Schaden der Kinder, die zumindest vor der Pubertät im erstaunlichen Ausmaß in der Lage wären, die Welt, die sie umgibt, auch abseits des rationalen Weltbildes sinnstiftend zu erfassen.

Fragen uns unsere Kleinen, warum die Sonne scheint, versuchen wir all das Wissen aus dem längst vergangenen Physikunterricht zu kramen: Kernfusion, Millionen von Grade.... unserer gerade 3 Jahre alt gewordenen Gesprächspartnerin würde die Antwort: „damit du es warm hast und dich freust“ völlig schlüssig und befriedigend reichen. Wir aber hätten bei dieser Antwort bereits mit dem aufkeimenden schlechten Gewissen zu kämpfen, dass wir nicht rechtzeitig mit dem richtigen Bildungsweg begonnen hätten.

Kinder sind in der Lage, Geschichten, Gedanken und Bilder derart intensiv mit zu leben, dass die Grenzen kritischer Distanz oft völlig verschwinden. Wir versuchen, sie an diesem Punkt mit unserem Realitätsprinzip zu „retten“, relativieren bis ins lächerlich Machen ihre Gefühle und leben den Kindern damit indirekt vor, dass Mitgefühl, Einfühlsamkeit, das „Sich Einlassen“, Emotionen und das Erfassen von Erkenntnis abseits der Rationalität, gefährlich oder zumindest absurd und unerwünscht sind.

Wie denn würde unsere Welt aussehen, wenn wir ausreichend in der Lage wären, zum Beispiel Mitgefühl als vollwertige Charaktereigenschaft zu leben? Wäre es dann denkbar, ein Kind bei Nacht und Nebel aus dem Schlaf zu reißen, um es abzuschieben in ein Land, das ihm fremd ist, nur weil seine Eltern geltendes Asylrecht gebrochen haben?

Die Erziehung zur Relativierung der Gefühle, der emotionalen Empathie zugunsten einer rationalen Abgeklärtheit ist gleichzusetzen mit der Erziehung zur Grausamkeit.

Anders aber, wenn es gelingt Geschichten zu erzählen, und zum Beispiel als Theaterstück auf die Bühne für Kinder zu stellen, in denen die Fähigkeit der Kinder sich ganz und gar einzufühlen, gefördert und begleitet wird.

In unserem Musiktheater „Anna und der Wolf“ erzählen wir die Geschichte von Anna, die von ihrer „Freundin“ gemobbt wird und vom Leistungsdruck bis in die Depression hinein gedrängt, keine Perspektive mehr sehen kann für den nächsten Morgen. Sie schläft ein, in der Hand ihren letzten Trostanker, einen Stoffwolf, der den Eltern schon längst ein peinliches Ärgernis ist.
Plötzlich ist der Wolf lebendig, kann reden, singen und tanzen. Nachdem Anna sichergestellt hat, dass dieser Wolf tatsächlich „ihr“ Wolferl ist, will sie unbedingt mit ihm in den Märchenwald gehen. Der Wolf, der aus dem Märchenwald geflohen ist, weil ihn der Oberjägermeister, zu Unrecht, wie sich bald herausstellt, für alle Missetaten in den Märchen zur Verantwortung ziehen will, willigt ein, und die beiden machen sich auf den Weg.
Im Märchenwald angekommen, begegnen sie Protagonisten aus dem Grimmschen Märchenschatz, dem Froschkönig, dem Aschenputtel, dem 7. Geißlein und dem Rumpelstilzchen deren jeweilige Probleme viel mit Annas eigenen Problemen gemeinsam haben. Es gelingt dem Mädchen im Märchenwald, vor allem durch die helfende Beziehung mit „ihrem“ Wolf, Schritte aus den Sackgassen ihrer Ängste zu setzen.

Die Erfahrung aus vielen Aufführungen dieses Theaterstückes zeigt, dass die Kinder das Geschehen emotional empathisch bis in die kleinste Zehenspitze begleiten. So erleben sie zum Beispiel mit dem Froschkönig, wie es ist, wenn ausgeschlossen oder ausgespottet wird - und sie gehen mit Anna den ersten Schritt zur entschlossenen Selbstverständlichkeit, dass, wenn nur die besten Vöglein im Wald singen dürften, es verdammt ruhig wäre auf der Welt.
Die Kinder erleben in ihrer Sympathie für den Wolf, was es heißt, wenn man für Taten beschuldigt wird, die man gar nicht gemacht hat - und wie das gut gehen kann, wenn man sich ausspricht und entschuldigt.

Dem dogmatisch, moralisierendem „du darfst nicht, oder: du sollst nicht" stellen wir eine Pädagogik der Empathie gegenüber. Per Identifikation mit dem Gegenüber wird nachvollziehbar, warum zum Beispiel das Verspotten von Mitschülern, die etwas nicht so gut können, so furchtbar ist für diese.

Wenn wir Menschen imstande sind, unser Verhalten grundlegend zu überdenken und zu verändern, so funktioniert das selten durch die Furcht vor der angedrohten Strafe, sondern eigentlich hauptsächlich, dann aber nachhaltig, durch das erlebende Erkennen der Tragik dessen, was wir anrichten, oder angerichtet haben.

Wenn es gelingt, mit den Kindern einzutauchen in die Welt der Märchen und Geschichten, die sie auch selber erzählen und erfinden, ohne dabei allzu voreilig die Reißleine der Rationalität zu ziehen, stärken wir ihre Lebenskompetenz.
Eine Pädagogik, die emphatisches Erleben als Entscheidungshintergrund für soziales Handeln fördert, Emotionen ernst nimmt und nicht sanktioniert, entwickelt mehr Selbstständigkeit und Mündigkeit als eine, die soziales Handeln per Gesetz verordnet.
Rein rational gedacht ist nämlich soziales Handeln, wie zum Beispiel Gewaltverzicht, vor dem Hintergrund evolutionärer Selektionsprinzipien, schwer erklärbar.

Märchen erzählen über uns Menschen, sie in der Seele klingen zu lassen, sich auf sie einzulassen gibt uns die Möglichkeit, die Grenzen einer rationalistischen Engführung im Umgang mit uns selbst und der Welt aufzubrechen.

Wenn es dann noch positive Bilder, Gedanken und Perspektiven gibt, wird ein Stück weit möglich, die Spirale der Gewalt zu brechen:

Der Frosch wird in den Brunnen springen, Aschenputtel wird den Tanz mit dem
Prinzen wagen, das 7. Geißlein wird sich von seiner Angst befreien, der Wolf wird
Anna vor dem Rumpelstilzchen beschützen und seine Freundschaft mit Anna wird
durch das böse Ressentiment des Oberjägermeisters nicht Schaden nehmen.
Anna wird nicht alle ihre Probleme lösen, aber den ersten Schritt in eine Zukunft
wagen, auf die sie sich auch freuen kann.

Christoph Rabl
:)(
Geb. 1968 in Wien.

Berufliche Stationen:
Nach AHS Matura Studium der Theologie und Leibeserziehung bis Ende des 2. Studienabschnittes
10 Jahre Ausbildung für klassisches Klavier an der Musikschule Wien
Lehrer am SPZ Hohe Warte
Seit 1997 selbständiger Musiker, Schauspieler, Autor, Tontechniker und Tonstudiobetreiber in Herzogenburg/ NÖ


Musikalische Stationen:
Musiker, Komponist und Produzent in der christlichen Liedermacherszene
Seit 1997: Sieberer Rabl & Company - Pädagogisches Kinder & Jugend Musiktheater
Seit 2004: eigene Theatergruppe und Kulturplattform: Traumfänger
Musiker beim Instrumentalensemble Traumfänger


Referenzen:
Seit 1995: ca. 2.500 Auftritte im Bereich Kinder & Jugend Musiktheater
(für ca. ½ Million Kinder)

Kooperationen ua. mit:
* allen Kinder & Jugend Anwaltschaften Österreichs
* verschiedenen Abteilungen der NÖ Landesregierung (zB. Abt Forstwirtschaft - Waldjugendspiele)
* Fachstellen für Suchtprävention (NÖ, OÖ, Sbg)
* Akzente Salzburg
* Brandner Schifffahrt
* Festspielhaus St. Pölten / NÖ Landesmuseum: KIJUBU
* Anbieter im Bereich Kinder Entertainment: zB. Mogiland Wels
* WienXtra Ferienspiel
und viele mehr...

Persönliches Motto: Volle Kraft voraus

Links:
Website: www.traumfaenger.co.at
Youtubekanal: DieTraumfaenger
Facebook: Kulturplattform Traumfänger

Im Alltag treffen wir immer wieder mit Hunden zusammen. Bei machen Menschen löst ein solches Zusammentreffen Unsicherheit und zum Teil sogar Angst aus.

Es gibt einige wichtige Regeln, die wir Menschen beim Kontakt mit fremden Hunden berücksichtigen müssen. Halten wir uns an diese Regeln, können von vornherein viele problematische Situationen vermieden werden.

Frau Dr. Cordula König, die in Niederösterreich eine tierärztliche Praxis mit Verhaltenstherapie betreibt und kürzlich bei einer Fachtagung mit dem Thema „Gefährliche Hunde – was tun?“ vorgetragen hat, hat auf ihrer Homepage (www.tier-verhaltensprobleme.at) unter anderem viel Interessantes und Praktisches zum Thema Begegnung mit fremden Hunden zusammengestellt. Die wichtigsten Punkte zu diesem Thema möchte ich Ihnen gerne im Folgenden näher bringen.

Im Alltag treffen wir immer wieder mit Hunden zusammen. Bei machen Menschen löst ein solches Zusammentreffen Unsicherheit und zum Teil sogar Angst aus.

Es gibt einige wichtige Regeln, die wir Menschen beim Kontakt mit fremden Hunden berücksichtigen müssen. Halten wir uns an diese Regeln, können von vornherein viele problematische Situationen vermieden werden.

Frau Dr. Cordula König, die in Niederösterreich eine tierärztliche Praxis mit Verhaltenstherapie betreibt und kürzlich bei einer Fachtagung mit dem Thema „Gefährliche Hunde – was tun?“ vorgetragen hat, hat auf ihrer Homepage (www.tier-verhaltensprobleme.at) unter anderem viel Interessantes und Praktisches zum Thema Begegnung mit fremden Hunden zusammengestellt. Die wichtigsten Punkte zu diesem Thema möchte ich Ihnen gerne im Folgenden näher bringen.

Kontaktaufnahme zu fremden Hunden

Häufige Fehler:

  • Direktes rasches Zugehen auf einen fremden Hund
  • Anstarren des Hundes
  • Sich über den Hund beugen
  • Über den Hund gebeugt Kopf und/oder Rücken des Tieres streicheln

Wenn wir so eine Begegnung mit einem Hund beginnen, treten wir ziemlich ins Fettnäpfchen. Ähnlich wie wir haben nämlich auch Hunde Verhaltensregeln, wie man sich höflich begrüßt.
Ein rasches, direktes Zugehen kann vom Hund leicht als Bedrohung missverstanden werden.

Die Gewichtsverlagerung nach vorn und das Auflegen von Kopf oder Pfote auf den Rücken des anderen Hundes sind in der hundlichen Kommunikation Gesten der Überlegenheit, d.h. wir benehmen uns wie ein ranghohes Individuum, wenn wir uns über den Hund beugen und ihn streicheln. Auf ein solches Verhalten kann ein Hund mit Abwehr bis hin zu Aggression regieren.

So ist es richtig:

  • Fragen Sie den Besitzer, ob sein Hund es mag, begrüßt und gestreichelt zu werden.
  • Gehen sie nicht direkt auf einen fremden Hund zu, um ihn zu streicheln, sondern gehen Sie so in die Hocke, dass der Hund ihr „Profil“, Sie also von der Seite sieht.
  • Wenn der Hund auf Sie zukommt, strecken Sie nicht die hand nach ihm aus. Er könnte dies als eine Bedrohung empfinden.
  • Lassen Sie dem Hund Zeit, Sie zu beschnuppern. Wenn er von sich aus geht, erzwingen Sie keinen weiteren Kontakt.

Begegnungen zwischen Hunden und Kindern

1. Machen Sie Ihr Kind mit den Grundregeln vertraut, wie man sich einem fremden Hund nähert.

2. Legen Sie die Spielregeln fest und bleiben Sie dabei, damit Sie das Spiel beenden können, bevor es zu wild wird. Geeignet für Kinder sind Apportierspiele mit Hunden oder die Durchführung von kleinen Kunststücken, für die der Hund mit einem Leckerli belohnt werden kann. Ungeeignet dagegen sind alle Fang-, Zerr-, und Raufspiele, da diese zu leicht außer Kontrolle geraten können.

3. Erklären Sie Ihrem Kind, dass nicht jeder Hund gern mit Kindern spielt bzw. dass auch ein Hund manchmal keine Lust zu spielen hat.

4. Wenn möglich, wird ein Hund normalerweise versuchen, dem Kind auszuweichen, wenn er den Kontakt vermeiden will. Deshalb darf ein Kind nicht versuchen, einen Hund, der davonläuft, festzuhalten, ihm nachlaufen oder ihn gar in die Enge treiben.

5. Zieht sich ein Hund deutlich zurück, etwa in sein Körbchen oder unter einen Tisch, eine Sitzbank oder Ähnliches, dann heißt das: „Lass mich in Ruhe“, und das muss unbedingt respektiert werden.

6. Ebenso muss ein Kind lernen, dass es einen Hund weder beim Fressen stören noch sein Spielzeug wegnehmen darf.

7. Lassen Sie Ihr Kind niemals – auch nicht mit einem bekannten oder dem eigenen Hund – unbeaufsichtigt! Das Kind könnte ihm unbewollt Schmerzen zufügen, es könnte schreien, davonrennen oder plötzlich stürzen. Jede dieser Situationen kann im Hund angeborene Verhaltensweisen wie Abwehrschnappen oder Jagdverhalten auslösen.

Hund und ängstliche Menschen

Oftmals hört man von Menschen, die sich vor Hunden fürchten, dass der Hund ihre Angst förmlich zu riechen scheint und dass selbst ein Hund, der anderen Personen gegenüber friedlich ist, anfängt zu knurren, wenn sie diesem Hund begegnen. Diese Ursache hierfür liegt häufig in dem Verhalten der ängstlichen Person: Als Menschen neigen wir dazu, das Subjekt oder Objekt für die Ursache unserer Angst nicht aus den Augen zu lassen. Das Anstarren empfinden Hunde jedoch als Bedrohung, auf die sie, insbesondere, wenn sie an der Leine sind und sich nicht zurückziehen können, eventuell mit einer Gegendrohung reagieren.

So ist es richtig:

1. Sollten Sie einem Hund an der Leine begegnen, so tun Sie so, als sähen Sie ihn nicht. Damit vermeiden Sie, den Hund ungewollt zu bedrohen.

2. Haben Sie große Angst, etwa weil Sie bereits unangenehme Erfahrungen mit dem Hund gemacht haben, dann wechseln Sie rechtzeitig, ruhig und beiläufig wie möglich die Straßenseite.

3. Begegnen Sie einem frei laufenden Hund, der auf Sie zuläuft, so rennen Sie keinesfalls davon. Hetzen und Jagen gehören zu natürlichen Verhaltensrepertoire eines Hundes. Sie könnten den Hund durch das Davonlaufen ungewollt dazu auffordern, Sie zu verfolgen. Gehen Sie stattdessen ruhig weiter, ohne den Hund anzusehen oder anzusprechen. So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Hund Ihnen keine Beachtung schenken wird.

4. Beginnen Sie keinesfalls eine lautstarke Diskussion mit dem Besitzer des Hundes, da dies vom Hund als Bedrohung seines Rudels empfunden und mit Verteidigungsverhalten beantwortet werden könnte.

Dr. Lucia Giefing
9. 11. 1966, Wiener Neustadt

Matura am wirtschaftskundlichen Bundesrealgymnasium in Wr. Neustadt. Studium an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Während des Studiums Praktika in tierärztlichen Praxen in Alberta und Manitoba (Kanada) sowie mehrmalige Betreuung einer Schafherde während der „Ablammsaison“ in Northumberland (England).
Nach Abschluss des Studiums: Tätigkeit als praktische Tierärztin in Oberösterreich und Niederösterreich. Danach Amtstierärztin beim Amt der NÖ Landesregierung und seit 1. Jänner 2005 Tierschutzombudsfrau des Landes NÖ.

Aufgaben des Tierschutzombudsmannes
Der Tierschutzombudsmann hat die Aufgabe, die Interessen des Tierschutzes zu vertreten und unterliegt in Ausübung seines Amtes keinen Weisungen. Er hat in Verwaltungsverfahren nach dem Tierschutzgesetz Parteistellung und ist berechtigt in alle Verfahrensakten Einsicht zu nehmen, sowie alle einschlägigen Auskünfte zu verlangen. Die Behörden haben den Tierschutzombudsmann bei der Ausübung seines Amtes zu unterstützen.

Von Mobbing wird dann gesprochen, wenn Gewalt gegen eine Person oder eine Personengruppe systematisch, wiederholt und über einen längeren Zeitraum ausgeübt wird. Dabei liegt eine Schädigungsabsicht vor.
Als Gewalt werden nicht nur körperliche Angriffe (physische Gewalt) bezeichnet sondern auch Angriffe auf die Psyche (psychische Gewalt) fallen in diese Kategorie (Beleidigen, Verspotten, Beschimpfen, Ausgrenzen, …).
Durch die Nutzung der neuen Medien entstand eine neue Form des Mobbings, das sogenannte Cyber-Bullying. Dazu gehört die Bedrohung mittels SMS, Verunglimpfungen im Chat-Room oder das Veröffentlichen von peinlichen Filmen etwa auf you tube.
Mobbing hinterlässt beim Opfer deutliche Spuren. Erste Anzeichen finden sich zumeist im Verlust des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten. Durch die ständigen Belastungen kommt es zum Nachlassen der Leistungsfähigkeit, zum zunehmenden Rückzug von sozialen Kontakten und oft zu psychosomatischen Störungen wie Nervosität, Schlafstörungen, Bauch- und Kopfschmerzen.
Der erste Schritt gegen Mobbing ist das Problem wahrzunehmen und nicht als „Kinderei“ abzutun. In Schulklassen liegen oft gruppendynamische Aspekte und eine gestörte Kommunikation dem Problem zugrunde. Diese müssen so rasch wie möglich bearbeitet und verbessert werden, da es sonst sowohl für das Mobbing-Opfer als auch für das Klassenklima zu schwerwiegenden Folgen kommen kann.
Aufklärung und klare Stellungnahmen gegen Gewalt und Mobbing liegen allen Maßnahmen zugrunde. Unterstützung der Opfer aber auch der Täter bei Entwicklung neuer Kommunikationsformen ist notwendig, jedoch dürfen die Maßnahmen nicht nur auf diesen engen Kreis beschränkt bleiben, da jeder vom Mobbing in einer Klasse betroffen ist und sei es nur als Zuschauer.
Bei Mobbing im schulischen Bereich stehen die Schulpsychologen und Schulpsychologinnen Niederösterreichs Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern und Lehrpersonen beratend zur Seite. Die Adressen und Telefonnummern der schulpsychologischen Beratungsstellen der einzelnen Bezirke können auf der Homepage der Schulpsychologie-Bildungsberatung Niederösterreichs gefunden werden (http://schulpsychologie.lsr-noe.gv.at). Außerdem steht die Schulpsychologische Telefonberatung unter der Telefonnummer 02742/280-3333 während der Schulzeit Montag, Dienstag, Donnerstag von 10.00-14.00 Uhr und am Mittwoch von 10.00-16.00 Uhr für anonyme und vertrauliche Auskünfte und Beratung zur Verfügung.

Nicht nur für die Schule lernen wir: Gewaltprävention in der Schule

Gewalt ist derzeit ein sehr aktuelles Thema, wobei allerdings deutlich zwischen tatsächlich auftretenden gewalttätigen Zwischenfällen und der von den Medien angeheizten öffentlichen Diskussion unterschieden werden muss. Am Beginn von Überlegungen sollte stets eine Klärung der Begriffe stehen, d.h. was wird eigentlich unter Gewalt verstanden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gewalt als den absichtlichen Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem Zwang oder Macht gegen eine Person, eine Gruppe oder eine Gemeinschaft, die entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklungen oder Deprivation führt. Dies bedeutet, dass ein wesentlicher Punkt der absichtliche Gebrauch von Gewalt ist. Damit kann also nicht von den Folgen eines Verhaltens (blaue Flecken, blutende Nasen,...) unmittelbar darauf geschlossen werden, dass hier Gewalt im Spiel war, denn es könnte sich um unbeabsichtigte Folgen z.B. im Rahmen von Unfällen handeln.
Gewalt und ihre Folgen sind ein hoch emotionales Thema, und diese emotionale Beteiligung macht eine genaue und objektive Auseinandersetzung mit der Problematik sehr schwer. Allerdings besteht die Gefahr, dass bei ungenauer Analyse der tatsächlichen Vorfälle die Lösungsvorschläge selbst wieder eine Gewaltanwendung darstellen, und damit beginnt oftmals die so genannte Gewaltspirale.
Johan Galtung, der für seine Friedensarbeit unter anderem den Alternativnobelpreis zugesprochen bekam, spricht vom Dreieck der Gewalt. Wie bei einem Eisberg ist nur ein Teil der Gewalt für die Öffentlichkeit deutlich sichtbar, der größere Teil bleibt unter der Oberfläche verborgen. Unter dieser Wahrnehmungsgrenze finden sich die Bereiche der strukturellen und kulturellen Gewalt. Dabei handelt es sich um Gewalt, die in der Kultur einer Gemeinschaft implizit eingebettet ist, wie z.B. der Ausschluss von Teilen dieser Gemeinschaft von der vollen Teilhabe im sozialen Verband, die Verweigerung des gleichen Schutzes für alle oder die Abwertung von Gruppen. Derartige Phänomene stellen die Basis für die so genannte personale Gewalt dar, d.h. die Gewalt, die dann für alle sichtbar wird z.B. in körperlich aggressiven Konfliktlösungen. Die Arbeit an der Oberfläche ist dann oft nicht von Erfolg gekrönt, so lange die tiefer liegenden Aspekte nicht mit berücksichtigt und geklärt werden.

Gewalt in der Schule
Es sei darauf hingewiesen, dass die Schule nicht ein besonders gewalttätiger Lebensbereich der Kinder und Jugendlichen ist, sondern dass sich hier eine Spiegelung von allgemein gesellschaftlichen Entwicklungen wieder findet. Folglich können „schulische Gewaltformen“ in allen sozialen Gemeinschaften, von der Familie bis zur großen Gemeinschaft von Ortschaften und Staaten, vorgefunden werden.
Gewalt kann als
- körperlicher Zwang und physische Schädigung (Bedrohen mit Schlägen, Androhung von Waffengewalt, Schlagen, Beißen,...)
- verbale Attacken und psychische Schädigung (Verspotten, Beschimpfen, Anschreien, Verbreiten von Gerüchten, ....)
- oder in der systematischen Form als Mobbing auftreten.

Schulische Gewaltprävention
Gewalt ist kein österreichisches Problem, sondern es wird weltweit versucht, ihr durch Präventionsprogramme vorzubeugen. Leider gibt es jedoch bei den meisten Maßnahmen nur unzureichende Evaluationen bzw. wird sehr selten überprüft, ob es auch langfristig zu Verhaltensänderungen kommt.

Im Rahmen einer Metastudie des Centers for the Study and Prevention of Violence der Universität Colorado / USA konnten Programme zur Gewaltprävention, die teilweise weltweit durchgeführt wurden, hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit eingeschätzt werden. Dabei wurden einige Programme, die oft von der Öffentlichkeit als sinnvoll gesehen werden, als nicht zielführend und manchmal sogar als schädlich entlarvt.

In diese Kategorie fallen alle jene Programme, die auf Abschreckung basieren, wie etwa Umerziehungslager in der Wildnis, hoch emotionale Besuche im Gefängnis oder Jugendarrest für Bagatelldelikte. Auch wenn die Teilnehmer unmittelbar nach dem Programm angeben, dass sie ab jetzt Gewalt meiden würden, zeigten langfristige Überprüfungen, dass die Rückfallquote bei den Jugendlichen, die am Programm teilnahmen, höher war als in der Kontrollgruppe.
Aber auch Einzelmaßnahmen wie ein einmaliger Besuch von Theatervorstellungen oder Vorträgen zum Thema zeigen keinen langfristigen Erfolg und können sich vor allem dann eher negativ auswirken, wenn durch die Durchführung eines derartigen Programms umfassendere Maßnahmen für die Schule nicht mehr durchgeführt werden.

Als nachhaltig effektiv hat sich dagegen eine Kombination von Organisationsentwicklung in der Schule, Maßnahmen zur Förderung von Kommunikation und Stärkung eindeutiger und anhaltender Normen und der Vermittlung von sozialen Kompetenzen im Bereich der Stressbewältigung und Problemlösung erwiesen.
Damit sich eine Schule auf ein derartig umfangreiches Programm einlassen kann, bedarf es einiger Voraussetzungen:
Zum einen geht es um die Entwicklung von Problembewusstsein, d.h. die verschiedenen Formen von Gewalt müssen an der Schule erkannt werden, zum anderen sollte ein hohes Maß an Betroffenheit gegeben sein, d.h. Lehrkörper und auch Eltern müssen eine Veränderung anstreben.
Es sollte bei aller Befragung von Experten nicht darauf vergessen werden, dass eine möglichst hohe Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei der Programmentwicklung und –einführung einen weiteren wichtigen Faktor für den Erfolg darstellt.

Gewalt entsteht in vielen Fällen aus Konfliktsituationen heraus, wenn einem oder mehreren Konfliktpartnern keine anderen Lösungsstrategien mehr zur Verfügung stehen. Daher ist gerade eine Erweiterung der Kompetenzen im Umgang mit sozial schwierigen Situationen ein wesentlicher Schritt in der Vermeidung von gewalttätigen Eskalationen. Wo können Kinder und Jugendliche derartige Strategien erlernen? Dies kann natürlich in Trainingsprogrammen im schulischen Bereich erfolgen, aber einen Großteil unserer sozialen Kompetenzen erwerben wir alle im alltäglichen Umgang miteinander und aus der Beobachtung von Eltern und anderen für uns wichtigen Personen. So wird der Alltag zum Lernfeld und jeder zum Lehrer und zum Modell für den Umgang mit Konflikten.
Man könnte also sagen, dass wir in unserer Rolle als Vorbild für Kinder und Jugendliche entweder ein Teil des Problems sind, wenn wir unsere Konflikte mit Gewalt lösen, oder ein Teil der Lösung, wenn wir friedliche Wege finden. Wir haben die Wahl!

Vortrag DDr. Richter anlässlich Implementierung der Fachstelle für Gewaltprävention 2009

HR DDr. Andrea Richter
Studium der Psychologie, Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien, seit 1984 Schulpsychologin in Niederösterreich, seit 2003 Leiterin der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung im Landesschulrat für Niederösterreich

Um bei Bewerbungen in einem positiven Licht zu stehen, ist oft schon der erste Eindruck entscheidend. Die sogenannten Soft Skills spielen dabei eine wichtige Rolle. Gutes Benehmen ist immer gefragt.
Alle Personalchefs sehen schon nach dem ersten Gespräch, wie sie die Bewerber einschätzen sollen.

• Sauberes Erscheinungsbild: Mit sauberer Kleidung, die auch modisch sein kann, wird ein guter erster Eindruck erreicht. Auch die Frisur gibt Aufschluss über die Einstellung. Auf alle Fälle sollten Piercings vermieden werden. Eine Nadel oder ein Ringerl kann schon ein Hinderungsgrund für die Aufnahme in ein Unternehmen sein. Bei Bewerbungen ist es sicher nicht hilfreich, wenn Kopfbedeckungen getragen werden.

Um bei Bewerbungen in einem positiven Licht zu stehen, ist oft schon der erste Eindruck entscheidend. Die sogenannten Soft Skills spielen dabei eine wichtige Rolle. Gutes Benehmen ist immer gefragt.
Alle Personalchefs sehen schon nach dem ersten Gespräch, wie sie die Bewerber einschätzen sollen.

  • Sauberes Erscheinungsbild: Mit sauberer Kleidung, die auch modisch sein kann, wird ein guter erster Eindruck erreicht. Auch die Frisur gibt Aufschluss über die Einstellung. Auf alle Fälle sollten Piercings vermieden werden. Eine Nadel oder ein Ringerl kann schon ein Hinderungsgrund für die Aufnahme in ein Unternehmen sein. Bei Bewerbungen ist es sicher nicht hilfreich, wenn Kopfbedeckungen getragen werden.
  • Gutes Benehmen ist immer gefragt. Mit einfachen Benimmregeln kann viel erreicht werden. Der wichtigste Punkt ist das Grüßen. „Grüßen öffnet Tore“.
  • Körperhaltung: Bei Bewerbungen kommt es auch sehr auf die Körpersprache an, ob der Bewerber einen positiven Eindruck hinterlässt.
  • Aufmerksames Zuhören: Bei Gesprächen muss auch immer auf den Gesprächspartner eingegangen werden. Das eigene Mitteilungsbedürfnis sollte gezügelt werden. Dazu gehört auch Ehrlichkeit bezüglich der eigenen Aussagen.
  • Sprache: Wichtig ist dabei ein mittleres Sprechtempo mit einer entsprechenden Sprachmelodie. Eine klare Artikulation und Sprechpausen Pausen sind durchaus günstig. Lange, verschachtelte Sätze sollen vermieden werden.
  • Pünktlichkeit: Gerade bei ersten Gesprächen sollte man immer eher überpünktlich sein, also dem Gesprächspartner etwas vor dem tatsächlichen Termin zur Verfügung stehen.
  • Blickkontakt: Die Glaubwürdigkeit steigt sofort, wenn man seinem Gegenüber in die Augen sieht. Man gibt damit auch kund, dass man an dem Gesprächsthema interessiert ist. Eine Übertreibung des Blickkontakts sollte jedoch vermieden werden.
  • Distanz zum Gegenüber: Der Abstand zum Gegenüber sollte den Gegebenheiten angepasst werden.
  • Weitere wichtige Fähigkeiten: Teamfähigkeit, ein sehr strapaziertes Wort, das in der Praxis aber seine Relevanz hat. Kompetenzen, die in diesem Zusammenhang wichtig sind wären unter anderem Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Persönliches Engagement, Belastbarkeit, Motivation, Kreativität und Selbständigkeit sind hierfür die Grundvoraussetzungen. Jeder Bewerber sollte sich außerdem seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein, um diese Kompetenzen ständig zu erweitern und den Anforderungen, die das Berufsleben an ihn stellt, bestmöglich zu entsprechen.


In der HTL Krems wird versucht, den Schülerinnen und Schülern all diese Soft Skills zu vermitteln. In der Schule besteht z.B. Grußpflicht. Da die Schule auch Erziehungspflichten hat, die in der HTL Krems sehr ernst genommen werden, sind die Schülerinnen und Schüler auch immer gern gesehene Gäste bei verschiedenen Veranstaltungen wie Schulschikursen, Auslandsexkursionen etc. Dies ist auch mit Dankschreiben der Beherbergungsbetriebe dokumentiert.

DI Gerald Sam

Absolvent HTL Mödling – Abteilung Elektrotechnik
Studium TU Wien – Fachrichtung Regelungstechnik
Praxisjahre in der Fa. Norma – Messtechnik als Entwicklungstechniker
20 Jahre in HTL St. Pölten Abteilung Elektronik als Lehrer und seit 5 Jahren als Direktor in der HTL Krems tätig.
Parallel zur HTL St. Pölten noch im BORG Krems und Piaristengymnasium Krems aushilfsweise als Lehrer tätig.

Um unser Leben möglichst konstruktiv und positiv zu gestalten, brauchen wir gewisse Fähigkeiten, die uns dabei helfen.
Diese sogenannten „Lebenskompetenzen“ spielen auch in der Suchtvorbeugung eine ganz wesentliche Rolle.
Lt. der Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation, 1994) ist lebenskompetent wer .....
sich selbst kennt und empathisch ist (Selbstwahrnehmung)
kommunizieren und Beziehungen führen kann (Kommunikation)
kritisch und kreativ denkt und handelt
durchdachte Entscheidungen trifft und erfolgreich Probleme löst
Gefühle und Stress bewältigen kann (Bewältigungsstrategien).

Um unser Leben möglichst konstruktiv und positiv zu gestalten, brauchen wir gewisse Fähigkeiten, die uns dabei helfen.
Diese sogenannten „Lebenskompetenzen“ spielen auch in der Suchtvorbeugung eine ganz wesentliche Rolle.
Lt. der Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation, 1994) ist lebenskompetent wer .....
sich selbst kennt und empathisch ist (Selbstwahrnehmung)
kommunizieren und Beziehungen führen kann (Kommunikation)
kritisch und kreativ denkt und handelt
durchdachte Entscheidungen trifft und erfolgreich Probleme löst
Gefühle und Stress bewältigen kann (Bewältigungsstrategien).


Was ist nun eigentlich „Sucht“ und wie entsteht sie?
Sucht ist eine Krankheit, die alle Alters- und Sozialschichten betrifft. Suchterkrankungen entstehen, entgegen der landläufigen Meinung, nicht aufgrund von „Willensschwäche“ einzelner Personen, aufgrund falscher Freunde oder schlechten Lebensbedingungen alleine, sondern dann, wenn Risikofaktoren in vielen Bereichen eines Menschen zusammenkommen und auf gering ausgebildete Schutzfaktoren bei diesem Menschen treffen, wobei ein einfacher Zusammenhang zwischen den Auslösern und der Entstehung von Suchtkrankheiten sich nur in den seltensten Fällen finden lässt.
Vielmehr sind bei der Entstehung einer Suchtkrankheit immer verschiedene Faktoren beteiligt, die im Bereich der Persönlichkeit, des sozialen Umfeldes, der Gesellschaft und der Substanz liegen. Diese vier Bereiche spielen bei der Entstehung einer Suchterkrankung immer zusammen. Nie ist einer dieser Bereiche alleine verantwortlich. Das heißt aber auch, dass Suchtvorbeugung in allen diesen Bereichen ansetzen muss, um der Entstehung einer Suchterkrankung möglichst effektiv entgegen zu wirken.

Sucht kann in zwei verschiedenen Formen auftreten: in Verbindung mit Substanzen, die man zu sich nimmt (z.B. Alkohol, Medikamente, Nikotin, illegale Substanzen etc.) oder in Verbindung mit Tätigkeiten, die man ausübt (z.B. Spielsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht etc.). Das Ziel von Suchtvorbeugung ist aber nicht, den Konsum von Substanzen oder Tätigkeiten zu verhindern, sondern dem Entstehen einer Suchterkrankung vorzubeugen.

Angelehnt an die WHO lässt sich Sucht als der unstillbare innere Zwang nach einer Substanz oder einem Verhalten beschreiben. Dieser Drang ist unkontrollierbar und die Suchtkranken nehmen dabei in Kauf, sich selbst und ihrer sozialen Umgebung seelischen, körperlichen und sozialen Schaden zuzufügen.
Eine Suchterkrankung entsteht aber nicht von heute auf morgen, sondern sie entwickelt sich in einem - manchmal bis zu mehreren Jahren dauernden - Prozess. Dieser Prozess wirkt sich nicht nur negativ auf die Betroffenen selbst aus, sondern hat auch schwere Auswirkungen auf das soziale Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen/innen usw.).

Wie kann Suchtvorbeugung wirksam gelingen?
Sehr oft wird in der Suchtvorbeugung nach einfachen „Rezepten“ zur Erkennung von Suchtgefährdung gerufen. Diesem Wunsch kann aber leider nicht entsprochen werden, da es zu einer wirksamen Suchtvorbeugung Aktivitäten und Maßnahmen auf vielen Ebenen braucht, die in ihrer Gesamtheit schließlich zu einer gelungenen Suchtprävention beitragen.
Daraus ergibt sich, dass Suchtvorbeugung nicht von einigen wenigen Experten/innen getragen und umgesetzt werden kann, sondern dass es der Mithilfe aller, im Umfeld von Kindern und Jugendlichen Tätigen bedarf, um möglichst früh und umfassend suchtvorbeugend zu wirken.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang zwei Ansatzpunkte: einerseits der Ausbau von Lebenskompetenzen auf der Ebene der Persönlichkeit jedes/jeder Einzelnen (Verhaltensprävention), um den Herausforderungen des Lebens möglichst konstruktiv begegnen zu können. Es ist wichtig, eine Vielzahl von Gestaltungs- und Lösungsmöglichkeiten für schwierige Situationen zur Verfügung zu haben, um diesen dann nicht mithilfe von Suchtmitteln entfliehen zu müssen. Andererseits ist auch die Gestaltung des sozialen Umfeldes (Verhältnisprävention), in dem Kinder und Jugendliche leben, lernen und ihre Freizeit verbringen, von großer suchtpräventiver Bedeutung.

Zur Suchtprävention gibt es zwar keine „einfachen Rezepturen“, sie ist aber auch kein „geheimes Wissen“, das nur einigen wenigen Eingeweihten zur Verfügung steht.
Sie setzt dort an, wo die Grundbedürfnisse jedes Menschen liegen, nämlich am Wunsch nach Liebe und Sicherheit, Lob und Anerkennung, Zugeständnis von (altersgerechter) Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, sowie beim Gewinn von neuen Erfahrungen durch Leben und dem Austesten von Grenzen, dem Wunsch nach Abenteuer und der Fähigkeit, sich (auch in schwierigen und belastenden Situationen) entspannen zu können.

Wenn es gelingt, unsere Kinder mit diesen Werkzeugen gut ausgestattet ins Leben zu schicken, dann ist aus Sicht der Suchtvorbeugung vieles gewonnen. Und dazu braucht es die Mitarbeit aller, die sich im Umfeld unserer Kinder und Jugendlichen bewegen.

Denn: Suchtvorbeugung geht uns alle an und gemeinsam können wir viel erreichen.

DSA Sadiya Mellish, MAS
Fachstelle für Suchtvorbeugung, Koordination und Beratung
Fachbereich Suchtvorbeugung

Name: Sadiya Petra Mellish
Geburtsdatum: 12.7.1966
Familienstand: Verheiratet, 1 Sohn (23 Jahre)
Werdegang:
1972 - 1976 Grillparzer-Volksschule St. Pölten
1976 - 1980 Theodor Körner-Hauptschule St. Pölten
1980 - 1983 Handelsschule St. Pölten
1984 - 1995 Sekretärin im Landeskrankenhaus St. Pölten
1994 - 1995 Studienberechtigungsprüfung
1995 - 1998 Studien an der Bundesakademie für Sozialarbeit St. Pölten (Diplomarbeitsthema: "Suchtprävention der next generation") ab September 1998 Projektleiterin und stellvertretende Leiterin in der Fachstelle für Suchtvorbeugung NÖ 2002 - 2005 Studium "Soziale Arbeit und Sozialmanagement", Donauuniversität Krems, Abschluss mit MAS Juni 2005 (Thema der Masterthese: "Evaluation und Qualitätssicherung des "Stationenmodells" - ein Projekt zur Primären Suchtvorbeugung") ab 1.10.2003 Fachliche Leitung Abteilung Suchtvorbeugung in der Fachstelle für Suchtvorbeugung, Koordination und Beratung.

Inhaltliche Veränderungen von Gewaltpräventionsprojekten im Laufe der Kinderschutzarbeit der letzten 20 Jahre

Wenn von Kindern verlangt wird, sich in Situationen der Ohnmacht mit einem „NEIN“ dem Täter gegenüber „zu stellen“, verlangt man schier unmögliches. Natürlich wäre es wünschenswert, ein direktes schützendes Instrument zur Verfügung zu haben, um es gar nicht erst zu einer Gefährdungssituation für das Kind kommen zu lassen.
In der Realität können Kinder, die Gewalterfahrungen erleben mussten, sich selten direkt an eine Bezugsperson wenden, um sich mitzuteilen.
Hier künftig noch zusätzliche Geheimhaltungsstrategien zu vermeiden, die in Zusammenhang mit familiären Krisensituationen entstehen, darin liegt das Ziel von aktuellen Gewaltpräventionsprojekten.

Ein Verständnis für Kindeswohlgefährdung setzt ein kontextualistisches Verständnis der Erwachsenen voraus:

Inhaltliche Veränderungen von Gewaltpräventionsprojekten im Laufe der Kinderschutzarbeit der letzten 20 Jahre

Wenn von Kindern verlangt wird, sich in Situationen der Ohnmacht mit einem „NEIN“ dem Täter gegenüber „zu stellen“, verlangt man schier unmögliches. Natürlich wäre es wünschenswert, ein direktes schützendes Instrument zur Verfügung zu haben, um es gar nicht erst zu einer Gefährdungssituation für das Kind kommen zu lassen.
In der Realität können Kinder, die Gewalterfahrungen erleben mussten, sich selten direkt an eine Bezugsperson wenden, um sich mitzuteilen.
Hier künftig noch zusätzliche Geheimhaltungsstrategien zu vermeiden, die in Zusammenhang mit familiären Krisensituationen entstehen, darin liegt das Ziel von aktuellen Gewaltpräventionsprojekten.

Ein Verständnis für Kindeswohlgefährdung setzt ein kontextualistisches Verständnis der Erwachsenen voraus:

Laut der UN- Studie über Gewalt gegen Kinder und Jugendliche (2006) ist Gewalt gegen Kinder aus verschiedenen Gründen nach wie vor versteckt: aus Furcht, weil Täter häufig jene Menschen (Eltern, Familienmitglieder oder maßgebende Mitglieder der Gesellschaft) sind, die Kinder eigentlich beschützen sollen und weil Kinder oft keinen sicheren und vertrauenswürdigen Weg finden, darüber zu berichten.
Auch andere Personengruppen, wie potentielle Ansprechpartnerinnen, werden von den Kindern geschützt. Befürchtungen der Kinder, dass andere Menschen die Geheimnisinhalte nur schwer ertragen bzw. gar nicht mit der Erzählung umgehen können, sind die Gründe für das Schweigen. (Ritter und Koch, 1995)
In einer Missbrauchs- oder Gewaltsituation wird Kindern auf verschiedene Arten vermittelt, ihren Gefühlen nicht zu trauen und Erlebnisse und damit verbundene Geheimnisse nicht mitzuteilen.

In diesem Zusammenhang sei die Loyalität in Familien angesprochen:

In Bezug auf die Erlebnisse eines sexuellen Missbrauchs stehen die Opfer im ständigen Loyalitätskonflikt zur Familie, vor allem wenn der Täter eine nahe stehende, geliebte Person ist.
Loyalität lässt sich auf der Ebene eines Systems (Familie, Gruppe, sonstiger sozialer Verband) als die Erwartung der Einhaltung bestimmter Regeln verstehen. Bei Missachtung drohen Sanktionen. Auf individueller Ebene hat die Person die loyal übernommenen Erwartungen und Gebote verinnerlicht. Demnach gilt Loyalität als natürliche ethische Form der Bindung an die Herkunftsfamilie. (Boszormenyi–Nagy, 1975, Simon, Clement und Stierlin, 1984)

Der Schulddruck der Kinder:
Zudem stehen Kinder unter dem Einfluss von entwertenden Strategien des Täters. Sie fühlen sich hilflos, da der Schulddruck enorm ist.
Kinder haben beim Täter Liebe, Vertrauen, Zuneigung und Zugewandtheit gesucht und ihrer Meinung nach zu wenig Widerstand geleistet. Um die Bindung zur Bezugsperson aufrechtzuerhalten, idealisieren Opfer häufig die Täter und suchen die Verantwortung und Schuld bei sich selbst. Ein Verlassen der Situation ist nicht möglich.
Auf lange Sicht gesehen, kann das Schuldempfinden die Opfer ebenso unausweichlich verfolgen, wie die damit verbundenen Schamgefühle. Nach Gahleitner (2005) schämen sich Opfer nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie und den Täter. Diese Scham tritt in der Ahnung oder dem Wissen auf, dass etwas Tabuisiertes geschieht und nach außen hin verleugnet wird.

Aus diesem Grunde kommt der Prävention eine wichtige Rolle zu.
Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Körper, das Wahrnehmen und Benennen der Gefühle, das Wissen um Grenzen für den eigenen Körper sind in diesem Zusammenhang wichtige, grundlegende Themen. Je besser Kinder ihre Gefühle einordnen und sprachlich zum Ausdruck bringen können, desto eher kann der Schutz durch Erwachsene erfolgen.

Früher wurden Kinder geschult „NEIN“ zu sagen. Dadurch glaubten sie selbst für ihren Schutz verantwortlich zu sein. Kam es zu weiteren Übergriffen, entstand bei den Kindern ein enormes Schuldgefühl, weil sie dachten ein lauteres, deutlicheres Nein hätte diese verhindern können.
Heute schulen wir die Kinder ein NEIN – Gefühl in Zusammenhang mit unangenehmen Gefühlen und Berührungen wahr zu nehmen. Kinder können sich in diesem Fall an eine vertraute, erwachsene Person wenden, da diese den Schutz herstellen kann und soll.
Dieser Schutzraum durch Erwachsene kann allerdings nur hergestellt werden, wenn die Erwachsenen auch darüber unterrichtet sind, wie Hilfe und Unterstützung für das Kind wirklich hilfreich empfunden werden kann. Präventionsarbeit ist dann sinnvoll, wenn Projekte ganzheitlich, das heißt, unter Einbeziehung aller beteiligten Zielgruppen, vor allem der Erwachsenen, stattfinden.

Im Kinderschutz gilt:
Für die Sicherheit von Kindern haben grundsätzlich die Eltern bzw. obsorgeberechtigte Erwachsene zu sorgen.
Kinderschutzarbeit bedeutet professionelle Unterstützung dieser Eltern bzw. der obsorgeberechtigten Personen um Schutzes bei Gefährdungen ihrer Kinder herstellen zu können, im Speziellen bei sexuell motiviertem Missbrauch des Autoritätsverhältnisses, physischer oder psychischer Gewalt und Vernachlässigung.
Nach Scherl (2001) ist es keiner der Institutionen von ihrem Auftrag und ihren personellen Ressourcen her allein möglich, die Sekundärschädigungen von Kindern aufzufangen, zu verarbeiten oder zu verringern. Da bestimmte Kinderschutzmassnahmen individuelle Abläufe haben, die zeitlich nicht offensichtlich sind, ist ein umfangreiches Sachwissen bei den ProfessionistInnen notwendig, um dem Kind und der Familie die Unterstützung transparent zu machen, diese zu organisieren und die Familie dabei zu begleiten.
Hier übernimmt das Kinderschutzzentrum (als Spezialist) oder das Jugendamt (als Akteur) die Koordination der Hilfeleistungen.
Die Kenntnis der örtlichen Ressourcen über verfügbare Schutzeinrichtungen ist wichtig, da sonst das Angebot für kompetente Hilfe nur ein sprachlicher Ausdruck bleibt (eine beschämende Schnittstellenproblematik bei Kooperationen).

Über die Kinderschutzakademie
2004 wurde die Kinderschutzakademie von Marion Luksch BA pth. gegründet.
Damit entstand in Österreich die erste spezifische Bildungseinrichtung in diesem Bereich, die mittlerweile ein interdisziplinäres Team von sechs MitarbeiterInnen umfasst. Die Kinderschutzakademie ist eine vom Land NÖ zertifizierte Einrichtung für berufliche Fort- und Weiterbildung für die Themenbereiche Prävention und Intervention bei Kindeswohlgefährdung durch Gewalt, sexuellen Missbrauch und Vernachlässigung.

Marion Luksch, BA pth., Leiterin der Kinderschutzakademie
Psychotherapeutin für systemische Familientherapie
Studium der Psychotherapiewissenschaften an der Sigmund Freud Universität Wien, seit 1997 im Feld der Kinderschutzarbeit tätig: Leitung des Möwe-Kinderschutzzentrums St. Pölten, Entwicklung von Curricula zur Schulung von ProfessionistInnen für Kinderkrisenintervention in diversen Bildungseinrichtungen.
2004 Gründung der Kinderschutzakademie. Zahlreiche Fallsupervisionen, Vorträge, Seminare, Präventionsmaßnahmen, Workshops und Konzeptionen von Tagungen zum Thema sexueller Missbrauch und Gewalt an Minderjährigen.

Ausbildung:
1983-1988 Bundeslehranstalt für Sozialpädagogik, St.Pölten
1992-1994 Absolvierung des Propädeutikums der Psychotherapieausbildung , APG Wien
1995-1999 Fachspezifikum der Psychotherapieausbildung, der Lehranstalt für systemische Familientherapie, Wien; Eintragung in die Psychotherapeutenliste des Bundesministeriums für Gesundheit als Psychotherapeutin
2004 Studium der Psychotherapiewissenschaften an der Sigmund-Freud-Universität Wien
2006 Ablegung der Bakkalaureatsprüfung an der Sigmund-Freud-Universität Wien

Beruf:
1988-1989 Sprachheilinternat, Hinterbrühl
1989-1996 Stadt des Kindes, Kinder- und Jugendheim der Gemeinde Wien
1997 Beratungsstelle Hebebühne ,Tulln
1997-1999 möwe Kinderschutzzentrum St.Pölten
1999 Stv. Leiterin des möwe Kinderschutzzentrums St.Pölten

1999-2004 Leiterin des Kinderschutzzentrums
Leitung des fachlichen Teams in St.Pölten bestehend aus PsychologInnen
PsychotherapeutInnen; Personalauswahl, Einschulung, Erfolgskontrolle, fachliche und persönliche Betreuung der MitarbeiterInnen
Fachliche Projektanbahnung,- konzeption,- durchführung und berichte
Missbrauchsverdacht - Fortbildungen für Sozial und Gesundheitsberufe,
Kooperationsseminare mit Gendarmerie NÖ und Jugendämter NÖ
Konzeption der Tagung " Gewalt - Schritte zurück zum (Über-)Leben "
Kooperation Jugendwohlfahrt, Justiz, Gesundheitsberufe

ab 1999
Tätigkeit als selbständige Therapeutin, systemische Familientherapie mit eigener Praxis

ab 2003
Selbständige Therapeutin mit Krankenkassenvertrag und eigener Praxis in Purkersdorf und St.Pölten

ab 2004
Gründung der Kinderschutzakademie
Konzepte von Kinderschutzschulungen für verschiedene Institutionen
Konzeption der möwe - Akademie
Gründung und Konzeption zur fachlichen Einschulung von PraktikantInnen und MitarbeiterInnen
Leitung der Kinderschutzschulung an der Sigmund-Freud-Universität Wien
Verfassen des Manuals zur Kinderschutzarbeit (Kinderschutzleitfaden)
Anerkennung der Kinderschutzakademie als zertifizierte Erwachsenenbildungseinrichtung, Bildungsförderung für SeminarteilnehmerInnen: NÖ, Burgenland, Tirol, Salzburg, Kärnten
Sexual- und Gewaltdeliktspräventions- und Kriseninterventionsprojekte in Schulen und Kindergärten für Kinder und Jugendliche aller Alterstufen in Niederösterreich und Wien. Kooperation mit den PräventionsbeamtInnen der Kriminalpolizei

Wenn „Mann“ ein Beruf wäre, so müssten wir fragen: welche Qualifikationen braucht man dafür und wo kann man diese erwerben? Danach würden sich Interessenten ein Bild machen können und überlegen, ob sie diese Ausbildung starten wollen und ob der Job aussichtsreich, einträglich, vielleicht sogar befriedigend sein wird.

Die Anforderungen wären früher Jahrtausende lang gleich, ändern sich in der Gegenwart aber schon nach wenigen Jahren. Haben früher Jäger, Sammler, Bauer, Handwerker, Händler und Familienoberhaupt als Beschreibungen ausgereicht, so helfen diese Bezeichnungen heute nicht mehr weiter. Kaufmännischer Assistent der Geschäftsleitung oder Lebensabschnittspartner in der zusammengesetzten Familie könnten Beispiele aus der Jetztzeit sein.

Wenn „Mann“ ein Beruf wäre, so müssten wir fragen: welche Qualifikationen braucht man dafür und wo kann man diese erwerben? Danach würden sich Interessenten ein Bild machen können und überlegen, ob sie diese Ausbildung starten wollen und ob der Job aussichtsreich, einträglich, vielleicht sogar befriedigend sein wird.

Die Anforderungen wären früher Jahrtausende lang gleich, ändern sich in der Gegenwart aber schon nach wenigen Jahren. Haben früher Jäger, Sammler, Bauer, Handwerker, Händler und Familienoberhaupt als Beschreibungen ausgereicht, so helfen diese Bezeichnungen heute nicht mehr weiter. Kaufmännischer Assistent der Geschäftsleitung oder Lebensabschnittspartner in der zusammengesetzten Familie könnten Beispiele aus der Jetztzeit sein.

Warum sollte sich ein Bub also gezielt überlegen ein Mann zu werden? Ja, biologisch wird er es schon nach einigen Jahren schaffen, aber welcher Mann soll er werden? So einer, wie sein Großvater? Der erzählt davon, wie es früher war und was er damals geschafft hat. Seltener kommt vor, was er nicht geschafft hat… Aber irgendwie kommen keine Handies vor, kein Fernsehprogramm, keine Computerspiele, kurz - die Geschichten helfen nicht für Aufgaben in der Zukunft.
Oder soll er so werden wie sein Vater? Ein großer, kräftiger, sportlicher Typ, der selten zu Hause ist, es gar nicht aushalten kann, wenn Mutter oder gar der Sohn einmal Grund zum Weinen haben und sagt: „Allerweil diese Gefühlsduselei! Ein richtiger Mann (?) braucht so was net!“
Vielleicht soll er ja so werden wie Onkel Manuel? Der ist verständnisvoll, freundlich und hat fast immer Zeit, wenn jemand etwas von ihm braucht. Manchmal, sagt er, kommt er sich aber schon ausgenützt vor, weil umgekehrt, wenn er was braucht, die anderen auf einmal keine Zeit haben.
Also doch lieber so ein Mann, wie in dem Film im Kino: Ein Experte in Selbstverteidigung und vielen Abenteuersportarten und dann hat der in dem Film gleich die Auswahl aus drei supertollen Frauen, die sich richtig um ihn reißen. Er braucht eigentlich nur mit dem Finger schnippen und schon rennen die um die Wette (nein, nicht weg, sondern hin zu ihm). Jeder Satz ein lustiger „Sager“ - Zuschauergelächter wird gleich eingeblendet - Geld spielt keine Rolle, es ist ja genug da, ein Auto - Spezialanfertigung, versteht sich - und dann noch schnell die Welt gerettet, also gut, was machen wir dann am Nachmittag?

Am Ende des Films bleibt eine der drei Frauen beim Helden, aber auch in den zwei Fortsetzungen erfährt der Bub nichts darüber, wie Herr Held und Frau Held(in) den Alltag bewältigen. Müssen Helden Zähne putzen? Müssen Helden auch dreimal zur Führerscheinprüfung antreten? Müssen Frau Held(in) und Herr Held aushandeln, wer welchen Teil der Haushaltsarbeit machen wird - und zwar verlässlich und gerecht aufgeteilt - oder machen das alles irgendwelche guten Geister? Werden Helden Kinder haben, um die sie sich kümmern und zwar nicht erst dann, wenn diese Kinder schon Fußball spielen oder Mountainbike fahren können?

Werden diese Kinder auch mit Fragen und Sorgen zum Vater Held gehen können und wird er ehrlich davon erzählen, dass Zusammenleben mehr ist, als nur die gleiche Adresse haben? Eigentlich - so müsste er ehrlicherweise sagen - klappt das mit dem Zusammenleben nur dann, wenn alle bereit sind, immer wieder neu auszuhandeln, welche Regeln und Verlässlichkeiten gelten sollen. Wenn immer wieder Thema ist, was die Gefühle für einander (liebevolle und aggressive, wertschätzende und abfällige und…) bedeuten, dass man auch Schwächen zeigen darf und wie wir damit umgehen.

Gefühle und wir - also geht es doch auch Buben und Männer an, wenn es um Gefühle geht! Der Umgang mit Gefühlen braucht Lernzeit und Vorbilder, vor allem aber: sich einzugestehen, dass Gefühle nicht so einfach geplant werden können, wie ein Autokauf, und dass es dabei gar nicht immer nur nach (meinem) Wunsch verläuft!

Wenn der Bub nun diese Anforderungen und Beispiele begriffen hat, dann kann er leider nicht sagen: Na gut, dann werd’ ich lieber Oma! Er hat einen Jahre langen Weg vor sich, auf dem er weitere Beispiele erleben wird (Trinker, PC-Spiel-Meister, vielleicht Junkies, ein bis zwei Stiefväter, andere Idole aus Film und Musikwelt, einen Lehrlingsausbildner mit Verständnis für Jugendliche, oder….) und immer wieder etwas für sich „herausklaubt“.

Die Männer, die diese Zeit der eigenen Jugend schon vergessen oder als unerfreulich erlebt haben, sind herzlich eingeladen, darüber nachzudenken, welches Vorbild sie für unseren Buben darstellen. Denn man kann kein „Nichtvorbild“ sein: Wir alle sind Teil der Erlebniswelt von anderen Menschen, Kindern - und daher als Vorbilder wirksam!

Die Männer aber, die jetzt schon wissen, welche Bedeutung sie für ihre und andere Kinder (ja: auch Mädchen brauchen männliche Vorbilder, um sich z.B. vorstellen zu können, was aus den Bartflaumträgern in der Nebenklasse einmal werden könnte) haben, sollten möglichst ehrlich in ihren Erzählungen und Antworten sein. Helden wie im Film sind ja deshalb so perfekt, weil sie eine verpatzte Szene nochmals drehen können. Im wirklichen Leben müssen wir die Konsequenzen der „verpatzten Szene“ selber tragen. Wir haben aber die Chance nachzudenken und aus Erfolgen UND aus Fehlern zu lernen. Fangen wir doch heute gleich damit an.
Die Buben und Mädchen werden es brauchen können.

Curriculum Vitae

Dr. Reinhard Neumayer
geb. 1953 in Wien
Matura 1971
Wehrdienst 1972
Studium der Psychologie mit Nebenfach Pädagogik an der Universität Wien
Promotion zum Dr. phil. 1979
Psychotherapieausbildung beim Österr. Verein für Individualpsychologie
Weiterbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
Eintragung in die Listen der klinischen und Gesundheitspsychologen 1992
Eintragung in die Psychotherapeutenliste 1992

Eheschließung 1979
2 Söhne

Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Jugendwohlfahrt: seit 1979 als Mitarbeiter, später Leiter des mobilen psychologischen Amtssachverständigendienstes für die Jugendämter an den Bezirksverwaltungsbehörden
stellvertretender Leiter der Abteilung Jugendwohlfahrt und Leiter des Bereichs Psychologie

Psychotherapeut in freier Praxis

Referententätigkeit (z.B. NÖ Elternschule, Landesakademie, Krankenpflegeschule)
Fachartikel und Vorträge

Nie mehr im Leben macht der Mensch innerhalb von drei Jahren so große psychische, soziale und körperliche Entwicklungsschritte wie in den ersten drei Lebensjahren. In dieser Zeit werden viele Weichen für unser Leben gestellt, und es wird der Grundstein für Beziehungsfähigkeit und für psychisches Wohlbefinden gelegt. Es ist daher besonders wichtig, dieser Zeit, wo der Start ins Leben stattfindet, besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Durch den Mutter-Kind-Pass ist es gelungen, das körperliche Gedeihen und dessen Defizite früh zu erkennen und zu behandeln. Ebenso wäre es von Nöten, dass auch die Psyche des Säuglings und Kleinkindes derartige Beachtung findet. Doch werden psychische und soziale Auffälligkeiten häufig erst im Kindergarten bemerkt.

Elternschaft
Der Übergang zur Elternschaft verläuft für viele Eltern anders als sie sich das vorgestellt haben. Das Zusammenspiel mit ihrem Kind gelingt dann nicht auf Anhieb und braucht manchmal auch Unterstützung von außen. Es dauert gelegentlich mehrere Wochen oder Monate, bis Eltern ihr Kind kennen lernen, sich auf ihr Kind einstellen können und mit den Veränderungen innerhalb der Familie zurechtkommen. Zusätzlich kann es sein, dass die Familie durch finanzielle Probleme oder Probleme am Arbeitsplatz, Isolation oder Scheidung stark belastet ist.

Eltern-Kind-Beziehung
Bereits vor und in der Schwangerschaft machen sich Eltern Vorstellungen über ihr Kind, die Beziehung zu ihm, die sich entwickeln wird und über sich selbst als Eltern. Diese Vorstellungen stimmen nicht immer mit dem geborenen Kind überein, das kann zu Enttäuschung, Unsicherheit und Anspannung der Eltern führen. Neugeborene sind bereits in der Schwangerschaft mit der Mutter und dem Vater in Beziehung und reagieren stark auf das Umfeld. Sie sind nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, „wie von einer Hülle umgeben“, abgeschottet. Beobachtungen und Forschungen von Säuglingen seit mehr als hundert Jahren zeigen auf, wie sensibel die frühkindliche Psyche ist. Säuglinge reagieren auf gute Stimmung oder Missstimmung vor allem körperlich, entweder mit Wohlbehagen oder mit Beschwerden im Sinne von Schlaf-, Schreistörungen, Fütterungsstörungen, Erbrechen oder Zurückgezogenheit. Besonders belastend sind für Säuglinge und Kleinkinder Trennungen von ihren Bezugspersonen und Nicht-beachtet-werden. Die wohlwollende einfühlsame und verlässliche, dauerhafte Beziehung zum Neugeborenen, Säugling und Kleinkind ist die psychische Nahrung für spätere seelische Gesundheit. Es ist wichtig, von Anfang an zu versuchen das Kind zu verstehen und mit ihm zu sprechen. Bezugspersonenwechsel und Trennungen stellen erheblichen Stress und enorme Irritation dar.

Empfehlungen
Treten mit einem Säugling oder Kleinkind Probleme auf, so sollen unbedingt Fachleute, die sich mit der Psyche in den ersten Lebensjahren beschäftigen, aufgesucht werden. Eltern und Ärzte haben oft Skrupel, das kleine Kind in psychische Beratung oder Behandlung zu schicken. Es lohnt sich jedoch, früh zu helfen, da ungelöste Probleme meist in der Pubertät erneut erwachen und sich in heftiger Ausprägung äußern.

Wohin können sie sich in Niederösterreich wenden

  • Kassenpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Fiala-Preinsperger, Mödling, Tel: 02236 / 46863
  • Mag Marianne Mairhofer-Dornauer, Mödling, tel: 0664 / 411 88 67
  • Monika Fenz, Mödling, Tel: 02236 / 86 97 080
  • Hochgerner Renate, Mödling, Tel: 0676 / 600 92 63
  • Angelika Habermiller, Maria Lanzendorf, Tel: 02235 / 42428
  • Manfred F. Siebert, Perchtoldsdorf, Tel: 0664 / 132 87 47
  • Dr. Michael Hofreiter, Langenlebarn, Tel: 02272 / 66 977
  • Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Landesklinikum Thermenregion Mödling, psychosomatische Ambulanz und Schreiambulanz, Tel: 02236 / 204 / 414

Die ersten Lebensjahre

Geschichte
Bereits vor mehr als hundert Jahren war Sigmund Freud davon überzeugt, dass die frühen Jahre eine immense Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit haben. Seine Überzeugung, dass bereits der Säugling von Geburt an über Liebes- und Hassgefühle, und somit über eine Psyche verfügt, ist auf heftige Kritik gestoßen. Es waren jedoch vor allem Psychoanalytiker, die während des letzten Jahrhunderts bemüht waren, Säuglinge und Kleinkinder zu verstehen, ihrem Verhalten Bedeutung zuzuschreiben und darauf hinzuweisen, dass sie auch bereits schmerzliche Gefühle ausdrücken. Dieses Denken war in der Kinderheilkunde bis vor fünfzehn Jahren nicht selbstverständlich. Allzu unbedacht hat man bis dahin Säuglinge und Kleinkinder Fremden anvertraut und sich keine Gedanken über die psychischen Auswirkungen von Trennungen gemacht.

Deprivation
Die klinischen Forschungsarbeiten und Beobachtungen von Psychoanalytikern haben Erkenntnisse gebracht, die leider nicht allzu ernst genommen wurden. So stellte Rene Spitz in der Nachkriegszeit bei verwaisten Säuglingen in Heimen fest, dass sie trotz ausreichender Ernährung und guter Pflege dennoch emotional verkümmerten oder gar verstarben, obwohl keine organmedizinische Ursache dafür vorlag. Während die Babys unmittelbar nach der Trennung noch protestierten und verzweifelt waren, zeigten sie bereits ein bis zwei Wochen später einen sichtbaren Rückzug mit schweren Verhaltensauffälligkeiten. Sie schaukelten stundenlang im Bett hin- und her ohne mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen. Sie schlossen sich zunehmend psychisch in und zeigten nach ein paar Wochen keinerlei Interesse mehr an Menschen. Ihr Gesicht war ausdruckslos und wirkte alt und letztendlich verweigerten sie sogar die Nahrungsaufnahme. Spitz’ Beobachtungen zeigten, dass Nahrung und Pflege alleine nicht ausreichen, um das Überleben zu sichern, und dass emotionale Vernachlässigung („seelischer Hunger“) bei Säuglingen und Kleinkindern gravierende Spuren hinterlässt. Mechanische Säuglingspflege ohne emotionale Zuwendung führt nicht nur zu schweren Verhaltensstörungen, sondern gefährdet sogar das körperliche Überleben des Kindes.

Bindungsforschung
John Bowlby war einer der Pioniere in der Bindungsforschung. Er hat 1950 die Geschichte von 44 Dieben untersucht und dabei festgestellt, dass bei deren Müttern große Defizite in der Zuneigung zu ihren Söhnen vorlagen, bzw. die Mutter-Kind-Bindung einen Bruch erlitten hatte. Bowlby beschäftigte sich daraufhin intensiv mit Bindungen und seine Theorie lautete, dass jedes Kind zu seinen primären Bezugspersonen eine Bindung aufbaut, diese initiieren, aufrecht erhalten und auch abbrechen kann. Er war überzeugt, dass jedes Kind unter Trennungen leidet und bereits bei bevorstehender Trennung das Furchtsystem aktiviert wird. Bei Gefahr und Hilflosigkeit zeigen Kinder einen Anklammerungstrieb. Seine Ansicht war, dass eine sichere Bindung die Grundvoraussetzung zur Exploration ist. Ein Kind kann erst die Welt erkunden und freudig erforschen, wenn es sich sicher gebunden fühlt. Sichere Bindung ist also eine Voraussetzung für eine gute Entwicklung und die Selbstentfaltung. Beim Fehlen von Bindung an primäre Bezugspersonen neigen Kinder zu Oberflächlichkeit, Unberührtheit, Teilnahmslosigkeit und Depression und entwickeln Verhaltensstörungen wie zum Beispiel zwanghaftes Stehlen. Sie haben den Drang sich Fremdes anzueignen, weil ihre Bedürfnisse unbefriedigt geblieben sind.

1978 erforschte Mary Ainsworth die Bindungsqualitäten weiter. Sie betonte die notwendige Feinfühligkeit der Eltern für die Signale ihres Kindes, die Fähigkeit diese überhaupt als Bedürfnis wahrzunehmen. Üblicherweise verfügen Eltern intuitiv über die Fähigkeit, die Botschaft ihres Säuglings wahrzunehmen, sie richtig zu deuten, prompt darauf zu reagieren und das Bedürfnis der Kinder angemessen zu beantworten. Interessant ist, dass Mary Ainsworth der Meinung war, dass weniger das Verhalten während der Trennung über die Bindungsqualität eine Aussagekraft besitzt, als das Verhalten bei der Wiedervereinigung. Üblicherweise reagieren die Kleinkinder beim Wiederzusammentreffen kurz verstört und klagend, können sich jedoch nach zwei Minuten wieder einem Spiel hingeben und sich für die Umgebung interessieren. Kinder mit Bindungsunsicherheit und –störung nehmen entweder keine Notiz von der Mutter oder lassen sich gar nicht mehr beruhigen und kleben über lange Zeit an ihr. Im Extremfall zeigen Kinder mit desorganisierter ambivalenter Bindung sogar körperliche Symptome, wie Ohnmachtsanfälle oder kurze Apathien.
Heute weiß man, dass jede Trennung ein Kind in Stress versetzt, vor allem vor dem 18. Lebensmonat. Erst mit 1 ½ Jahren verfügt ein Kind über die Vorstellung, dass jemand, der nicht in der Nähe ist und nicht sichtbar ist, dennoch existiert, also dass Bezugspersonen wiederkommen werden und nicht verloren gegangen sind.

Die ersten Beziehungen als Basis für spätere Beziehungen
Kinder verinnerlichen die Qualität ihrer Beziehung zu den Eltern bzw. zu den ersten Bezugspersonen. Sie entwickeln ein innerpsychisches Arbeitsmodell. Freud schon war der Meinung, dass die erste Liebesbeziehung des Säuglings zu seinen Eltern der Prototyp für weitere Liebesbeziehungen im Leben ist. Alles, was ein Säugling oder Kind bzw. Erwachsener im Laufe seiner Geschichte, seiner Biographie erlebt, hinterlässt im zentralen Nervensystem eine Spur. Die Psychoanalytikerin Melanie Klein formulierte bereits in den fünfziger Jahren, dass frühe Erfahrungen aufgenommen werden und im Unbewussten lebendig bleiben, als „Erfahrung im Gefühl“. Wird einem Kind mit Achtsamkeit und Feinfühligkeit begegnet, so prägt diese Erfahrung nicht nur die Qualität der Beziehungen, sondern sie prägt auch das Bild von sich selbst. Die ersten Beziehungen sind zu einem Großteil dafür verantwortlich, ob man später ein positives Bild von sich selbst hat, nämlich eine liebenswerte, kluge Frau bzw. einen liebenswerter, kluger Mann zu sein, oder ob man sich fehlerhaft, wertlos fühlt und ohne menschliche Würde.

In der Tavistock-Klinik in London werden seit Jahren Bindungsinterviews mit Erwachsenen durchgeführt. Faszinierende Ergebnisse zeigen, dass bereits in der Schwangerschaft die Qualität der zu erwartenden Bindung zwischen der Mutter und ihrem Säugling vorhergesagt werden kann. War die Mutter selbst sicher gebunden, kann sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sichere Bindung zwischen sich und ihrem Kind entwickeln. Fühlt sich die Mutter jedoch abgelehnt von ihren Eltern, wird die Bindung zum eigenen Kind unsicher vermeidend sein. War sie womöglich sehr verstrickt in den Bindungen zu ihren Bezugspersonen, wird die Bindung zum eigenen Kind eher abwehrend, ambivalent und ängstlich sein. Weitere Ergebnisse zeigen, dass gute Bindungsqualität eine harmonischere Interaktion zwischen den Geschwistern bewirkt, eine bessere Beziehung zu Lehrern, bessere Anpassungsfähigkeit später im Beruf. Später haben sie verlässlichere Freundschaften, können Fehler und Schwächen zugeben und neigen weniger zu Gewalt. Sie können sich besser in andere einfühlen und sind dadurch empathiefähig. Nicht zuletzt ist gute Bindungsqualität ein Schutzfaktor gegen psychische Erkrankungen.

Eltern – nicht perfekt sondern gut genug
Winnicott hat sich mit der Mutter-Kind-Beziehung eingehend beschäftigt und meinte, dass die Mutter über die außergewöhnliche Fähigkeit verfügt, sich mit dem Baby zu identifizieren. Er mahnte, dass andere die Mutter-Kind-Beziehung nicht stören dürfen im Sinne von zu viel Einmischung. Besondere Bedeutung schenkte er der verlässlichen, vorhersehbaren Versorgung. Eltern stellen sich besonders im Babyalter vierundzwanzig Stunden in den Dienst des Kindes. Es ist meist nicht vorhersehbar, wann das Kind schlafen oder gefüttert werden will. Eltern können sich sehr flexibel auf das Kind einstellen und wissen intuitiv um diese Entwicklungsphasen, dass das Kind sozusagen erst erziehbar wird, wenn es etwas älter ist. Sie haben auch die Geduld, ihr Baby kennen zu lernen, ihr individuelles Baby zu entdecken. Auch die Akzeptanz, dass der Schlaf über Jahre gestört sein kann und Eltern den eigenen Biorhythmus an das Kind anpassen, stellt eine große Aufgabe dar. Eltern verfügen über die Flexibilität, dem Kind einerseits entsprechende Hilfestellung und entsprechenden Schutz in seiner Abhängigkeit zu gewähren und andererseits auch einen Raum zu lassen für eigene Entdeckungen, eigenes Ausprobieren. Dennoch ist gefordert, in den Erkundungen des Kindes ständig präsent zu sein, ohne dauernd einzugreifen. Diese gegenseitige soziale Bezogenheit, indem sich auch das Kind bei den Eltern mimisch und gestisch rückversichert und die Eltern das Kind gleich einem unsichtbaren Band begleiten, erfordert einen ständigen affektiven und kognitiven Austausch. Es ist bekannt, dass wir zirka 90 % über unsere Körpersprache vermitteln und wenig tatsächlich verbal ausdrücken. Zu den Erfahrungen eines Miteinanders gehört auch das Teilen der Gefühle. Es ist wichtig für Babys und Kleinkinder, Gefühle der Freude, des Erstaunens, der Neugier zu teilen und auch das Gefühl des Schmerzes, des Schreckens oder der Furcht. So kann einerseits ein Wir-Gefühl entstehen, andererseits fühlt sich das Kind verstanden in seinen Empfindungen und Wahrnehmungen und gibt seinen Gefühlen auch einen Sinn. Wenn Eltern das Weinen des Kindes nicht ertragen können, so vermitteln sie ihm unbewusst, dass es nicht weinen darf und dass es diese Gefühle aus seinem Leben ausklammern muss. Das Kind fühlt sich dadurch nicht verstanden. Müssen Eltern bei Trauer des Kindes regelmäßig mitweinen, so erlebt das Kind die Reaktion nicht als hilfreich, sondern es muss sich neben der eigenen Trauer noch mit den Gefühlen seiner Eltern auseinandersetzen. Natürlich ist es für Eltern unmöglich in jeder Situation und in jedem Moment perfekt zu reagieren. Im Sinne Winnicott´s geht es um „good enough“, dass neben den Verfehlungen das Positive überwiegt.

Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit
Die Autonomieentwicklung stellt für manche Eltern eine große Hürde dar. Während sich manche über die Selbständigkeit ihrer Kinder freuen, schürt das Bestreben alles selber machen zu wollen und zu bestimmen bei manchen Eltern Ängste, das Kind werde ihnen über den Kopf wachsen. Kinder machen Dinge auf ihre Art, die häufig gar nicht der der Eltern entspricht. Am schwierigsten ist es wohl, wenn das Kind seine Meinung durchsetzen will und sich den Eltern widersetzt. Sowohl Eltern als auch Kind werden aus der anfänglichen Harmonie regelrecht katapultiert. Kann diese spannende Phase als Entwicklungsfortschritt gesehen werden und nicht als Verrat, so ist ein erster wesentlicher Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung gelungen, nämlich eine eigenständige Persönlichkeit zu werden.

Die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit
Während die Mutter-Kind- Dyade schon lange im Zentrum der Forschung steht, ist man sich über die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit erst in den letzten zwanzig Jahren bewusst geworden. Mit den Forschungen zur Kompetenz des Säuglings, dass dieser bereits seine Umgebung aktiv wahrnimmt und auf sie reagiert, ist verständlich geworden, dass bereits das Neugeborene nicht alleine auf die Mutter fixiert ist, sondern dass seine Aufmerksamkeit auch dem Vater, dem Elternpaar und den Geschwistern gewidmet ist.

Misslungene Elternschaft
Neben der Liebe zum Kind werden Eltern auch von negativen Gefühlen gegenüber ihrem Kind überrascht. Es ist möglich, dass das Temperament des Neugeborenen mit jenem der Eltern nicht zusammenpasst und das Baby fremd wirkt. Es ist auch möglich, dass das unvermittelte, spontane, triebhafte Verhalten des Neugeborenen in den Eltern Angst auslöst. Sie fühlen sich dann überfordert, insuffizient und schuldig. Auch der Rollenwandel, selbst Eltern zu sein und aus der eigenen Tochter- bzw. Sohnrolle nun in die die elterliche Rolle zu wechseln, kann Schwierigkeiten mit sich bringen. Dem eigenen Partner bzw. der Partnerin nun nicht nur als Mann oder Frau zu begegnen, sondern auch als Vater und Mutter, kann frühere Konflikte zu den eigenen Eltern wiederbeleben und Gefühlsverwirrungen mit sich bringen.
Sind Eltern nicht in der Lage zu einem emotionalen Dialog oder zu feinfühligem Verhalten, so handelt es sich dabei selten um böse Absicht, sondern darum, dass Eltern selbst psychisch nicht in der Lage dazu sind. Entweder sie haben ein emotionales Defizit aufgrund seelischer Vernachlässigung oder sie leiden unter einem Gefühlsanalphabetismus. Vielleicht haben sie selbst Verluste erlebt, ohne von ihrem Umfeld aufgefangen worden zu sein oder sie leiden unter starken Ängsten. Dann können Eltern häufig ihrem Kind emotional nicht zur Verfügung stehen, da sie selbst traumatisiert sind, oder in ständiger Angst und Unruhe leben. Auch schwer depressive Eltern oder psychisch kranke Eltern können ihrem Kind wenig emotionale Sicherheit geben, es sei denn, sie erfahren Unterstützung durch die Großfamilie oder durch ein Netz aus professionellen Helfern. Sind Eltern großen Gefahren ausgesetzt oder finden sich selbst im Leben nicht zurecht, so entsteht zu Hause ein extrem angespanntes emotionales Klima, auf welches das Baby mit extremer Anpassung oder Unruhe in Form von körperlichen (psychosomatischen) Beschwerden reagiert. Der schreiende Säugling belastet wiederum die Familie enorm, dadurch erhöht sich wiederum der Druck für die Eltern – ein Teufelskreislauf entsteht.

Säuglings- bzw. Kleinkindpsychosomatik
Man geht davon aus, dass zirka 25 % der Babys und Kleinkinder, die an Kinderabteilungen ambulant vorgestellt werden, unter Symptomen leiden, welche Ausdruck einer psychischen Stresssituation sind. Es ist seit über 60 Jahren bekannt (Spitz, Gaddini), dass gestresste Babys und Kleinkinder vor allem an Fütterungsstörungen und Gedeihstörungen leiden. Die großartigen Forschungsarbeiten von Psychoanalytikern zeigen, dass Kinder mit massivem Erbrechen, massivem Wiederkäuen von Nahrung oder Nahrungsverweigerung und Bauchschmerzen reagieren. Babys und Kleinkinder antworten auf Beziehungsdysharmonien und Spannungen im familiären Umfeld prompt und heftig. Da Körper und Psyche stark miteinander verwoben sind und die kognitiven Ausdrucksformen noch fehlen, ist es durchaus verständlich, dass psychisches Leid, speziell beim Säugling und beim Kleinkind über den Körper kommuniziert wird. Sowohl Schlafstörungen, wie auch Schreistörungen, sind häufig Ausdruck psychischen Unwohlbefindens. Im Kleinkindalter zeigen sich oft Ausscheidungsprobleme und Verhaltensstörungen, wie Kopf auf den Boden oder gegen die Wand schlagen, Haare ausreißen, Stereotypien (immer wiederkehrende gleiche Bewegungsautomatismen).

Es bedarf einer besonderen Schulung, sich mit der Psyche des Säuglings und Kleinkindes vertraut zu machen. In der Kinderheilkunde erlangen die unmittelbaren Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche erst allmählich an Bedeutung. Neben der sorgfältigen körperlichen Untersuchung ist es notwendig, die Gesetzmäßigkeiten der Psyche zu berücksichtigen. Vor allem Ängste und drohende Trennung rufen bei Kindern eine Art Schockzustand hervor. Jeder Erwachsene weiß, dass Ängste und Aufregung im Körper heftigste Sensationen? hervorrufen können. Bei Menschen, die der Sprache noch nicht mächtig sind, wie Säuglingen, Kleinkindern und behinderten Kindern, reagiert der Körper umso stärker.

Hilfsangebote
Es ist die Aufgabe von PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen, PsychologInnen die Sprache des Körpers zu entschlüsseln, und zu erfassen was über den Körper ausgedrückt wird. Mit den Eltern soll versucht werden zu verstehen, was das Kind mitteilt, um gemeinsam Lösungen zu finden und positive Beziehungserfahrungen zu ermöglichen. Es bestehen noch Hemmungen Säuglinge und Kleinkinder PsychotherapeutInnen anzuvertrauen, daher werden sie eher zu funktionellen Therapien wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie überwiesen. Psychotherapie ist jedoch in vielen Fällen enorm hilfreich und notwendig. Sie wird gemeinsam mit dem Baby oder Kleinkind und seinen Eltern durchgeführt mit dem Ziel, die Beziehung zwischen Kind und Eltern zu verbessern, zu stabilisieren, und Eltern zu stärken damit sie ihrerseits Sicherheit und ihre eigenen Lösungen finden.

Frühe psychiatrische, psychotherapeutische und psychologische Hilfe im Sinne von Diagnostik, Behandlung und Prävention ist für viele Kinder zwischen 0 und 3 Jahren unabdingbar. Die Zusammenarbeit aller bereits erwähnten Berufsgruppen einschließlich Krankenpflege, Jugendwohlfahrt, Pädagogik und Frühförderung ist eindeutig in der Früherkennung und Behebung von Beziehungsstörungen hilfreich.

Frühe Hilfe bewirkt frühe Stabilisierung und kann dadurch psychische Fehlentwicklungen und spätere psychische Zusammenbrüche verhindern und psychisches Gedeihen ermöglichen.

Curriculum vitae

Name: Dr. Sabine Fiala-Preinsperger
Geboren: 1959 in Oberösterreich
Matura 1978 bei den Ursulinnen in Salzburg-Glasenbach
Beendigung des Medizinstudiums: Juli 1986 in Wien
Geburt meiner Söhne: 1985 und 1988
Turnusärztin von 1989 bis 1991 in Wien

Facharztausbildung
zur Kinderärztin: 1991 – 1996 an der Kinderpsychosomatik im Wilhelminenspital.
3 Jahre lang die Leitung der Säuglingsstation – Umstrukturierung einer klassischen Säuglingsstation in eine psychosomatische/psychotherapeutische Station.
Aufbau des Zentrums für Fütterungs-, Schlaf- und Schreistörungen, sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich (heutige Säuglingspsychosomatik des Wilhelminenspitals).
In dieser Zeit auch Beratung von Ärzten chirurgischer Abteilungen bezüglich psychischer Auswirkung von operativen Eingriffen bei Kindern verschiedener Altersstufen aus psychoanalytischer Sicht.

Seit 1980 Selbsterfahrung und psychotherapeutische Ausbildung (psychoanalytische Gruppentherapie, systemische Therapie, Gestalttherapie).

1993 Eintragung in die Psychotherapeutenliste des Österreichischen Gesundheitsministeriums.

1994 Erlangung des Diploms für Psychotherapeutische Medizin.

1994 Eröffnung der psychotherapeutischen Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

1994/1995 Lehrtätigkeit in der Krankenpflegeschule des Preyer’schen Kinderspitales und im Wilhelminenspital im Fach Psychosomatik

Seit 1995 Mitglied des regionalen Arbeitskreises „Frühe Eltern-Kind-Beziehungsstörungen“ in Wien mit Dr. Tamir und Dr. Vodopiutz.

1996 und 1997 Absolvierung des postgraduellen Hochschulkurses für medizinische Führungskräfte.

1996 und 1997 Auslandsaufenthalte an der Kinderpsychiatrischen Univ. Klinik in Basel bei Prof. Bürgin.

1996 – 1999 Zusatzausbildung im Fach Kinder- und Jugendneuropsychiatrie an der Abteilung für Kinderneuropsychiatrie am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel bei Prim. Doz. Dr. Berger mit den Schwerpunkten Kinderpsychiatrie, Neurorehabilitation im Kindes- und Jugendalter, Erwachsenen-Behindertenpsychiatrie.

1996 -2008 Forschungstätigkeit: Die Entwicklung von Kindern substanzabhängiger Mütter – Langzeitstudie.

Seit 1998 Lehrtätigkeit im Rahmen der Ausbildung für Psychotherapeuten (Lehrbeauftragte für das Propädeutikum) im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie bei der ARGE Bildungsmanagement-Wien.

1998-2007 Teilnahme an wöchentlichen Fallbesprechungsgruppen der Mobilen Frühförderung in Wien-Nord in Wien 9.

Lehrtätigkeit im Rahmen der Ausbildung für Mobile Frühförderung zu den Themen Entwicklungskrisen, Behinderung, Säuglings- und Kleinkindpsychosomatik mit dem Schwerpunkt kindliche Ess- und Gedeihstörungen, frühkindliche Traumatisierung, Eltern-Kind-Beziehung und ihre Störungen.

1998 – 2002 Vorstandsmitglied der GAIMH (Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit, German Association for Infant Mental Health)

2002 – 2007 Lehrbeauftragte im Universitätslehrgang für Mobile Frühförderung in Wien.

Seit 1999 Oberärztin an der Kinderabteilung des Landesklinikums Thermenregion Mödling – Aufbau und Integration der Kinder- und Jugendpsychosomatik an der Abteilung.

Seit 1999 Mitglied der Kinderschutzgruppe der Abteilung.


1999 Eröffnung der Wahlarztpraxis für Kinder- und Neuropsychiatrie neben der psychotherapeutischen Praxis

2002 Unterrichtstätigkeit in der niederösterreichischen Ausbildung im Kinderschutz zum Thema: Umgang mit „schwierigen Eltern“ (Gesprächsführung)

Seit 2006 Mitglied des Leitungsgremiums im 1. und 2. Lehrgang für Palliativ care in der Pädiatrie in Mödling.


März 2007 Eröffnung der Kassenpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie
in Mödling

2008 Co-Leitung der Kinderschutzgruppe an der Kinderabteilung Landesklinikum Thermenregion Mödling.

2008Beendigung der psychoanalytischen Ausbildung in der WPV (Wiener Psychoanalytische Vereinigung). Psychoanalytikerin für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Seit Jahren Konsiliarärztin für Sozialtherapeutische Wohngemeinschaften in Niederösterreich (Ebenfurth, Roseldorf, Pitten, Enzesfeld).

Supervisorin (Einzelsupervision und Team-Fallsupervision).


Buchveröffentlichungen:
Artikel: Ich hätte dich gerne anders gehabt. Arbeit mit Eltern und ihrem entwicklungsbeeinträchtigen Kind. Sabine Fiala-Preinsperger, Yael Tamir im Buch Beziehung und Entwicklung in der frühen Kindheit. Herausgeberin Fernanda Pedrina, 2001, Edition Diskord.

Artikel: Entwicklung von Kindern substanzabhängiger Mütter (E. Berger, T. Elstner, S. Fiala-Preinsperger, 2. Auflage 2007) im Buch Opiatabhängigkeit. Herausgeber: Beubler, Haltmayer, Springer. Verlag Springer, Wien - New York.

Artikel: Integration psychosomatischer Ansätze auf einer allgemeinen Säuglingsstation, im Buch Kinderpsychosomatik. Herausgeber Hans Zimprich, 1995. Georg Thieme-Verlag.

Weitere diverse Unterrichtstätigkeit und Weiterbildung

  • in der Krankenpflegeschule Baden und Maria Gugging im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie.
  • in der NÖ Landesakademie für Kindergärtnerinnen zum Thema „Frühe Beziehungsstörungen“
  • für Mobile Kinderkrankenpflege (MOKI-NÖ) zum Thema „Möglichkeiten und Grenzen in der Betreuung von Kindern substanzabhängiger Eltern“


Diverse Vortragstätigkeiten zu den Themen
Traumatisierung in der Kindheit und ihre Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter
Kinderschutz
Anorexia nervosa und andere Essstörungen im Säuglings- Kindes- und
Jugendalter
Schmerz und Psyche
Akute Belastungsreaktion
Chronische Traumatisierung
Das sterbende und behinderte Kind und seine Eltern
Gesprächsführung in der Diagnoseeröffnung
Kindliche Ängste
Aggression und Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Fremdunterbringung

Von Ingrid Geretschläger (Medienpädagogische Beratungsstelle, Baden)

Mit der weltweiten Vernetzung der Kommunikationskanäle durch das Internet ergeben sich für den einzelnen Nutzer vielfältigste Möglichkeiten sich zu orientieren, Kontakte zu knüpfen und kontaktiert zu werden. Der Mensch entwickelt seine Kommunikationsmöglichkeiten immer weiter, sucht Grenzen zu überwinden und neue Bereiche zu erschließen. Für solche Weiterentwicklungen und Fortschritt, wie für alles Neue, sind vor allem junge Menschen aufgeschlossen.

Von Ingrid Geretschläger (Medienpädagogische Beratungsstelle, Baden)

Mit der weltweiten Vernetzung der Kommunikationskanäle durch das Internet ergeben sich für den einzelnen Nutzer vielfältigste Möglichkeiten sich zu orientieren, Kontakte zu knüpfen und kontaktiert zu werden. Der Mensch entwickelt seine Kommunikationsmöglichkeiten immer weiter, sucht Grenzen zu überwinden und neue Bereiche zu erschließen. Für solche Weiterentwicklungen und Fortschritt, wie für alles Neue, sind vor allem junge Menschen aufgeschlossen.

Aber nicht jeder Fortschritt ist für alle Teile der Gesellschaft auch schon ein Gewinn. Segen und Fluch liegen nahe bei einander, bei der Wissenschaft und der Medizin genau so wie in der Technik. Mit den Möglichkeiten erweitern wir unsere Fähigkeiten, an Orte zu gelangen und mit Personen in Verbindung zu treten, die wir nicht von Angesicht zu Angesicht erleben können oder wollen. Warum tun wir es via Technik im Internet? Nur weil es möglich ist? Hier müssen wir ansetzen, bei uns selbst und bei dem was wir von den technischen Möglichkeiten auch wirklich wollen.

Technische Errungenschaften sollen Hilfe sein, nicht Ersatz und - bewusst genutzt - eine Bereicherung. Eine solche können sie aber nur für jene darstellen, die eine gute Basis für den Einsatz bzw. die Nutzung haben, sich auskennen, die Angebote bewerten, auswählen und sie in ihr Leben einordnen können. Neue Schlagworte wie knowledge gap, Wissenskluft oder internet divide wurden in den letzten Jahren immer häufiger verwendet. Die Wissenskluft wird zunehmend größer, wo die Basis-Orientierung fehlt. Ohne grundlegende Bildung fehlt der Rahmen für die Einordnung der neu verfügbaren Information, es fehlt aber auch die Möglichkeit der Relativierung dessen, was alles angeboten wird und wie man sich vor Problematischem schützt.

Wie nutzen junge Menschen nun die Möglichkeiten des Internet für sich und wie sinnvoll gehen sie damit um? Wir haben immer noch sehr spärliche und vor allem nicht kontinuierlich erhobene und daher vergleichbare Daten über die Mediennutzung österreichischer Kinder und Jugendlicher. Aus Einzelstudien wissen wir, dass Burschen und Mädchen annähernd gleich viel Computer und Internet nutzen, dies aber für unterschiedliche Zwecke tun. Mädchen sind kommunikativer und schicken vor allem E-Mails bzw. chatten gerne. Buben spielen Online-Spiele laden sich Musik und Cheats für Computerspiele aus dem Internet. Alle holen sich zunehmend verfügbares Material für die Schule - von eigens dafür geschaffenen Plattformen oder auch aus Referatebörsen, was die LehrerInnen nicht so gerne sehen. Copy & Paste hat Hochkonjunktur und führt oft zu seltsamen Blüten.

War das alles? Was ist mit aktiver Teilnahme an der Kommunikation, am aktuellen gesellschaftlichen Geschehen, am Austausch, an der Meinungsbildung? Partizipation, Publikationsmöglichkeit, Zugang zu allem vorhanden Wissen sind schöne Worte der neuen Kommunikation, aber diese Dinge funktionieren nur in bereits vorhandenen sozialen Strukturen. Anders die sogenannten Flashmobs - eine eher bedrohliche Inszenierung von "sinnlosen" Aktionen, ausgelöst durch Aufrufe im Internet und zusätzlich organisiert über Handys.

Vieles wurde mit dem Internet einfacher - das Denken ersetzt es aber nicht. Eine eigene Webseite zu erstellen ist heute ein Leichtes. Über Kinderseiten im Internet gibt es dazu Möglichkeiten, in der Schule wird dies im Idealfall über inhaltliche Projekte gelernt und umgesetzt. Die Frage ist nur, was jeder von sich ins Netz stellen soll. Was will/kann ich von mir mitteilen? Was kann und soll ich preisgeben? Die Frage des privaten und öffentlichen Raums und wie damit umgegangen werden soll, wird viel zu selten thematisiert. Es muss gut überlegt sein, was von einem ins Netz gelangt, wozu dann eben auch jeder Zugang hat - der der es gut meint, aber auch der, der vielleicht Böses will.

Allein schon das Bewusstsein dafür zu wecken, dass Kriminelle via Internet die Möglichkeit nutzen, strafrechtlich relevante Aktionen zu setzen oder zumindest schneller an Opfer heran zu kommen, ist ein wichtiger Aspekt bei der Nutzung. Das Vertrauen muss erschüttert werden, ohne Angst zu machen. Dies ist keine leichte Aufgabe für Eltern und ErzieherInnen, muss aber als Teil der Erziehung zu selbständigem Denken, zu Selbstbewusstsein und zur Übernahme der Verantwortung für sich und für andere bedacht werden.
An erster Stelle steht die eigene Sicherheit. So sollte auf folgendes geachtet werden:

Tipps zur sicheren Internetnutzung:

Wer du wirklich bist, muss im World Wide Web niemand wissen und wer sich dir im Netz nähert, muss nicht der sein, der er vorgibt zu sein. Daher gib nie den vollen Namen und Adresse oder Telefonnummer oder gar Fotos von dir und deiner Familie an persönlich dir nicht bekannte Personen weiter. Stell diese auch nicht ins Netz - bei persönlichen Webseiten ein häufig gemachter Fehler.

Wenn dir etwas komisch vorkommt, sag es einem Erwachsenen! Antworte nicht auf einschüchternde oder bedrohliche Nachrichten im Chat sondern informiere eine Vertrauenspersonen.

Wenn Geld verlangt wird - frag vor der Nutzung die Eltern! Nutze keine Seiten, für deren Besuch man zahlen muss. Auch Online-Bestellungen solltest du deine Eltern durchführen lassen.

Nimm Treffen mit Cyber-Freunden keinesfalls alleine wahr! Und auch nur an öffentlichen Orten in Sichtweite erwachsener Vertrauenspersonen.

Befolge zu deiner eigenen Sicherheit Altersbeschränkungen! Es gibt genügend tolle Seiten, die extra für dein Alter gemacht werden. Nutze diese und tausche die Information darüber mit deinen Freunden. Ignoriere Seiten, die dir von älteren Jugendlichen als "Mutprobe" genannt werden, sie sollen dich nur verunsichern.

Pass auch auf Jüngere und Ungeübte auf, damit sie nicht auf faule Tricks hinein fallen. Gib die Sicherheitstipps weiter und nenne Gleichaltrigen und vor allem Jüngeren sichere Seiten.

Beweise den Erwachsenen, dass du dich auskennst und verantwortungsbewusst handelst. Du weißt über die Gefahren Bescheid und kannst mit den dir zur Verfügung stehenden Freiheiten umgehen. Nutze die Möglichkeiten nicht aus, um andere reinzulegen - weder Gleichaltrige durch z. B. verächtlich machen, beleidigen, mobben, noch Jüngere durch Angst machen, oder LehrerInnen durch - Datenklau.

Im Rahmen diverser EU-Projekte wurde der sicherere Umgang mit dem Internet thematisiert und es wurden Regeln und Schutzmöglichkeiten entwickelt.

Solche und ähnlich Tipps bzw. Hinweise auf empfehlenswerte Internetseiten bekommst du bei der Medienpädagogischen Beratungsstelle www.medienpaed.at, unter www.saferinternet.at bei www.stoplinie.at, auf www.blinde-kuh.de, www.internet-abc.de usw

Von: Dr. Ulrike Zartler und Dr. Martina Beham
Quelle: beziehungsweise 3/2014

Kindern werden heute in vielen Lebensbereichen mehr Selbstständigkeit und Entscheidungsmöglichkeiten zugestanden als noch vor einigen Jahrzehnten. Dies zeigt sich zum Beispiel in einem veränderten Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, einem selbstbestimmteren Umgang von Kindern mit Medien oder vermehrten Mitsprachemöglichkeiten in der Schule. Je jünger Kinder sind, umso mehr treffen Eltern Entscheidungen nicht mit den Kindern, sondern für die Kinder. So sind es die Eltern, die darüber entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lassen oder nicht, ob die Tagesbetreuung ihres Kleinkindes primär familiär oder institutionell organisiert wird, welchen Kindergarten das Kind besucht, und vieles mehr.

Von: Dr. Ulrike Zartler und Dr. Martina Beham
Quelle: beziehungsweise 3/2014

Kindern werden heute in vielen Lebensbereichen mehr Selbstständigkeit und Entscheidungsmöglichkeiten zugestanden als noch vor einigen Jahrzehnten. Dies zeigt sich zum Beispiel in einem veränderten Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, einem selbstbestimmteren Umgang von Kindern mit Medien oder vermehrten Mitsprachemöglichkeiten in der Schule. Je jünger Kinder sind, umso mehr treffen Eltern Entscheidungen nicht mit den Kindern, sondern für die Kinder. So sind es die Eltern, die darüber entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lassen oder nicht, ob die Tagesbetreuung ihres Kleinkindes primär familiär oder institutionell organisiert wird, welchen Kindergarten das Kind besucht, und vieles mehr.

Aber wer legt fest, wann Kinder in Entscheidungsfindungsprozesse aktiv eingebunden werden? Wie gehen Eltern mit der Herausforderung um, ihren Kindern mit steigendem Alter mehr Autonomie zuzugestehen? Wie können Kinder ihre Anliegen ausdrücken, wenn Eltern nicht „im Interesse des Kindes“ entscheiden? Wie passen elterliche Schutz- und Versorgungsverpflichtungen mit Partizipa-tionsrechten von Kindern zusammen?

Diese und ähnliche Fragen diskutierte die Österreichische Gesellschaft für Interdisziplinäre Familienforschung (ÖGIF) im Rahmen eines ExpertInnen-Talks zum Thema „Kindliche Selbstbestimmung und familiäre Verantwortung“ unter Beteiligung von VertreterInnen aus Wissenschaft und Praxis.

Kinderrechte im Einklang mit elterlicher Verantwortung
Im Sinne der UN-Kinderrechtekonvention haben Eltern das Recht, aber auch die Pflicht, jedes Kind „in einer seiner Entwicklung entsprechenden Weise angemessen zu leiten und zu führen“ (Art. 5, UN-KRK). Zugleich werden Kinder als TrägerInnen eigener sozialer, kultureller und bürgerlicher Rechte anerkannt, und sie haben ein Recht auf freie Meinungsäußerung und Partizipation entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife (Art. 12 Abs. 1 UN-KRK).

Das Recht der Kinder auf Partizipation und die Verantwortung der Eltern zu angemessener Unterstützung stehen im Sinne der Kinderrechtekonvention allerdings nicht im Widerspruch, weil sie auf einem Bild vom Kind aufbauen, welches das Kind zum Träger seiner „evolving capacities“ macht. Das Kind wird, wie im Konzept der Entwicklungsaufgaben (Havighurst 1973) dargestellt, in seiner Entwicklung, seinen zunehmenden Fähigkeiten und seiner wachsenden Verantwortlichkeit gesehen. Eltern wird die Aufgabe zugeschrieben, die Autonomie des Kindes altersadäquat zu fördern und zu unterstützen, denn Kinder haben, wie im B-KJHG 2013 (§1 Abs. 1) formuliert, „ein Recht auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“.

Zentrales Leitprinzip dabei ist das Kindeswohl, das an der Erfüllung physischer Bedürfnisse ebenso festgemacht wird wie an Partizipationsmöglichkeiten. So etwa nennt der Gesetzgeber (§138 ABGB) als ein Kriterium bei der Beurteilung des Kindeswohls die Berücksichtigung der Sichtweisen des Kindes in Abhängigkeit von dessen Verständnis und Fähigkeit zur Meinungsbildung. Dabei ist der Wille des Kindes umso maßgeblicher, je eher es den Grund und die Bedeutung einer Maßnahme einzusehen vermag.

Wird das Kindeswohl hinsichtlich Pflege und Erziehung von Eltern oder sonstigen damit betrauten Personen allerdings nicht gewährleistet, so ist es Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, Unterstützung und Hilfe zur Förderung einer angemessenen Entfaltung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und/oder zur Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern zu gewähren (siehe §3 B-KJHG 2013).

Autonomieunterstützendes Erziehungsverhalten
Zu den elterlichen Erziehungskompetenzen gehört unter anderem das Bewusstsein, dass elterliches Erziehungsverhalten im Entwicklungsverlauf den sich verändernden Autonomiebedürfnissen von Kindern Rechnung tragen soll. Eine strikte Verhaltenskontrolle etwa widerspricht den steigenden Autonomiebedürfnissen von Jugendlichen (Baumrind 2005, Steinberg & Silk 2002). Werden Kinder mit ihren Sichtweisen und Interessen in familiäre Entscheidungsprozesse einbezogen, dann können in Familien die Grundlagen partizipativen Verhaltens erlernt und erprobt werden. Umgekehrt kann eine in der Familie gepflegte Verhandlungskultur zum Trainingsfeld für Partizipationsaktivitäten außerhalb der Familie, etwa in der Schule, werden (Alt et al. 2005). Auch tragen vermehrte Mitbestimmungsmöglichkeiten und die Förderung kindlicher Autonomie in Familie und Schule insgesamt zu einer positiven Lebenseinstellung bei und steigern nicht nur das Wohlbefinden im jeweiligen Lebensbereich, sondern beeinflussen sich wechselweise. Verstärkte Mitsprache- und Entscheidungsmöglichkeiten in der Schule wirken sich auch positiv auf das kindliche Befinden in der Familie aus. Dieser Effekt kann u. a. darauf zurückgeführt werden, dass demokratisch orientierte schulische Strukturen das Wohlbefinden, die Kompetenzen und die Schulleistungen der Kinder fördern (Bacher et al. 2007) und gute Schulleistungen ein positives familiäres Klima begünstigen.

Autonomieunterstützendes Erziehungsverhalten bedeutet nicht, dass adoleszente Kinder sich selbst überlassen werden. Gefragt ist nicht eine konfrontierende Verhaltenskontrolle, sondern vielmehr koerzive Kontrolle. Dies entspricht einem autoritativen Erziehungsstil, bei dem Eltern feinfühlig auf ihre Kinder eingehen, ihnen geforderte Verhaltensregeln erklären und diese begründen (Baumrind 2005). Autonomieunterstützendes Erziehungsverhalten setzt auf elterliches Monitoring (Informiertheit) über die Belange der Kinder. Zur Umsetzung eines solchen Verhaltens benötigen Eltern entsprechende Informationen und Kompetenzen.

Brisante Fragen, wie weit die Mit- und Selbstbestimmungsrechte von Kindern gehen sollen, stellen sich beispielsweise im Falle einer Trennung oder Scheidung der Eltern.

Elterliche Scheidung – Berücksichtigung des Kindeswillens
Der kindlichen Autonomie im Rahmen elterlicher Scheidung wurde in den vergangenen Jahren rechtlich vermehrt Rechnung getragen, wie Gesetzesänderungen im Bereich des KindRÄG 2001 oder KindNamRÄG 2013 zeigen. Kinder werden zunehmend gehört und erhalten die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Mit dem Rechtsinstitut des Kinderbeistandes (§104 AußerStreitG) wurde Kindern bei hochstrittigen Scheidungen eine Stimme gegeben (Barth/Gröger 2010).

Dennoch ist in besonders konflikthaften Fällen vielfach unklar, in welcher Relation Kinderrechte zu Elternrechten und -pflichten stehen, welche Gewichtung hier vorgenommen werden soll und inwieweit der Schutz des Kindeswohls dem Kindeswillen entspricht, beispielsweise bei der Kontakt- und Obsorgeregelung nach einer elterlichen Scheidung (Eich 2012, Figdor 2012).
Alternativ zum gerichtlichen Modell des Kinderbeistandes, der Besuchsbegleitung und verschiedenen Formen der Mediation wird daher bei konflikthaften Scheidungen auch mit anderen außergerichtlichen Trennungs- und Scheidungsverfahren versucht, Vereinbarungen auszuhandeln, die vor allem den Interessen der Kinder verpflichtet sind. In einem Collaborative Law-Verfahren („kooperatives Anwaltsverfahren“) als außergerichtlichem Trennungs- und Scheidungsverfahren bearbeiten strittige (Ehe-)Partner gemeinsam mit ihren jeweils beauftragten mediativ geschulten RechtsanwältInnen als ihre VertreterInnen Konflikte und suchen nach einvernehmlichen Lösungen. Einbezogen werden dabei als Kindercoaches auch psychologisch geschulte Fachleute. Sie beraten die Eltern, worauf diese angesichts des Entwicklungsstandes und der Bedürfnisse des Kindes bei der Ausarbeitung der Elternvereinbarung achten sollten.

Fazit
Seit der Ratizifierung der Kinderrechtekonvention vor mehr als 20 Jahren wurden rechtlich die Handlungsspielräume kindlicher Partizipation erweitert. Die Förderung kindlicher Autonomie erfordert neben rechtlichen Möglichkeiten aber auch elterliche Erziehungskompetenzen und das Bewusstsein, dass kindliche Selbstbestimmung ein Lernprozess ist, dessen Grundlagen wesentlich in der Familie erarbeitet und durch autonomieunterstützendes Erziehungsverhalten gefördert werden können. Aus Sicht der Kinder bietet das Praktizieren von Partizipation und Selbstbestimmung im einigermaßen geschützten Rahmen der Familien große Poten-ziale, was sich im Weiteren auch in verstärktem Engagement in anderen gesellschaftlichen Bereichen ausdrücken kann.

Literatur
Alt, Christian; Teubner, Markus; Winklhofer, Ursula (2005): Partizipation in Familie und Schule – Übungsfeld der Demokratie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 41, S. 24-31.
Bacher, Johann; Winklhofer, Ursula; Teubner, Markus (2007): Partizipation von Kindern in der Grundschule. In: Alt, Christian (Hg.): Kinderleben – Start in die Grundschule. Band 3: Ergebnisse aus der zweiten Welle. Wiesbaden: VS Verlag, S. 271-299.
Barth, Peter; Gröger, Katharina (2010): Das neue Kinderbeistand-Gesetz im Überblick. In: iFamZ, 5(4), S. 221-226.
Baumrind, Diana (2005). Patterns of parental authority and adolescent autonomy. In: Smetana, Judith (Hg.): New directions for child development: Changing boundaries of parental authority during adolescence. San Francisco: Jossey-Bass, S. 61-69.
Bundesgesetz über die Grundsätze für Hilfen für Familien und Erziehungshilfen für Kinder und Jugendliche (B-KJHG 2013); BGBl. Nr. 69/2013.
Eich, Holger (2012): Was ist Kindeswille, und wie bringen Kinder diesen zum Ausdruck? In: iFamZ, 7 (6), S. 324-330.
Figdor, Helmuth (2012): Welches Familiengericht brauchen das Kind, die Eltern, die Gesellschaft? In: iFamZ, 7(6), S. 318-323.
Havighurst, Robert (1973): Developmental Tasks and Education. 3rd edition, New York: David Mc Kay.
Kindschaftsrechts-Änderungsgesetz 2001 – KindRÄG 2001, BGBl. I Nr. 135/2000. www.ris.bka.gv.at Dokumente/BgblPdf/2000_135_1/2000_135_1.pdf
Kindschafts- und Namensrechts-Änderungsgesetz 2013 – KindNamRÄG 2013, BGBl. I Nr. 15/2013.
UN-Konvention über die Rechte des Kindes (1990): www.unicef.at/fileadmin/media/Kinderrechte/crcger.pdf (05.12.2013).
Kinderbeistand-Gesetz 2010; BGBl. I Nr. 137/2009.
Steinberg, Laurence; Silk, Jennifer S. (2002): Parenting adolescents. In: Bornstein Marc H. (Hg.): Handbook of Parenting. Nr. 1, Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum, S. 103-133.


Die ExpertInnenrunde
Univ.-Prof. Dr. Johann Bacher (JKU Linz, Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät)
PH-Prof.in Dr. Doris Baum (Pädagogische Hochschule der Diözese Linz)
Dr. Martina Beham-Rabanser (JKU Linz)
Dr. Andreas Girzikovsky (LSR OÖ)
Mag.a Michaela Kern (Kinderschutzzentrum Linz)
Dr. Helmut Sax (Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, Wien)
Dr. Friedrich Schwarzinger (Rechtsanwalt, Wels)
Mag.a Barbara Spranger (Institut für Familien- und Jugendberatung, Linz)
Prof.FH PDin Dr. Petra Wagner (Fachhochschule OÖ)
Mag. Christoph Weber (Pädagogische Hochschule OÖ)
Ass.-Prof. Dr. Harald Werneck (Universität Wien)
Mag. Peter Wienerroither (Amt der OÖ. Landesregierung)
Mag.a Carina Wiesmayr (KIJA OÖ)
Univ.-Ass. Dr. Ulrike Zartler (Universität Wien).


Kontakt
ulrike.zartler(at)univie.ac.at
martina.beham-rabanser(at)jku.at
Österreichische Gesellschaft für Interdisziplinäre Familienforschung (ÖGIF) www.oegif.ac.at

Dr. Martina Beham
ist Univ.-Ass.am Institut für Soziologie und Vorsitzende der Österr. Gesellschaft für Interdiziplinäre Familienforschung.
Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf Familie, Lebens- und Familienbeziehungen heute, Familie als Bildungspartnerin von Kindergarten und Schule.
Kontakt: martina.beham-rabanser(at)jku.at

Dr. Ulrike Zartler
ist Universitätsassistentin am Institut für Soziologie der Universität Wien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Interdisziplinäre Familienforschung. Sie beschäftigt sich unter anderem mit den Forschungsthemen Kinderrechte, Partizipation sowie Kinder nach einer elterlichen Scheidung.
Kontaktdaten: ulrike.zartler(at)univie.ac.at

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